Archiv für April, 2012

Posted in AdS on April 30, 2012 by androsch

Der doppelte Maßstab der Linken
Einsortiert unter: Deep Roots (Ü),Fremdsprachige Autoren,Sarah Maid of Albion — Deep Roots @ 13:16
Tags: Afrika, Anders Behring Breivik, Linke, Multikulturalismus, Norwegen, Sarah’s Albion Blog, Südafrika, Skandinavien, Verrat der Eliten, Weiße Selbstbehauptung

Von Sarah Maid of Albion, übersetzt von Deep Roots. Das Original The double standard of the left erschien am 18. April 2011 in Sarah’s Albion Blog.

Die BBC ist endlich zuzugeben gezwungen worden, daß der Gruß mit der geballten Faust, den der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik am Anfang jedes Tages seines Gerichtsverfahrens gemacht hat, kein „rechtsextremer Gruß“ ist, wie die Medien bisher behauptet haben, sondern in Wirklichkeit einer ist, der häufiger von Linksextremisten bevorzugt wird. Eine Geste, die am kultigsten war, als sie von Nelson und Winnie Mandela an dem Tag vor den Medien der Welt gemacht wurde, an dem Nelson 1990 aus dem Gefängnis entlassen wurde, oder von schwarzen Sportlern als Zeichen der „black power“ bei der Olympiade von 1968 in Mexico City.

Ich kann mir nur vorstellen, daß die BBC von jenen soweit beschämt wurde, daß sie das zugab, die darauf hingewiesen haben, wie irreführend frühere Berichte über den Gruß gewesen waren.

Unterstützer des ANC machen, was Nachrichtensprecher Jon Snow von Channel 4 News „einen Gruß an die extreme Rechte“ nannte
Ein besonders schändliches Beispiel der Versuche des Vortages zur Irreführung der Öffentlichkeit war das von Channel Four News’ pensioniertem Studioredakteur Jon Snow, der lange genug auf der Welt ist und genug zwielichtige linke Anliegen unterstützt hat, um ganz genau zu wissen, daß Breiviks Geste nicht der „Gruß an die extreme Rechte“ ist, als den er sie am Montagabend zu beschreiben beliebte.

Es blieb einem anderen Jon überlassen, diesmal Jon Kelly von der BBC, die Natur und Geschichte des Grußes mit der geballten Faust klarzustellen, seine stark sozialistische Ursprünge und seine Symbolik in jenen Anliegen, für die die Linken sich durch die Jahre eingesetzt haben.

Natürlich versucht der gehorsame Mr. Kelly in seinem Artikel, seine geschätzten Anliegen von den Taten von Anders Breivik zu distanzieren, indem er sagt, daß der Gruß mit der geballten Faust „eine lange Geschichte als Symbol des Trotzes und der Solidarität hat, das üblicherweise sowohl mit linker Politik als auch mit dem Kampf unterdrückter Gruppen assoziiert wird – von denen die meisten weit entfernt sind von der Politik, die von Breivik zum Ausdruck gebracht wird.“

Im Gegenteil, Mr. Kelly, im Gegenteil; in Wirklichkeit hat die Politik von Anders Breivik sehr starke Parallelen zum Kampf unterdrückter Gruppen, für die die Linke sich selektiv eingesetzt hat. Jedoch weigern sich die linken Medien, das zuzugeben, so wie sie sich immer geweigert haben, die „falschen Opfer“ anzuerkennen wie die Kulaken in der Sowjetunion in den 1930ern, die Opfer der Roten Khmer in den 1970ern oder die koptischen Christen und die Farmer der Afrikaaner von heute. Sie werden es nicht zugeben, denn die Linke steht wieder einmal auf der Seite der Unterdrücker, und Anders Behring Breivik gehört zu einer Gruppe, die sie, die Linke, unterdrückt haben will.

Es gibt in Wirklichkeit nichts sehr einzigartiges an Breiviks Verbrechen; wir sehen nur einen Kontrast in der Einstellung der Linken.

Die Geschichte ist voller solcher Ereignisse. Am 22. Juli 1946 (auf den Tag genau 65 Jahre bevor Breivik seinen Terrorakt beging) wurde ein Bombenanschlag gegen das King David Hotel in Jerusalem verübt, wobei 91 Menschen getötet und weitere 46 verletzt wurden; dies war ein Terrorakt der zionistischen Gruppe Irgun gegen die britischen Streitkräfte, die damals das Kommando über Palästina hatten, und es war einer der Hauptfaktoren, die zwei Jahre später zur Gründung des Staates Israel führten. Der Führer der Irgun zu der Zeit und der Hauptbeteiligte an der Planung dieser Greueltat war Menachem Begin, der später der sechste Premierminister Israels wurde, und 1979 erhielt er den Friedensnobelpreis.

Am 26 März 1953 griff im damaligen kolonialen Kenia eine Gruppe Mau-Mau-Terroristen (oder Freiheitskämpfer, abhängig von Ihrer Perspektive) das friedliche Dorf Lari im kenianischen Hochland an und hackte den pro-britischen Häuptling Luka und 97 Loyalisten der Kikuyu, großteils Frauen und Kinder, zu Tode.

Statue des Terroristen im Ruhestand Yomo Kenyatta
Obowohl die Mau-Mau formal besiegt wurden, war das Blutvergießen in Kenia einer der Hauptfaktoren, die zum Ende des britischen Empire und zur kenianischen Unabhängigkeit führten. Der Mau-Mau-Führer Yomo Kenyatta wurde zum ersten Premierminister des unabhängigen Kenia gemacht, und das Land änderte ihm zu Ehren sogar die Aussprache seines Namens. Kenyatta wurde später einer von Afrikas international am meisten gefeierten Führer, wie es bei afrikanischen Freiheitskämpfern im Ruhestand üblich ist, fabelhaft reich über alle Träume der Habgier hinaus.

Church Street, Pretoria 1983
Drei Jahrzehnte später fand am 20. Mai 1983 der Bombenanschlag in der Church Street in der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria statt; obwohl dabei nur 19 Menschen getötet wurden, wurden 217 verletzt, von denen viele für den Rest ihres Lebens schrecklich verstümmelt blieben. Die South African Truth and Reconciliation Commission identifizierte zwei der Helden des Kampfes gegen die Apartheid, Oliver Tambo und Joe Slovo, als Hauptverantwortliche für den Bombenanschlag; jedoch gibt Nelson Mandela, der, obwohl er im Gefängnis saß, das Oberhaupt des African National Congress (ANC) blieb, in seiner Autobiographie „The long walk to Freedom“ offen zu, daß er im voraus von dem geplanten Bombenanschlag wußte und „ihn genehmigte“.

Die Namen von Tambo und Slovo werden von der Linken mit der Ehrerbietung ausgesprochen, die sie sozialistischen Helden vorbehalten, die gegen Unterdrückung kämpften, wohingegen der pensionierte südafrikanische Präsident Mandela eine der meistgefeierten Gestalten des Planeten ist, ein global anerkannter Heiliger, gottähnliche Medienikone und ein weiterer Empfänger des Friedensnobelkinkerlitzchens. Während Mandela, bescheiden nach dem Maßstab pensionierter afrikanischer Führer, mit einem konservativ geschätzten Nettovermögen von 15 Millionen Dollar zurechtkommen muß.

Der seliggesprochene Nelson Mandela mit seiner gleichermaßen blutbefleckten Ehefrau
Viele werden bei diesen Vergleichen zurückschrecken, besonders mit dem seliggesprochenen Mandela.

Kaltblütiger Mord ist jedoch immer noch kaltblütiger Mord, egal welche Politik dahintersteht.

Die Linke mag ihre Liebe zu Israel verloren haben, aber solche wie Mandela, die Mau Mau, Castro und Che Guevara, alles Serien-Massenmörder, werden von der Linken gelobt und gefeiert, weil sie als Kämpfer „für ihr Volk“ gegen Regimes gesehen werden, die in den Augen der Linken „ihr Volk“ unterdrückten.

Das ist natürlich genau das, wie Breivik seine eigenen Taten sieht; eigentlich geht Breivik weiter, er betrachtet nicht nur die norwegische Regierung als Unterdrücker seines Volkes, er glaubt, daß die Regierung einen vorsätzlichen Akt des Genozids an seinem Volk begeht.

Hätte Breivik sein Verbrechen auf einem anderen Kontinent begangen, oder wäre seine Hautfarbe von anderer Schattierung gewesen – zweifelt irgendjemand daran, daß die Linken seine Taten bereits entschuldigen und manche ihn bereits einen Helden nennen würden?

Zufällig teile ich jedoch Breiviks Einschätzung der norwegischen Regierung, obwohl ich nicht glaube, daß sie die schlimmste ist; die schwedische, französische, amerikanische und, wie ich fürchte, die britische Regierung sind alle schon viel weiter bei der Enterbung und Ausrottung ihres eigenen Volkes, als es die Norweger sind.

Breivik ist jedoch ein Norweger, und er hat recht, wenn ihm zuerst an Norwegen liegt; er hat auch recht, wenn er behauptet, daß die meisten westlichen Regierungen des Genozids an ihren eigenen Völkern schuldig sind und er hat den Multikulturalismus zu Recht als das Mittel zu diesem Genozid identifiziert.

Worin er sich jedoch schrecklich, schrecklich irrt, ist der Glaube, daß kaltblütiger vorsätzlicher Mord, besonders an Kindern, die Lösung ist oder eine Tat, die jemals gerechtfertigt sein kann. Nur in der Vorstellung der Linken kann ein Massaker, wie er es begangen hat, jemals verziehen werden.

In gleicher Weise, wie ich den Bombenanschlag gegen das King David Hotel verurteile, das blutige Gemetzel im Dorf Lari und das böse Blutbad in der Church Street in Pretoria, verurteile und verwerfe ich mit demselben Nachdruck die monströsen Taten, die von Anders Behring Breivik am 22. Juli 2011 begangen wurden.

Die Linke jedoch ist viel weniger eindeutig in ihrer Verurteilung von Massenmord. Sie verurteilen Breivik zu Recht für seine blutige und abscheuliche Tat. Und doch schätzen und loben sie gleichermaßen blutige und abscheuliche Taten, wenn sie gegen ihre Feinde und von ihren Freunden begangen werden. Ihre Scheinheiligkeit und Unehrlichkeit wären verblüffend, wenn wir nicht so daran gewöhnt wären.

In seinem Gruß mit der geballten Faust übernahm das norwegische Monster die Geste der Linken, in derselben Weise, wie seine entsetzliche Tat die Methoden der Linken übernahm. Bei seinem schrecklichen Verbrechen hat er eine Lösung und ein Mittel gewählt, das historisch von der Linken gefeiert worden ist.

Anders Behring Breivik mag gesehen haben, was wir sehen; er mag um sein Heimatland geweint haben, wie wir es tun, und er mag dieselbe Ursache und dieselben schuldigen Menschen identifiziert haben wie wir. Aber als er sich an sein böses Werk machte, wurde er zu ihrer Kreatur, eine Kreatur der Linken. Die Linke mag ihn nicht wollen, aber als er sich für ihren Weg entschied, wurde er einer der Ihren, er ist keiner der Unseren.

* * * * * * *

Siehe auch:

Warum wir nach Oslo nicht einknicken und rumheulen… von Kairos
Eine (Verschwörungs-) Theorie von Kairos
Überlegungen zur Tat von Utøya von Schattenkoenig
Unterschiedliche Regeln von Baron Bodissey
Anders Behring Breivik, der neokonservative Rambo von Greg Johnson
Ist die weiße Rasse unterlegen? von Kevin Alfred Strom, worin der Autor folgendes über Sankt Nelson und seine Winnie zu berichten weiß:
Eine der Haupttechniken, die vom kommunistischen ANC zur Disziplinierung widerspenstiger Schwarzer eingesetzt wird, heißt „Halskrause“. Falls Sie nicht wissen, was das ist, werde ich es Ihnen beschreiben. Üblicherweise werden dem Opfer die Sehnen in Armen und Beinen durchschnitten, sodaß es nicht fliehen oder seine „Halskrause” entfernen kann. Die Halskrause ist ein alter Autoreifen, der mit Benzin getränkt, dem Opfer über den Kopf gelegt und angezündet wird. Jeder, der das Pech hatte, einen Reifenbrand zu erleben, weiß, daß Reifen langsam brennen und fast unmöglich zu löschen sind. Der brennende Gummi kocht und blubbert sich langsam in die Haut des Opfers. Egal wie sehr das Opfer sich wälzt oder windet, nichts löscht das Feuer aus, von dem es buchstäblich verzehrt wird. Es wird einen langsamen und extrem schmerzvollen Tod erleiden. Multiplizieren Sie dieses Bild im Geiste mit mehreren Zehntausend, und sie haben ein realistisches Bild davon, was für ein großartiger Freund der Schwarzen Nelson Mandela wirklich ist. Die Opfer der Halskrause waren fast alles Schwarze, die gegen den kommunistischen ANC waren. Nelson Mandelas Frau Winnie sprach für den ANC, als sie sagte: „Mit unseren Streichhölzern und unseren Halskrausen werden wir dieses Land befreien.“ All diese Tatsachen über Nelson Mandela und den ANC sind öffentlich dokumentiert. Sie alle könnten von jedem gefunden werden, der es selbst herausfinden möchte. Aber die meisten weißen Amerikaner glauben, was man ihnen sagt. Die Herren der Medien in New York und Hollywood müssen über unsere Gutgläubigkeit lachen, über unseren Glauben an ihr Bild von Nelson Mandela, das im völligen Widerspruch zu den Tatsachen steht. „Wir können die amerikanischen Schweine alles glauben lassen,“ müssen sie brüllen.
Kill the Blue-Eyed Babies von Baron Bodissey auf „Gates of Vienna“

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36 Kommentare »

1.Ich weiß nicht, ob diese Information, daß Breiviks Attentate auf den Tag genau 65 Jahre nach dem Bombenanschlag gegen das King David Hotel in Jerusalem stattfanden, schon irgendwo mal thematisiert wurde; jedenfalls läßt sie für mich die These plausibler erscheinen, daß die Terrorakte von Oslo und Utøya eine Art Semi-False-Flag-Operation war, die sowohl die linke Elite Norwegens für die kurz zuvor auf Utøya abgehaltene Palisoli-Veranstaltung und die Unterstützung der Palästinenser bei der Anerkennung eines eigenen Staates durch die norwegische Regierung vor der UNO (siehe http://www.israelnetz.com/themen/aussenpolitik/artikel-aussenpolitik/datum/2011/07/19/norwegen-fuer-un-abstimmung-ueber-palaestina/) bestrafen sollte als auch das Ziel hatte, der Sache der weißen Nationalisten und Multikultigegner maximal zu schaden. Es könnte durchaus sein, daß jüdische/israelische Dienste sich unter den norwegischen Nationalisten mit Breivik einen narzißtischen Soziopathen ausgesucht haben, der sich auch vom Äußeren her dazu eignet, gegenüber der Öffentlichkeit das Bild der mörderischen „blonden, blauäugigen Bestie“ zu projizieren, und diesen dahingehend manipuliert haben, zumindest einen Teil dieser Taten zu begehen.

Seltsam (und ein Indiz gegen die Alleintätertheorie) ist, daß Breivik zwar freimütig das Massaker auf Utøya zugibt und sagt, daß er nichts bereut, andererseits aber die Täterschaft beim Bombenanschlag bestreitet, obwohl das für ihn vom Strafausmaß her eh schon wurscht wäre (ich weiß nicht, ob er diese Version auch jetzt noch aufrecht erhält, aber zumindest in der Zeit nach seiner Verhaftung tat er es). Andererseits muß er davon zumindest vorweg gewußt haben, weil er sonst nicht anschließend so prompt seine Aktion auf Utøya hätte durchziehen können.

Was weiters für die Semi-False-Flag-These spricht:

– Breivik ist sowohl Zionist als auch Freimaurer;
– Es wäre wahrscheinlich für Breivik recht schwierig gewesen, in so kurzem Abstand den Bombenanschlag von Oslo durchzuführen und dann auf Utøya zu kommen;
– Es hat Zeugenaussagen gegeben, denen zufolge es auf Utøya mehr als einen Schützen gab. Natürlich müßte man bei einer gewissenhaften kriminaltechnischen Untersuchung, wie man sie normalerweise erwarten könnte, feststellen können, ob die am Tatort aufgefundenen Geschosse und Patronenhülsen alle aus Breiviks Waffen stammen oder nicht. Mir zumindest ist nichts davon bekannt, daß eine solche Untersuchung gegenüber der Öffentlichkeit thematisiert worden wäre, und außerdem wäre im Fall einer tatsächlichen Semi-False-Flag-Operation anzunehmen, daß man die norwegischen Behörden angewiesen hat, diese Spuren nicht nachzugehen;
– dieses ganze Thema der Bestrafung durch Töten der Kinder der zu Bestrafenden hat etwas sehr Jüdisch-Biblisches (Alttestamentarisches) an sich. Man denke nur an die erstgeborenen Kinder Ägyptens, die Jahwe massakriert haben soll, oder an den Psalm 137, in dem es heißt:

Tochter Babel, du Zerstörerin! Wohl dem, der dir heimzahlt, was du uns getan hast! Wohl dem, der deine Kinder nimmt und sie am Felsen zerschmettert!

Oder diese Stelle im 2. Buch Mosis, Kap. 34: „Gott, barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und groß an Güte und Wahrheit, der Güte bewahrt auf Tausende hin, der Ungerechtigkeit, Übertretung und Sünde vergibt – aber keineswegs hält er für schuldlos (und läßt ungestraft) den Schuldigen, den die Ungerechtigkeit der Väter heimsucht an den Kindern und Kindeskindern am dritten und vierten Glied…“

Praktisch ist natürlich auch, daß sie jetzt ethnonationalistische Positionen wie die unseren als „Wahnvorstellungen“ darstellen können, in die Breivik „sich hineingesteigert“ hätte, und jedem, der vor Multikulti und islamischer bzw. allgemein nichtweißer Einwanderung warnt, eine potentielle Mitverantwortung an Taten wie jenen von Breivik anhängen können.

Und während die Eliten beim Publikum mit dem Mitleid für Breiviks 77 Opfer Abscheu gegen nationalistische Positionen schüren, haben sie kein Mitleid für all die Opfer des Multikulturalismus übrig, die es allein in Norwegen bisher schon gegeben haben muß – all die Norweger und weißen Gäste, die von nichtweißen “Einwanderern” ermordet, beraubt, zusammengeschlagen oder vergewaltigt wurden. Wer weiß, vielleicht sind das schon weit mehr als 77?

Kommentar von Deep Roots — 24. April 2012 @ 13:20

2.Gegen die Alleintäterthese spricht meines Erachtens vor allem der unglaubliche Output von 69 mit einer Pistole (und einem Gewehr, wenn ich mich recht an die Berichterstattung erinnere) getöteten Menschen innert ca. 60 Minuten. Auf einer mit Bäumen bestandenen Insel, auf der die Leute spätestens nach der ersten Schussabgabe wild durcheinanderrennen, schafft es ein einzelner Mann, soviele Leute mit akkurat abgegebenen Schüssen und teilweise mit Fangschüssen (die ebenfalls Zeit kosten) zu töten. Für mich, der selber schon mit einer Pistole Combat-Schiessübungen absolviert hat und dabei sowohl aus der Bewegung wie auch auf bewegende Ziele geschossen hat, ist das eigentlich schlichtweg undenkbar. Mich erstaunt es seither, dass dieser Umstand eigentlich nie in den Medien thematisiert wird.
Meines Wissens gab es ja auch kaum Schwerverletzte bei diesem Massenmord und auch dies ist völlig undenkbar. Man muss sich vorstellen, dass saubere Schüsse auf bewegliche Ziele zwischen Bäumen enorm schwierig sind. Eigentlich müsste es vielmehr Verletzte als Getötete geben, aber nein, Breivik schiesst und Breivik tötet. Er ist der norwegische Lucky Luke.
Wäre Breivik ausgebildeter Angehöriger einer militärischen Spezialformation wie z.B. dem Britischen SAS, dann würde ich vielleicht mit leichter Skepsis an diese Geschichte glauben, aber ein Mann, der selber nur im Schiessclub war und ansonsten mit Ego-Shootern seine Hemmungen abgebaut haben will, muss schon ein seltenes Naturtalent im Umgang mit Waffen sein, wenn er diese Kill-Rate zustande gebracht haben soll.

Kommentar von branfendigaidd — 24. April 2012 @ 15:27

3.Ja, das ist ein weiterer Punkt. Vor allem bei Pistolen ist selten ein einzelner Schuß tödlich, noch dazu wenn auf entferntere und außerdem schnell laufende Menschen geschossen wird. Dazu müßte Breivik die Ruhe gehabt haben, zu jedem einzelnen niedergeschossenen Opfer hinzugehen und es aus der Nähe zu töten. Ich glaube mich zwar zu erinnern, daß es auch Verletzte gab (weil immer nur von den 77 Toten die Rede ist, geraten die Verletzten in Vergessenheit), aber ihre Zahl war bestimmt geringer als die der Toten.
Auch das ständige Wechseln der Magazine muß Zeit gekostet haben, ebenso wie das Suchen von im Gelände verteilten Leuten nach dem ersten Auseinanderstieben.

Kommentar von Deep Roots — 24. April 2012 @ 15:51

4.Nicht mal im Wikipedia-Artikel ist etwas von den Verletzten zu lesen, was den Schluss nahelegt, dass es nicht gerade überwältigende Mengen sein konnten.
Das mit den Fangschüssen wurde am Anfang der Berichterstattung mal erwähnt, also, dass er die bei den Opfern angewendet hätte. Letztlich heisst das, dass er pro Minute mehr als eine Person anschoss und mit Fangschuss erledigte. Bei beweglichen Zielen in unwegsamem Gelände.

Auf diesem Link sieht man ein Bildausschnitt von Utöya. Das ist nicht gerade das ideale Gelände für präzise Schüsse:

http://www.guardian.co.uk/world/2011/jul/23/utoya-mass-murder-anders-behring-breivik

In dem Artikel wird ein Zeuge zitiert:
“”He saw someone run into their tent and he just slowly went to the tent, opening it and shot the people in the tent. He had been very prepared for this. He said he would kill us all and everyone shall die.”
Auch hier: Erstaunlich, dass er mit diesem ruhigen Vorgehen soviele “hits” schaffte.

Ein anderes Zitat aus dem Artikel:
“I tried to call the police [on my mobile], but so did 200 others, so the system went down. I lay down and acted as if I were dead.

He approached, two metres away. He was kicking people to see if they were alive or dead. I could hear him breathe, I could feel the warmth from the machine gun. I heard a big boom and I couldn’t hear anything in my left ear. I didn’t think I was hit but it turned out I was shot quite badly. There were about 20 people dead just around me.”
Können zweihundert Anrufe ein Handynetz zusammenbrechen lassen? Ich weiss es nicht, aber vielleicht kann hier jemand anderes diese Frage beantworten. Wenn nicht, dann wäre denkbar, dass ein Störsender verwendet wurde, wie ihn militärische Einheiten und Nachrichtendienstler gerne verwenden. Abgesehen davon: Auch dieses Zitat zeugt von einem regelrecht rumtrödelnden Massenmörder.

Dann kommt noch die psychologische Komponente dazu. Natürlich ist davon auszugehen, dass Breivik eine zutiefst gestörte Persönlichkeit ist, aber die Tatsache, dass er keinerlei Gefechtserfahrung hatte, lässt es doch sehr unwahrscheinlich erscheinen, dass er diese effiziente Vorgehensweise eine ganze Stunde lang hätte durchhalten können. Bei einer Schiessübung mit (teils beweglichen) Scheiben und Gefechtslärm aus der Konserve erschöpft der Mensch schon ziemlich schnell. Die Eindrücke, die auf einem einprasseln, der Stress und auch die Angst davor, selber angegriffen zu werden, lassen einem immer unpräziser und nervöser werden. Militärische Spezialeinheiten geben viel Geld für ausgefeilte Trainingsmethoden aus, um diese psychologischen Probleme im Gefecht zu überwinden. Breivik schaffte das anscheinend autodidaktisch, indem er 16 Stunden pro Tag mit Ego-Shootern spielte und es dabei nebenbei zum Meisterschützen bracht.

Ich frage mich einfach die ganze Zeit: Wenn eine Aktion nach Elite-Soldaten aussieht, sich wie von Elitesoldaten ausgeführt anfühlt, den Bodycount hervorbringt, den Elitesoldaten hinbringen können und mit der Kaltblütigkeit und Effizienz von Elitesoldaten begangen wurde, ist es dann wahrscheinlich, dass es ein Ego-Shooter-trainierter, wirrköpfiger Einzelgänger war?

Kommentar von branfendigaidd — 24. April 2012 @ 17:15

5.Und ein weiterer faszinierender Aspekt im Hinblick auf den zeitlichen Ablauf:

http://www.123recht.net/Anwalt-Behring-Breivik-telefonierte-waehrend-Massakers-mit-Polizei-__a97973.html

Er nahm sich auch noch die Zeit, seine Seele ein wenig beim Telefonieren mit der Polizei baumeln zu lassen. Und munter tickt die Uhr.

Kommentar von branfendigaidd — 24. April 2012 @ 17:24

6.http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/686614/Breiviks-Anrufe-waehrend-des-Massakers-veroeffentlicht

ZEHNMAL! Hat er versucht, die Polizei anzurufen. Und zweimal kam er durch. Tick-tack…die Minuten rinnen dahin…

Kommentar von branfendigaidd — 24. April 2012 @ 17:27

7.Reblogged this on Die Killerbiene sagt… und kommentierte:
Hervorragende Analyse zum Umgang der Medien mit Anders Behring Breivik.
Auch interessante Hintergrundinformationen zu anderen, vergleichbaren Anschlägen.
.
LG, killerbee
.
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Kommentar von ki11erbee — 24. April 2012 @ 18:58

8.Die meisten muss er gleich zu Beginn erwischt haben, als alle versammelt waren und eine Art Ansprache zu den Vorgängen in Oslo erwarteten. Viele waren vor Schreck auch kaum fähig irgendetwas zu tun, nicht einmal zu flüchten. Angesichts dieses irrealen Ausmaßes an Gewalt, welches plötzlich in das Leben behüteter skandinavischer Jugendlicher einbrach, erscheint mir das vorstellbar.

Ausführlichere Berichterstattung bei Tanstafl:

Und hier die Twitterwiedergabe seiner Aussagen zum Tathergang:

https://twitter.com/#!/paulrbrennan

Kommentar von Monalisa — 24. April 2012 @ 20:06

9.@branfendigaidd
Der irre Norweger soll ja auch unter Drogen gestanden haben.
Gibt es da etwas, mit dem man schneller, ausdauernder und präziser schießen kann?

Kommentar von Sucher — 24. April 2012 @ 21:22

10.@monalisa: Ohne Tanstafls Artikel jetzt gelesen zu haben, überzeugt mich das immer noch nicht. Breiviks Aussage zu dem angeblichen Geschehen würde mich übrigens ebenfalls nicht überzeugen.
Wenn Eine Menschenmenge zusammensteht und jemand fängt an, auf diese Menge zu schiessen, dann sprengen die Leute auseinander und flüchten. Egal, was für eine Erziehung, was für ein Weltbild oder welche politischen Präferenzen sie haben, denn in diesem Moment übernimmt der Affe im Menschen. Und der Affe flüchtet oder kämpft im Angesicht der Gefahr. Nur ganz wenige sind wirklich „wie erstarrt“.
Sobald die Menschen aber anfangen zu flüchten, wird es für den Schützen schwierig, denn dann bewegen sich die Ziele. Wenn diese Ziele sich darüber hinaus auch noch zwischen relativ dichtstehenden Bäumen bewegen, wird es noch schwieriger.

Wir sind uns alle an Filme gewöhnt, in denen Leute sich mit völliger Sicherheit und Routine gegenseitig über den Haufen ballern, aber die wenigsten sind sich dabei bewusst, dass Schiessen eben in keiner Art und Weise so einfach ist. Bewegliche Ziele zu treffen, wenn man vor allem auf statische Scheiben schoss beim Üben, ist schwierig. Wenn die beweglichen Ziele dann noch fliehende Menschen und nicht etwa Hirsche sind, ist es noch schwieriger. Menschen haben ein saumässig schlechtes Körperprofil, um auf sie zu schiessen. Wie schon erwähnt, machen Bäume die Sache nicht unbedingt besser.

In der Columbine High School schafften die zwei jugendlichen Täter innert ca. eineinhalb Stunden 12 Todesopfer und 24 Verwundete. Ganz nüchtern gesehen erscheint das als recht plausible Todesrate.
Wenn wir von Polizisten hören, die Menschen erschiessen und dabei x Treffer in diesen versenken, muss man dabei bedenken, dass Polizisten in der Regel auf Angreifer schiessen und nicht auf Flüchtende. Auf Angreifer zu schiessen ist, wenn man es schafft, die Waffe rechtzeitig zu ziehen, einfacher, denn diese bewegen sich frontal auf einem zu, was die Chance, ihren Oberkörper durchlöchern zu können, merklich steigert.

Mir geht es nicht darum, hier irgendeine grossartige VT in die Welt zu setzen oder darüber zu fabulieren, wer das Massaker auf Utöya zu welchen Zwecken veranstaltet hat, aber wenn man die Tat ganz unemotional und auf das technische bezogen ansieht, muss man fast zwangsläufig skeptisch werden.

Man muss auch berücksichtigen, dass all die Zeugen von Utöya, die nun sagen, dass Breivik der Schütze war, den sie sahen, unter extremem Stress standen. Jeder Polizeibeamte weiss, dass Zeugen enorm unzuverlässig sind, was die Gesichtserkennung anbelangt. Völlig verängstigte, gestresste, von Adrenalin geflutete und in nackter Panik stehende Zeugen sind naheliegenderweise noch schlechter in der Disziplin der Gesichtserkennung und beschreibung. Kurz nach dem Massaker las man in einigen Zeitungen noch von Zeugenaussagen, die von mindestens zwei Tätern sprachen. Heute kräht kein Hahn mehr danach. Ich weiss nicht, was die Gründe dafür sind, denn diese anderen Täter sind einfach nie mehr erwähnt worden. Was aber interessant ist, ist, dass Breivik nach seiner Verhaftung so aussah wie auf folgendem Link sichtbar:

http://www.stern.de/panorama/attentaeter-von-utoya-und-oslo-foto-zeigt-breivik-kurz-nach-der-tat-1782896.html

Dieses Pseudo-Polizisten-Outfit sieht eigentlich ziemlich ähnlich aus wie…ein Taucheranzug. Das ist einerseits recht auffällig, was für verwirrte potentielle Zeugen geradezu ideal ist, denn genau auf solche Sachen kann man sich gerade noch knapp konzentrieren, wenn man total gestresst ist.
„Der Typ hatte irgendwie so nen schwuchteligen hautengen schwarzen Pulli an.“
Andererseits ist es auch recht praktisch für allfällige Mittäter, denn wie würde ein wirklich gut ausgebildeter Soldat oder Agent von einer Insel fliehen? Und würde ein Zeuge mich von einem Breivik unterscheiden können, wenn ich gleich schwuchtelig angezogen war, nur dass mein Outfit einen gewissen Zweck verfolgte? Eben.

Das Ganze ist, wie so viele Dinge in letzter Zeit, einfach verdächtig und ich für meinen Teil glaube (wobei ich hier keinen Anspruch auf den totalen Durchblick erhebe), dass es irgendwo auf dieser Welt jetzt mindestens einen Mossad-Agenten, KSK-Soldaten oder sonst einen skrupellosen und gut trainierten Menschen gibt, der sich beim Wort „Tempelritter“ lachend auf die Schenkel klopft.

@suchender: Wäre mir nicht bekannt. Der psychologische Aspekt bei der Tötung könnte mit Drogen vermutlich beeinflusst werden, aber Zielgenauigkeit und Reaktionszeit…eher im Gegenteil.

Kommentar von branfendigaidd — 24. April 2012 @ 22:07

11.@branfendigaidd
Würde ich auch sagen. Habe allerdings mal was von sog. “Go-Pills” gehört. Sind aber wohl eher für die Ausdauer.
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-26495748.html

Kommentar von Sucher — 24. April 2012 @ 22:18

12.Ja, die Ausdauer kann sicher positiv beeinflusst werden. Im WK2 hatten meines Wissens auch alle Parteien Amphetamine eingeworfen aus diesem Grund (und weil man unter dieser Droge nicht gerade sensibler und einfühlsamer wird). Diese beeinflussen wohl auch die Zielgenauigkeit eher nicht negativ, zumindest nicht solange man deswegen nicht bis an die Erschöpfungsgrenze gelangt.

Kommentar von branfendigaidd — 24. April 2012 @ 22:21

13.Wenn es möglich war die ESTONIA mit Hunderten von Toten einfach so im Sand der Zeit versickern zu lassen, dann wird das mit Breivik nicht unmöglich sein. Wer wird nächstes Jahr um diese Zeit noch von Breivik wissen? Sich dafür interessieren? Sich so dafür interessieren, daß er um jeden Preis Aufklärung fordert und den dazu nötigen politischen Druck aufzubringen und auszuüben im Stande ist? Eben! Natürlich wird der Name ‘Breivik’ bleiben – und man wird den Utoya-Anschlag mit ihm verbinden. Aber das ist leider nicht genug, um Licht ins Dunkel zu bekommen …

Kommentar von Sir Toby — 24. April 2012 @ 22:39

14.Mein “geliebter” Wisnewski geht davon aus, dass ALLE bekannten Amokläufe von Spezialkräften durchgeführt worden sind.

Klar stinkt alles an der Breivik Geschichte, aber ich muss gestehen, dass ich schon gar nicht mehr hinhöre und zusehe, weil ich eh nur Lügen erwarte. Die Kiste bleibt aus, Zeitungsabos sind abbestellt.

Kommentar von Dunkler Phoenix — 24. April 2012 @ 23:07

15.@dunkler Phoenix: Wisnewski erinnert mich manchmal an die Sowjet-Kommissare, die auch behaupteten, dass es keine Serienmörder in der Sowjetunion gäbe, weil das ein typisches Symptom der westlich dekadenten Gesellschaften wäre. Wisnewski glaubt auch, dass es keine durchgeknallten und völlig ausufernden Menschen gäbe, wenn das System anders wäre. Als wäre das Böse im Menschen eine Systemfrage und nicht eine des Menschen an sich.
Bei Breivik ist es einfach so, dass die Professionalität und die Effizienz einem stutzig werden lassen bzw. MICH stutzig werden lassen. Piloten, Ingenieure und Sprengmeister werden bei 9/11 stutzig. Leute, die selber schon mal dynamisches oder kampfbezogenes Schiessen ausübten, werden bei Breivik stutzig. Wenn man von irgendwas auch nur geringfügige Kenntnisse hat und dann sieht, wie plötzlich all diese Kenntnisse in den Medien unwidersprochen ad absurdum geführt werden, fragt man sich halt schon.

Kommentar von branfendigaidd — 24. April 2012 @ 23:14

16.@Brenfendiggaidd

Seit Tagen tut Breivik nichts anders als aussagen, wieso Du das nicht einbeziehst, ist mir zu hoch. Auf mich wirkt er aufrichtig, auch wenn sein nach eigenen Aussagen jahrelanges mentales und körperliches Training zum “Marxistenjäger” eine unwahrscheinliche Entschlossenheit voraussetzt. Seine Techniken hat er auch in diesem Manifest beschrieben. Steroide, aufputschende Musik, ständige Vergegenwärtigung von Mission und Botschaft, grob zusammengefasst.

Auf Utoya waren die wenigsten Jugendlichen immer am Rennen, sondern kauerten sich hinter Felsen oder versteckten sich hilflos in irgendwelchen Räumen. Ich wäre ebenfalls eine von denen, die weinend am Boden festwachsen würde, das erscheint mir, wie gesagt, verständlich. Und nach solchen Massakern tauchen fast immer Gerüchte über einen zweiten oder dritten Schützen auf, das war auch in Erfurt so oder wo immer sonst noch.

Ich deute das Abtun Breiviks in diesem Fall schon eher als Weigerung der Rechten der hässlichen Realität ins Auge zu blicken. Für einen Nationalisten, dem sich die Lage als existentieller Kampf zwischen Rechts und Links darstellt, ist die vorgehensweise von Breivik durchaus logisch. Zwar waren viele Opfer unter 18, was einen normalen Menschen, der in Friedenszeiten lebt, in Trauer und Bestürzung versetzt, jedoch hatten bereits viele Führungspöstchen nne und Breivik hat diejenigen, die besonders jung aussahen teilweise ausgespart, auch weist er es weit von sich, ein Kindermörder zu sein. Siehe die Berichterstattung bei Tanstafl. Im Gegenteil, er betont sogar den Vorteil Utoyas, dass seinen Kategorien entsprechend, dort gar keine unschuldigen Opfer in die Quere kommen konnten.

Angeblich hat er aber gehofft, dass die Bombe in Oslo die komplette Regierung wegfegt, dann wäre Utoya unnötig gewesen. Was aber auch eine nachträgliche Beschönigung sein könnte.
Der Mann war ein selbstgelernter Rechter, offensichtlich ohne den geringsten Kontakt zu realen Konservativen/Reaktionären, die seine “Internetausbildung” irgendwie hätten einordnen und besser sortieren können. Ob es in Norwegen überhaupt so etwas gibt wie einen historischen Antijudaismus, Antisemitismus weiß ich nicht. Von diesen Konflikten ist dieses dünn besiedelte Ländchen vielleicht völlig verschont geblieben, sodass dort flächendeckende Naivität herrschen könnte.

Kommentar von Monalisa — 24. April 2012 @ 23:24

17.Wobei es selbst dann immer noch im Bereich des rational Nachvollziehbaren wäre, auf die Jugend der etablierten Umvolkungsfunktionäre zu zielen, wenn man an diese selbst nicht rankommen kann.

Bei Tanstafl ist irgendwo die Adresse von Breiviks Zelle veröffentlicht. Wer sich der Überwachung durch den VS versichern will und sich nicht vor dem Adressaten graust, kann ihn ja dort anschreiben.

Kommentar von Monalisa — 24. April 2012 @ 23:32

18.@monalisa: Wieso ich Breiviks Aussagen wenig Wert beimesse, liegt darin begründet, dass ich ihn für eine Marionette halte, die ziemlich gut darauf gedrillt wurde, was sie auszusagen hat. Dass er dabei glaubt, ein ganz überragender Tempelritter und eine enorm wichtige Person zu sein, streite ich nicht ab. Aber er verrät seine Mittäter nicht, die in seiner Phantasie vermutlich die Templerische Widerstandsgruppe im Untergrund darstellen, obwohl sie einfach nur ein Haufen perverser Agenten irgendeiner sinistren Macht sind.

Und es sind eben genau diese Techniken, die Du beschreibst, die mich skeptisch machen. Musik, Steroide und die Mission? Ja, wenn das so einfach ist, wieso müssen diese verfluchten Navy-Seals, die SASler und all die anderen Profi-Mörder dann so aufwendige Ausbildungen durchlaufen? Könnte man ja alles viel billiger haben.
Abgesehen davon: Du widerlegst mit Deinem Kommentar keinen einzigen meiner Punkte. Die Schüler in Littleton waren ebenfalls nicht alle die ganze Zeit am Rennen, sondern versteckten sich ebenfalls in Räumen. Dazu noch in den sauberen, strukturierten Räumen einer Schule und nicht im unübersichtlichen Hintergrund eines Waldes. Trotzdem schafften sie es dort nur auf zwölf Tote.
Töten braucht Zeit, in dieser Umgebung (einem Wald) vielleicht sogar mehr als in jener (einem Haus), aber Breiviks angebliche Leistung ist rekordverdächtig. Solange mir das niemand wirklich plausibel widerlegen kann, zweifle ich die offizielle Version an.

Ah ja, es waren übrigens nicht einfach nur Gerüchte von einem zweiten Schützen, es waren Zeugenaussagen. Genauso glaubwürdig oder eben unzuverlässig wie jede Zeugenaussage unter diesen Umständen. Seltsamerweise waren letztlich aber nur noch die Einzeltäter-Aussagen glaubwürdig.

Kommentar von branfendigaidd — 24. April 2012 @ 23:39

19.@9: Ja, da gibt es was. Sage ich aber nicht.
Ein gelinder Schluck in der Birne ist die Minimalvariante, fällt aber auch schon unter Doping.

Kommentar von Hildesvin — 25. April 2012 @ 00:12

20.

Untenstehenden Artikel zufolge handelt es sich bei den Aussagen zum zweiten Schützen tatsächlich um mehr als Gerüchte:

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/enthuellungen/webster-g-tarpley/einzeltaeter-breivik-oder-was-steckt-wirklich-hinter-dem-oslo-attentat-.html

Kommentar von sternbald — 25. April 2012 @ 03:14

21.@Bren

Statt Gerüchte hätte ich besser über Zeugenaussagen gesprochen. Irgendwer hat immer mehrere Schützen gesehen oder meint das zumindest. Wenn die Mehrheit der mittlerweile zumindest selig gesprochenen Überlebenden sicher wäre, dass es einen zweiten Attentäter gab, dann ließe sich das kaum vertuschen. Diese Jungs und Mädchen haben alle Kontakte, die es da braucht und kein Problem an Öffentlichkeit zu gelangen.

Der Vergleich mit den Navy Seals o.ä. geht daneben, da diese darauf vorbereitet werden, auf ernstzunehmende militärische Gegner zu treffen, und nicht auf Ferien-Zeltlager.

Merkwürdig ist allerdings Breiviks Festhalten an der Existenz weiterer Zellen, das stimmt. Entweder er will seinem Anschlag und seinen Ideen ein größeres Drohpotential geben, als sie vermutlich haben oder er glaubt selbst an einen in Wartestellung befindlichen gewaltbereiten Untergrund (den es zumindest geben könnte, so klein er auch sein mag) oder es gibt tatsächlich weitere Unterstützer und Ideengeber, die er nicht nennt.

Dennoch entsteht der Rechten durch Breivik kein unüberwindliches Problem. Ohne zu wissen, auf was seine Andeutungen bezüglich eines angeblichen Ordens sich genau beziehen, kann ich ruhig zugestehen, dass es sich bei ihm um einen rechten Terroristen handelt, an dessen Genese die herrschende Ideologie und Klasse aber ganz klar die Hauptschuld trägt. Bis jetzt habe ich auch nicht den Eindruck, dass Breivik an unserer Lage etwas verschlechtert hat. Die Erkenntnis, dass es durchaus entschlossene Außenseiter geben kann, die unter dem Druck der erzwungenen Kolonialisierung ihrer Länder blutige Pläne zu schmieden beginnen, schwächt unsere Position nicht.

Eine Mitschuld gebe ich der islamkritischen Szene allerdings dahingehend, dass die Berichterstattung im Stil von GoV ins Nichts führt, da dort kaum konstruktive Überlegungen zur Sprache kommen, stattdessen endlos über den Verrat der Eliten und die neuesten Schandtaten der Moslems berichtet wird, einem die eigene Ohnmacht somit regelrecht eingebleut und jede Hoffnung genommen wird. Das mag seinen Teil zum Fanatismus Breiviks beigetragen haben.

Kommentar von Monalisa — 25. April 2012 @ 09:46

22.@Bren

Der Unterschied zu den Navyseals besteht darin, dass diese auf eine Konfrontation mit ernst zunehmenden Gegnern vorbereitet werden und nicht darauf, Ferienlager niederzumachen. Auch der Vergleich mit tatsächlichen Amokläufen durch gestörte Teenager hinkt, dass Breivik ein anderes Kaliber ist, ist doch keine Frage. Ich glaube nicht, dass der durchschnittliche Amokläufer wirklich emotionslos kalkuliert, wie er möglichst viele in den Tod reißen kann. Einerseits gibt es oft ausgesuchte Ziele, bestimmte Lehrer oder Mitschüler, andererseits geht es eher um das berauschende Machtgefühl an sich, EINMAL auftrumpfen zu können.

Aber als Schweizer und echter Waffenbesitzer, davon gehe ich jetzt mal aus, wirst Du das schon eher beurteilen können als ich. Und ich will Dich dahingehend nicht belehren. Merkwürdig sind auch tatsächlich Breiviks Andeutungen zur Existenz weitere Zellen. Einerseits geht es ihm wohl darum, eine möglichst furchterregende Drohkulisse aufrecht zu erhalten, um seiner Tat und seinen Ideen eine größere Bedeutung zu verschaffen, andererseits könnte es einen realen, wie klein auch immer, gewaltbereiten Untergrund in Wartestellung geben und zu guter Letzt sind auch Hintermänner möglich, wie Du es annimmst.

Trotzdem stellt Breivik für die Rechte kein unüberwindliches Problem dar. Ich habe keine Scheu davor, Breivik als Terroristen aus meinem Lager anzuerkennen, mit dem Zusatz allerdings, dass die herrschende Ideologie und Klasse die Hauptschuld an seiner Genese trägt.
Mit in die Verantwortung würde ich die islamkritische Szene nur dahingehend nehmen, dass ein Blog im Stile von GoV ins NIchts führt. Eine endlose Abfolge an Moslemschandtaten und die unverdauliche Dokumentation des scheinbar schicksalsgegebenen Verrats unserer Regenten, bläut uns die eigene Ohnmacht gewissermaßen ein, ohne Aussicht auf Hoffnung, eine Wende oder sonst ein Heilmittel.
Dieser Ansatz könnte schon zur Fanatisierung Breiviks und des monströsen aber planvollen Abtrainierens jeglichen Mitgefühls beigetragen haben.

Kommentar von Monalisa — 25. April 2012 @ 11:15

23.Mensch, hier jagt ja ein guter Bericht den anderen…..
Lob an Blog und an die Autoren!

Zu Breivik :
Der Gruß – Er ballt mit die rechte Hand zur Faust und und führt sie mit einem Schlag zur Herzgegend. Dieser 2. Teil ist der markante Unterschied zum roten Gruß. Sein Ursprung stammt von den griechischen Stadtstaaten. In Rom wurde er von den Prätorianern ( Leibstandarte des Kaisers verwendet). Meines Wissens wurde er auch bei Mussolini und bei den Pfeil – Bewegung in Ungarn , in den
30´ger Jahren benützt. Breivik ist ein verdammt guter Propaganda Meister !!! Den Prozess als Inzinierung für seine eigene politische
Richtung. er nimmt dem System, die Peitsche aus der Hand und führt sie vor:
– INFORMATION
– AKTION
– REAKTION
– ANALYSE

Schritt für Schritt. Da er konsequent geplant und ausgeführt hat, für was er steht, ist die Umkehrung von gut und böse ihm ,perfekt gelungen.

zu den toten Jugendlichen :
Keine Gesellschaft tötet ihre Nachkommen ! ( der Mord an der eigenen Brut ist das frevelhafteste, was es gibt. ) Breivik ist ein Mann der
konsequent die politische Situation, zu Ende gedacht hat. Multi -Kulti bedeutet – ein Genozid an den ansässigen Völker !!! Wer das politisch
fördert und fordert, muss an seinen eigenen Nachkommen, das Ergebnis ( die Vernichtung ) spüren.

Über die Tragweite ( weißer Mann- Europäer – Massenmörder – Nazi – Rassist ( in diesem Fall politischer Rassist )- negatives Beispiel für
die nationalen Strömungen in den Staaten in Europa ) das hat B. alles in Kauf genommen. Für das System, ist er Aufgrund seiner Etnie ,
Nationalität, Rasse , Religionszugehörigkeit- SCHULDIG . ergo austauschbar. ( Vor dem Massaker ). Diese Erkenntnis führte bei B. dazu, den FEHDEHANDSCHUH
aufzunehmen. er nahm die Kriegserklärung an ! Auch wurde ihm klar, das seiner ( unserer ) Ohnmacht keine Hilfe über die gesellschaftlichen , demokratischen Strukturen , zu erwarten ist. An diesem Punkt , meine Vernichtung , führt zu eurer Vernichtung !
da ist der ” humane Vertrag ” ( Menschlichkeit ) , von ihm gekündigt worden.
Breivik steht für eine neue Epoche. Eine seiner Botschaften ist : ” der demokratische Prozess ist von dem System gekündigt worden. Schlagen wir mit aller Härte zurück !!!
Das folgende habe ich bei Kyberline gefunden :

” Breivik entschuldigte sich bei einigen seiner Meinung nach unschuldigen Opfern. Einige der Verletzten oder Toten im Osloer Regierungsviertel hätten keine Verbindung zur Politik und den Ministerien gehabt. Diese Personen seien nicht das eigentliche Ziel
gewesen, sagte er. „An alle diese möchte ich eine große Entschuldigung richten.“ Zuvor hatte Breivik betont, seine jugendlichen Opfer auf der Ferieninsel Utøya seien alles andere als unschuldig, sondern politische Aktivisten gewesen
Diese Entschuldigung bei nur “Einigen” – am deutlichsten sagt Hindustan Times ist nicht nur eine dreiste Ohrfeige an die “Anderen”, sondern auch eine Botschaft an die Öffentlichkeit, an Freund und Feind. Und er ist ganz sicher, dass es da draußen eine Menge Leute auf seiner Seite hat, auch wenn man ihn in Isolationshaft gehalten hat und er wahrscheinlich mit niemand außer seinem Anwalt und den Ärtzen, die ihn auf seine geistige Zurechnungsfähigkeit testen sollten, kommuniziert hat. Wir brauchen die Zeitungsartikel um es zu wissen. Er aber weiß es einfach und ist immer seinen Gegnern um einem Schachzug voraus.

Man kommt um die Frage nach seinem IQ nicht herum – und auch andere wollten es schon wissen, nicht nur wir. Denn irgendwann fällt einem auf, dass er was von der gewissen besonderen Substanz hat, wie man so schön sagt, “zwischen Genie und Wahnsinn”. Normale Menschen könnten das nicht.

What is Anders Breivik’s IQ?

Ich habe den Test des Briggs-Meyers, die eine Zeit zurück liegt und ich sah dort, dass sie ihn als “INTJ” klassifiziert hatten. Das ist eigentlich der Typus “Mastermind”. Das ist noch keine Aussage über seine Intelligenz. Aber er hat ein Typus, das dazu fähig ist, Systeme zu bilden. So jemand wie Issac Newton, Schwarzenegger oder Stewie Griffin (Leute vom selben Typus)

I actually took a Briggs-Meyers personality test a while back, and saw they had him classified as an “INTJ”. Which is called the “Mastermind” personality type. Not that proves his is an authority in intellect. He just has a personality type that builds systems. Much like Issac Newton, Schwarzenegger, or the character of Stewie Griffin (people with the same personality type).

Noch einmal, das ist noch keine Bewertung seiner Intelligenz. Es zeigt lediglich, dass er zu der Sorte gehört, die ein Spiel umkippen, ein System bauen, und über die Kurve hinaus blicken. Das hat ihn wahrscheinlich dazu befähigt, ein sehr effektiver “Einsamer Wolf”/Bomber zu sein (ich vermute mal, Terrorist.)

Once again, that doesn’t note intellectual capacity. Just that he tends to be a game changer, a system builder and ahead of the curve. Which probably resulted in him being what is probably the most effective lone wolf gunman/bomber (I guess terrorist? ”

Was 11. 9. für den islamischen Dijhaad ist, steht Breivik für die Gegenbewegung in Europa.

Adam

Kommentar von Adam — 25. April 2012 @ 18:49

24.Entschuldigt bitte den doppelten Beitrag. Die erste Version hing eine Weile in der Warteschleife. Dafür bin ich nun wieder Monalisa.

Kommentar von Monalisa — 25. April 2012 @ 19:42

25.@Monalisa: Natürlich sind Navy Seals ein anderes Kaliber, aber gewisse Trainingsinhalte wie Abbauen der Tötungshemmung, extrem effizientes instinktives Schiessen und das Nerven behalten in extremen Stresssituationen scheint sich Breivik trotzdem nur vermittels Computerspielen und einer Mitgliedschaft im Schützenclub antrainiert zu haben. Das ist schon erstaunlich.
Und natürlich hinkt der Vergleich mit den pickligen Massenmördern, die die USA so regelmässig hervorbringen, aber ich habe sie vor allem deswegen aufgezählt, weil die dabei jeweils auftretende Abschussstatistik immer relativ ähnlich ist und ausserdem ziemlich plausibel.
Ich möchte Dich übrigens auch nicht belehren, denn ich habe vielleicht mehr Ahnung von Waffen als Du (obwohl ich dafür nicht meine Hand ins Feuer legen würde, da ich Dich ja nicht kenne), aber ich bin selber auch kein Fachmann. Ich bin einfach wegen der wenigen Kenntnisse, die ich habe, skeptisch. Das unterscheidet mich dann auch von einem Wisnewski…ich habe eigentlich keine richtige Ahnung, was da passiert ist oder wer dahinter steckt, aber ich habe starke Zweifel an der offiziellen Version und darüberhinaus auch gewisse Verdachtsmomente, die ich erwähnt habe. Aber die Weisheit mit Löffeln gefressen habe ich nicht.

Was Du sonst in Deinem letzten Kommentar geschrieben hast, von wegen islamkritischen Blogs etc., kann ich so unterschreiben.

Kommentar von branfendigaidd — 25. April 2012 @ 20:43

26.… denn ich habe vielleicht mehr Ahnung von Waffen als Du (obwohl ich dafür nicht meine Hand ins Feuer legen würde, da ich Dich ja nicht kenne), aber ich bin selber auch kein Fachmann. Ich bin einfach wegen der wenigen Kenntnisse, die ich habe, skeptisch.

Mit Recht, wie ich finde. DENN: Die einzige Waffe, die ich in der Hand hatte, war das Gewehr an der Schießbude. Und das ist jetzt auch schon bald 40 Jahre her. Aber dieser Vergleich mit der Columbine-High … das finde ich absolut nachvollziehbar und überzeugend. Breivik hat sich vielleicht wesentlich länger vorbereitet, vielleicht auch BESSER vorbereitet – abgesehen davon, daß sein Motiv (Kampf für etwas, nämlich die eigene RASSE, nicht nur das eigene Volk!) ganz anders motiviert haben mag als das Motiv der Columbine-Täter (was war nochmal gleich deren Motiv? Langeweile? Oder sowas in der Art…??). Aber dennoch: Wenn in Columbine in eineinhalb Stunden bei wesentlich besserer Übersichtlichkeit gerade einmal 12 Opfer erschossen werden, auf Utoya – immerhin eine Insel – in einer Stunde 69 Opfer – also fünfmal soviele!! – … dann gibt das doch schon zu denken bzw. regt zu Fragen an. Oder doch wenigstens zu einer einzigen: WIE, zum Teufel, IST SO ETWAS MÖGLICH??? Stehen da nicht einfach die Schwierigkeiten des ganz anderen Geländes im Wege? Das kann doch gar nicht stimmen …

Kommentar von Sir Toby — 25. April 2012 @ 22:45

27.Ich halte Deine Ausführungen – vor allem den Vergleich mit der Columbine High School – auch für sehr bedenkenswert, Bran. Eine Waffee habe ich natürlich selber noch nie in der Hand gehabt. Und man muss dabei auch bedenken, dass es bei der Columbine tatsächlich zwei Täter waren.

Was mich an der Alleintäterschaft Breiviks zweifeln lässt, sind also:

– die extreme Unwahrscheinlichkeit, dass ein Einzelner das schaffen kann
– die Zeugenaussagen, die zwei Täter gesehen haben
– dass Breivik direkt nach seiner Verhaftung den Anschlag in Oslo bestritten hat
– dass er von einem Netzwerk gesprochen hat, dem er angehört

Drei Punkte sind aus der Berichterstattung verschwunden, beim vierten wird ein Bezug zu islamophoben Trotteln Marke PI gezogen. Bei der ganzen Berichterstattung über den Prozess geht es nur um Breiviks Gesinnung, nicht um den Tathergang. Das erinnert an die Show eines Magiers, wo die gesamte Aufmerksamkeit des Publikums auf eine Assistentin im Flitterkostüm gelenkt wird… oder eben auch an 9/11, wo diejenigen, die beharrlich an der offiziellen Version festhalten wollen, auch mit Gesinnungsargumenten kommen. Das heißt, sie unterstellen Truthern, diese würdem sich nicht vorstellen können, dass Moslems “böse genug sind”, so etwas zu tun, wären also gehirngewaschene Islamophile, bzw. umgekehrt: wären Antiamerikaner, die böse Gesinnung nur bei den Amerikanern ausmachen können, nicht aber bei edlen Wilden. Sie kommen aus dieser Fixierung auf das Gesinnungsthema nicht raus, gehen davon aus, dass man die technischen Sachen nur erfindet, weil sie zur Gesinnung (islamophil, antiamerikanisch, antisemitisch) passen. Einen umgekehrten Weg an Fragen heranzugehen, können sie sich gar nicht vorstellen – was darauf schließen lässt, dass es sie selber sind, die so an Fragen herangehen.

In Wirklichkeit geht es aber nie darum – weder hier noch bei 9/11 – wer böse genug ist, so eine Tat zu begehen, sondern darum, wer technisch dazu in der Lage war, sie zu begehen. Dazu gibt es auch noch andere Beispiele, die ich aber hier nicht erwähnen will.

Das geht aber in unserer Welt genau so unter wie Mathematik- und Naturwissenschaftsunterricht in unseren Schulen gegenüber Ideologiegelaber vernachlässigt wird. Ob etwas technisch, naturwissenschaftlich und vom logischen Ablauf her realitätsnah oder fast unglaublich, möglich oder vollkommen unmöglich war, bleibt im Hintergrund, dabei wird das natürliche Bedürfnis argloser Menschen bedient, die einfach viel lieber “über andere Leute tratschen” als über den Schmelzpunkt von Stahl oder die Beschaffenheit von Patronenhülsen und wo sie genau aufgefunden wurden.

So wurde bei 9/11 eine öffentliche Debatte geführt, ob die Tat auf Bosheit und Angriffslust (Djihad) von Moslems zurückzuführen ist oder darauf, dass sie einen berechtigten Groll gegenüber den USA hatten.

So wird bei Breivik die Debatte geführt, ob er durch “islamophobe Hetze” zu seiner Tat bewegt wurde, oder eben auch, ob er einen berechtigten Groll auf die Kulturmarxisten hatte. Diese Fragen sind nicht irrelevant, aber sie sind nachrangig gegenüber der Frage der technischen Durchführbarkeit. Wenn die offizielle Version unmöglich ist, dann ist sie falsch. Punkt. Das ist bei 9/11 der Fall. Bei Breivik ist die offizielle Version nicht unmöglich, aber sehr unwahrscheinlich – und das genügt, um sie anzuzweifeln. Das genügt Kriminalisten und Staatsanwälten nämlich normalerweise, um jeden Stein umzudrehen (zumindest gehe ich aufgrund von Krimilektüre davon aus, und der gesunde Menschenverstand sagt auch, dass das so laufen muss, im Grunde sollte auf JEDEN Fall bei einem Mord oder sogar Massenmord jeder Stein umgedreht werden, Geständnisse eines Täters sind neben Sachbeweisen nachrangige Indizien).

Mir scheint aber nicht, dass das gemacht wird, sondern dass mal wieder alle Augen aufs Flitterkostüm der Magier-Assistentin (Thema: Gesinnung des Täters) gelenkt werden.

Was auch noch vollkommen unklar ist, ist das Tatmotiv. Ich meine damit nicht, was Breivik und/oder seine Hintermänner so sehr geärgert hat, dass sie zu dieser Tat schritten, sondern, was sie damit erreichen wollten, also nicht den Grund für die Tat sondern den Zweck.

Die Multikulturalisierung Norwegens läuft munter weiter, es kam sofort ein “Jetzt erst recht”-Statement der Politiker, und es war auch vorher klar, dass diese Tat nicht zu einer Beendigung des Kulturmarxismus oder auch nur zu einer Reduzierung der Einwanderung führen würde. Ich glaube auch nicht, dass es zu einer Gesinnungsänderung bei den Eltern der Opfer geführt hat, und ich glaube auch nicht, dass man für eine Marionettentätigkeit so talentiert sein muss, dass der Tod von 69 jungen Norwegern in der nächsten Politikergeneration zu Nachwuchsmangel führen wird.

Was hat dieser Mord bewirkt?

Wie es derzeit für mich aussieht: Nichts.

Kommentar von osimandia — 26. April 2012 @ 09:26

28.In dem Jugendlager der Jugendorganisation Norwegens, der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF (Arbeidernes Ungdomsflyking, der sozialdemokratischen Arbeiterpartei des amtierenden norwegischen Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg) waren keine Kinder sondern junge Erwachsene, die, wenn man das “Boikott Israel” Transparent sieht, auch politisch geschult wurden, bzw. politische Aktionen durchführten.

Am Tag zuvor hatte es einen “Boikott Israel” auf Utoya in Anwesenheit von Jens Stoltenberg gegeben.

Und genau einen Tag später erschien das Logenmitglied, Breivik, auf der Bildfläche um als Alleintäter erst das gesamte Regierungsviertel in die Luft zu sprengen und dann, in aller Ruhe, die jungen Leute auf der eine Autostunde von Oslo entfernten Insel Utoya massenhaft zu erschiessen. Ohne jede Behinderung durch die Polizei.

Sehr, sehr eigenartig!

Kommentar von submarine — 26. April 2012 @ 16:57

29.Berichtigung: Nicht Jens Stoltenberg war bei der Aktion “boikott Israel” sondern der Norweigan Foreign Minister Gahre-Store.

Kommentar von submarine — 26. April 2012 @ 17:03

30.Norway Utoya Youth Camp: Israel Boycott – Palestinian Statehood – Break the Blockade Games: A Different Kind of Hate Brewing in Norway

http://www.maggiesnotebook.com/2011/07/norway-utoya-youth-camp-israel-boycott-palestinian-statehood-break-the-blockade-games-a-different-kind-of-hate-brewing-in-norway/

Kommentar von submarine — 26. April 2012 @ 17:11

31.osimandia,

das Attentat hat nicht viel Gutes für die Nationalen gebracht. Ich glaube auch nicht, dass das das Ziel war.

(Die Ausnahme ist, dass man Counterjihadisten ihren Breivik vor die Nase schmieren kann, wenn sie sich mit der Terror/Gewaltkeule von Nationalisten distanzieren und ihre Ideologie als strahlendes Vorbild des seriösen Widerstands verkaufen wollen.)

Zu einer Gesinnungsänderung der Elter der Opfer braucht es gar nicht zu kommen. Es wird den Strippenziehern reichen, dass sie diesen Eltern demonstriert haben, dass man sich nicht mit ihnen anlegt.

Ich glaube, du siehst das aus einer zu europäischen Perspektive des Win-Win-Strebens und Überzeugens der Gesprächspartner.

Wenn ein junger Türke Ärger mit einem Deutschen hat, schickt er seine Freunde und Verwandtschaft vorbei. Der Deutsche hat danach immer noch die selben Probleme mit dem Türken, die er vorher hatte, aber er steht dem Türken nicht mehr im Weg. Aus Furcht. Nicht weil sich seine Gesinnung geändert hätte.

Vergleicht man Breiviks Massaker, mit all den anderen Anschlägen, die den Rechte (gerechtfertigt oder ungerechtfertigt) in die Schuhe geschoben werden (Bomben auf Volksfesten, jüdischen Friedhöfen, autonomen Zentren, Morde an jüdischen Talkshow-Bösewichtern oder irgendwelche unbekannten Ausländern), dann fällt auf, dass hier überhaupt mal ein relevantes Ziel (Spitzenpolitiker über ihre Kinder) anvisiert wurde, anstatt irgendwelche Otto/Schimon/Achmed Normalbürger. Objektiv betrachtet, rangiert Breiviks Plan von der Effizienz her so weit oben (unter all diesem grottenschlechten Zeugs) und trotzdem wird der Plan unter Rechten so weit runter gemacht wie kein zweiter.

Wenn man das Überleben des norwegischen Volks als Motiv beiseite läßt und etwas größeres Internationales vermutet, muss man sich fragen, warum Norwegen? Auf Anhieb fallen mir dazu nur drei mögliche Antworten ein:
1. Weil es dort am leichtesten durchzuführen war.
2. Weil Norwegen unter den Europäern bei weiten am meisten Öl besitzt.
3. Weil Norwegen sich unter allen europäischen Staaten am weitesten gegen Israel aus dem Fenster gelehnt hat. Besonders sind mir und den Juden die Berichte eines norwegischen Arztes (und die Rückendeckung durch seine Regierung) in Erinnerung, darüber, dass Israelis die Organe von Palästinensern verkaufen.

Breivik ist wahrscheinlich der bekannteste offen bekennende Zionist unserer Tage. Und trotzdem wird er nicht als Zionist wahrgenommen. Das ist erstaunlich. Das muss erstaunen!
Er hat seinen Terrorakt sogar offen mit auch zionistischen Absichten begründet. Aber ausserhalb der Counterjihadszene kriegt das keiner wirklich mit. Wie kann das sein?

Angeblich gibt es doch so viele Israel-hassende Medien. Da kommt so eine Vorlage auf dem Silbertablett und dann … nichts. Schlimmer als nichts. Nebelkerzen. Haben die selbst Angst bekommen oder waren die von Anfang an gar nicht so Israel-hassend?

In Deutschland wurden uns teilweise Gedankenketten vorgetischt, auf die die Antifa stolz wäre. Anhand des Worts “Demokraten” werden jugendliche Deutsche, die mit Masken herumlaufen müssen, weil vom Staat sonst schickaniert würden als kleine Breiviks abgestempelt und anschließend noch eine legale deutsche Partei mit ins Terrorboot genommen:
Panorama Breivik NPD

Die Counterjihadisten wurden in Deutschland auch ein wenig (aber abgeschwächt) unter medialen Beschuss genommen. Aber nicht wegen ihres Zionismus, sondern, weil beispielsweise Aussagen geleakt wurden, dass Breivik einer von ihnen hätte sein können.

Auch hat niemand von Israel erwartet sich für die Attentate zu entschuldigen. Wenn einem deutschen Nationalisten etwas nachgesagt wird, stehen kurz später Türkische Politiker und jüdische Vertreter auf der Matte und fordern Entschuldigungen ein. Wenn Araber irgendwas Großes anstellen, drücken die entsprechenden Regierungen ihr Beileid aus und Muslime strömen auf die Straße mit Spruchbändern “Wir sind keine Terroristen”. Wenn ein Zionist 70 Kinder europäischer Politiker tötet, stehen europäische Politiker auf und fordern härteres Vorgehen gegen Rechts, während sich das auserwählte Volk vor Lachen die Bäuche halten muss.

Ich will Breivik nicht vorwerfen, dass alles so seine Absicht war. Ich halte ihn für einen Extremisten, der von Untergrundorganisationen manipuliert wurde.

Wenn ich mir das Ergebnis ansehe, steht es fünf Punkte für Israel und minus zwei gegen ein nationales Europa. Nicht alle Attentate oder Geheimdienstopperationen sind missglückt. Manche haben auch einfach nur einen anderen Auftraggeber als uns vorgemacht wird.

Wenn ich mir jetzt das Bild von Breivik angucke, dann spüre ich eine ungebrochene, aggressive, entschlossene und demütige Haltung von einem sauberen und ordentlich angezogenem Menschen. Er wirkt auf mich wie ein rausgeputzter Soldat. Einer von vielen Soldaten. Hätte man wirklich kein besseres Bild nehmen können, um ihn schlecht zu verkaufen. Beim Reden mit einem Speichelfaden zwischen den Zähnen. Mit Schweistropfen auf der Stirn. Oder wenigstens sitzend. So ein Foto wäre von einem Nationalisten von der Presse gar nicht weiter verwendet worden.

Kommentar von reinigungskraft — 26. April 2012 @ 22:03

32.Im Zusammenhang mit diesem Strang empfehle ich die Lektüre von Greg Johnsons Artikel Über Gewalt, insbesondere wegen dieses Abschnitts (fette Hervorhebung im Text von mir):

Wie ich nie müde werde euch zu erinnern, sind weiße Nationalisten eine winzige, machtlose, verachtete Minderheit ohne Stimme. Wir sind ärmlich finanziert, schlecht organisiert und schlecht geführt. Unsere Feinde kontrollieren die größten Propaganda- und Zwangsinstrumente der Geschichte. Wir können sie nicht mit Gewalt schlagen. Tatsächlich brauchen sie es, daß wir Gewalt anwenden. Sie nähren sich von Gewalt, weshalb sie Gewaltakte fabrizieren, um uns die Schuld zu geben.

Gewalt ist zwecklos, nicht nur, weil der Feind die Täter fangen und bestrafen kann, sondern noch mehr, weil er kontrollieren kann, wie die Menschen sie wahrnehmen und darauf reagieren. Der Feind hat die Macht, unseren Taten Bedeutung und Moral zuzuschreiben. Wir werden niemals als Freiheitskämpfer oder romantische Gesetzlose oder heroische Märtyrer gesehen werden. Man wird uns als Spinner, Sadisten, Nihilisten, Terroristen sehen – und leider mit einiger Berechtigung.

Wir haben schon genug Märtyrer. Wir brauchen nicht noch mehr. Und Märtyrertum erreicht nichts, wenn der Feind seine Bedeutung bestimmt. Yukio Mishimas Tod bedeutete etwas in Japan, wo die Samuraitradition immer noch stark ist. Hier würde er als Spinner und Verlierer gebrandmarkt, und es würde an ihm hängen bleiben.

Wir können das System jetzt nicht schlagen. Aber ich weiß mit absoluter metaphysischer Gewißheit, daß das System zusammenbrechen wird. Nichts hat ewig Bestand, schon gar nicht eine Gesellschaft, die alle Gesetze der Natur verletzt. Ich weiß nicht, wann das System versagen wird, aber es wird fast sicher innerhalb der Lebensspanne der meisten sein, die dies lesen.

Daher müssen wir weißen Nationalisten unsere Energie und Ressourcen auf Propaganda und die Schaffung von Gemeinschaften konzentrieren. Wir müssen eine große, robuste, wohlhabende, mächtige Gemeinschaft werden, ein Staat innerhalb eines Staates, der Kern des nächsten politischen Systems in Nordamerika: der Weißen Republik.

Aber das erfordert Disziplin, Realismus und langfristiges Denken, einschließlich der Disziplin, unsere Leben und Ressourcen nicht auf verfrühte und vergebliche Konfrontationen mit dem System in seiner vollen Stärke zu verschwenden.

Ebenfalls lesenswert: Weitere Gedanken zur Gewalt, ebenfalls von Greg Johnson.

Kommentar von Deep Roots — 27. April 2012 @ 14:32

33.Dem Artikel von Greg Johnson ist nichts hinzuzufügen. Anderes Thema; spinn ich jetzt oder sind hier Kommentare verschwunden?

Kommentar von nino — 27. April 2012 @ 15:02

34.Nein, Du spinnst nicht, nino. Erklärung folgt intern.

Kommentar von Deep Roots — 27. April 2012 @ 16:04

35.# D.R.

Kennst du diese Zeitschrift?

http://www.conwutatio.at/images/downloads/echo3.pdf

Kommentar von Sir Toby — 27. April 2012 @ 18:05

36.Nein, die kannte ich bisher noch nicht, Sir Toby!

Zwar eher libertär orientiert, aber teilweise sehr lesenswert. Vor allem möchte ich unseren Lesern empfehlen, den Artikel “Der geplante Verfassungsputsch im Mai” von Seite 20 – 23 über den Beschluß des “Europäischen Stabilitätsmechanismus” (ESM) zu lesen – was da auf uns zukommt, dank der Verbrecher und Volksverräter, die uns regieren, ist DER ABSOLUTE HAMMER!!

Weiters empfehlenswert: Der Artikel “Waffenbesitz in Österreich” auf Seite 27.

Kommentar von Deep Roots — 27. April 2012 @ 19:12

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Posted in Kubitschek on April 30, 2012 by androsch

“Ich will eine Spur ziehen. Mit aller Kraft und gegen jeden Widerstand. “
31. Oktober 2009 § 6 – von Martin J.G. Böcker

Götz Kubitschek im Gespräch

Ich komme zu spät zum Interview-Termin. Nach der Autobahn-Abfahrt bin ich knapp eine halbe Stunde über Landstraßen und durch Dörfer geirrt, um dann doch noch nach Schnellroda zu finden: Irgendein Dorf, irgendwo in Sachsen-Anhalt. Als ich an der Tür des ziemlich großen, ziemlich alten Hauses klingle, reagiert niemand. Ich klingle nochmal. Keine Reaktion.

Also gehe ich hinter das Haus und da sitzt er dann. Im Garten mit den sechs Kindern, der Frau, den Schwiegereltern. Beim Abendbrot. Eine Minute später sitze ich mit am Tisch, kaue an einem Butterbrot und habe eine Tasse Kaffee in der Hand.

Das ist also der Mitbegründer des Instituts für Staatspolitik, den Bernd Rabehl gar “mit seinem Jugendfreund und Weggefährten Rudi Dutschke” vergleicht. Hier ist also der Sitz des Verlags Edition Antaios. Hier entsteht also das rechtsintellektuelle Independent-Magazin Sezession. Erst plaudern wir ein bisschen, dann müssen die Kinder ins Bett, dann finden wir Zeit für ein Gespräch.

Als Sie 2000 den Verlag gegründet haben, was für ein Typ waren Sie damals? Beziehungsweise: Was war damals anders als heute?

Ich bin mir in vielerlei Hinsicht immer gleich geblieben, schon seit der Schulzeit eigentlich. Der Kernpunkt ist, auf Gedeih und Verderb nach einem eigenen Gesetz zu leben. Es gibt da den berühmten Vers aus Goethes „Urworte orphisch“: „Nach dem Gesetz, nach dem du angetreten, so musst du sein, dir kannst du nicht entfliehen.“ Ich wäre ein unglücklicher Mensch, wenn ich unter den gegeben Umständen nicht das machen könnte, was ich selbst für richtig halte.

Und wie haben Sie herausgefunden, was Ihr eigenes Gesetz ist?

Ich war schon 30, als ich meinen Verlag gegründet habe. Davor habe ich ziemlich viel erlebt. Im Vergleich zur Generation meiner Großeltern habe ich natürlich nichts erlebt. Aber im Vergleich zu vielen Klassenkameraden oder vielen anderen Leuten, die so wie ich heute beinahe 40 sind, habe ich eben doch viel erlebt. Das beginnt in der Schulzeit mit dem organisierten Widerstand gegen die erste McDonald-Filiale vor Ort, geht weiter mit dem Militärdienst bei der kleinen, aber feinen Fernspäh-Truppe. Dieser Dienst mündete in den Bosnien-Einsatz, dazwischen lagen die Mitarbeit an einem Entwicklungshilfe-Einsatz in Kamerun und eine intensive bündische Phase mit Fahrten nach Rumänien, wo es galt, alten deutschen Bauern zu helfen. Und dann ist da die ganze politische Arbeit, etwa für die Junge Freiheit, auch viel auf der Straße beim Verteilen an den Universitäten und den unausweichlichen Schlägereien, bis hin zu einem unter Reservisten organisierten Widerstand gegen die Wehrmachtausstellung. Was ist also das Gesetz? Vielleicht so: Wo man nicht dienen kann, muss man widerständig sein.

Jetzt haben Sie ihr eigenes Gesetz gefunden und können danach leben. Wie soll das aussehen, wenn auf einmal alle Menschen ihr eigenes Gesetz entdecken würden? Denken Sie nicht, dass das in die Hose gehen würde?

Das ist ein theoretisches Problem. Es gibt immer einen großen Prozentsatz, der gar nicht nach einem eigenen Gesetz leben möchte. Ich denke aber wiederum, dass unsere Zeit auch daran krankt, dass die Leute eine bestimmte soziale und finanzielle Sicherheit über das stellen, was ich jetzt zum Beispiel als das eigene Gewissen oder das eigene innere Gesetz bezeichnen würde. Ich halte viel vom Staat, von guten Institutionen, von der Ordnung, von der Hierarchie. Wäre unser Staat einer, der dem Gedeihen unseres Volkes zuträglich wäre, würde ich dienen. In solch einem Staat wäre ich entweder Lehrer oder Offizier. Aber ich bin nicht bereit zu dienen, wenn ich merke, dass die, die uns führen, überhaupt nicht dazu berufen sind. Und das sehe ich eben in mehr und mehr Bereichen: Man wird von Funktionären geführt, die nicht berufen sind und noch nicht einmal im technokratischen Sinne ihr Handwerk verstehen.

Und woran machen Sie fest, dass jemand berufen ist?

Das Berufensein ist die Verbindung zwischen fachlichem Können, echter Autorität, richtigem Amtsverständnis und tragfähiger Selbsterkenntnis. Und vor allem: völlige Abwesenheit von Zynismus. Wer Macht hat, soll sagen, dass er sie nutzt; wer Entscheidungen treffen muss, soll nicht sagen, dass er sich selbstverständlich dem Bauchgefühl der Mehrheit beugen wird. Unsere politische Führungsriege behauptet, dass sie von der Werthaftigkeit der demokratischen Entscheidungsprozesse überzeugt ist und dass jeder Einzelne in seiner Mündigkeit ernst genommen wird. Aber das ist eine Kulisse. Der Umgang mit dem eigenen Volk ist zynisch.

Was halten Sie von Menschen, die es nicht schaffen, nach ihren eigenen Gesetzen leben?

Von denen halte ich genau so viel, wie von denjenigen, die nach ihrem eigenen Gesetz leben – sie sind zunächst, wie sie sind. Da gibt es keine Wertung. Aber es gibt Menschen, die beschenkt oder begnadet sind, und die aufgrund mangelnder Disziplin und Straffheit weit unterhalb einer Entwicklungsstufe bleiben, die sie erreichen könnten. Dafür habe ich nicht viel Verständnis. Und mein Verständnis nimmt weiter ab, wenn derart träge Menschen dennoch versuchen, über alles und jeden eine Meinung zu äußern.

Bilden die Menschen, die nicht nach ihren eigenen Gesetzen leben, die Masse, von der Sie häufig sprechen?

Im Prinzip: Ja. Masse: Das ist ja eine spontan geformte Menge Leute, die eben zur Masse wird, wenn es etwas gibt, das sie für diesen Moment auf einen Punkt hin ausrichtet. Aber: Man muss sich ausrichten lassen, und je stärker das innere Gesetz, der innere Maßstab sind, desto schwieriger wird es, jemanden in eine Masse hinein zu vereinnahmen. Er wird immer prüfen, was mit ihm geschieht, er wird seinen eigenen Maßstab anlegen.

Ist es das, was Sie meinen, wenn Sie sich selbst als Wahrnehmungselite beschreiben? Ich habe den Eindruck, dass Sie sich über diese Masse erheben. Haben Sie ein Überlegenheitsgefühl?

Ja, natürlich. Ich glaube, das ist etwas ganz Normales. Ein Beispiel: Ich mache mir mit meiner Frau gründlich Gedanken, wen ich wähle und ob ich überhaupt wählen gehe. Wenn ich dann beim Verlassen des Wahllokals feststelle, dass das Alkoholikerpärchen aus dem Ort meine Stimme egalisiert, dann wird mir automatisch das Absurde der Situation klar. Wenn Sie feststellen, dass Sie diesen Personen in fast allen Belangen überlegen sind, dann können Sie gegen das Gefühl dieser Überlegenheit gar nichts tun. Eine ganz andere Frage ist, was man daraus macht: Wenn es dazu führt, dass man sich verantwortlich für das Ganze fühlt, dann ist es gut. Wenn man alltagsverächtlich wird, dann ist es schlecht. jedenfalls aber: Das Wissen um die eigene Überlegenheit, das ist etwas, wovon sich kein halbwegs intelligenter und auf seine eigene Kraft vertrauender Mensch frei sprechen kann – wenn er ehrlich ist.

Würden Sie Stimmen gewichten?

Ja, auf jeden Fall. Ich habe dabei auch kein schlechtes Gefühl. Ich bin mir nur nicht sicher, wie ich es gewichten würde. Ich würde jetzt nicht so weit gehen und sagen, jeder der ein abgeschlossenes Hochschulstudium hat, bekommt drei Stimmen. Aber Eigentum oder Kinderzahl könnten schon Kriterien sein. Ich muss aber auch sofort zugeben, dass ich über die Praxis noch nicht gründlich nachgedacht habe. Aber ich halte diesen Gedanken für völlig legitim. Und ich glaube, Sie könnten leicht in der Grünenfraktion oder in der SPD Leute finden, denen ähnliches vorschwebt, nur nach anderen Kriterien. Dort sagt man vielleicht eher: Wer Angehöriger einer rechten Subkultur in den neuen Ländern ist, der kann eigentlich gar kein Stimmrecht haben. Der ist ja so unmündig, so weit von dem entfernt, was die Zivilgesellschaft für reif hält, dass der eigentlich gar nicht abstimmen kann.

Wünschen Sie sich auch ein anderes System? Oder könnten Sie sich in der Grundgesetz-BRD einrichten?

Ich antworte jetzt genau so vorsichtig, wie ich es meine: Ich bin überzeugt, dass es so, wie es läuft, nicht weiter gehen kann. Wenn es so weiter geht, dann wird unser Land in 20 Jahren – einfach aufgrund der harten Fakten – am Ende sein. Das meine ich demographisch, das meine ich im Bereich der Überfremdung, das meine ich im finanziellen, wirtschaftlichen Bereich und vor allem in einem urdeutschen Bereich: dem der Volksbildung, der breiten Anhebung des kulturellen Niveaus. Es muss irgendeine Lösung her. Und wenn sie nicht kommt, also qua Entscheidung kommt, dann wird sie einfach irgendwie kommen. Und dieses Irgendwie, das sind Zustände, die ich mir lieber nicht vorstelle.

Jetzt der vorsichtigen Aussage zweiter Teil: Ich bin nicht in der Lage, eine Lösung zu formulieren. Ich kann maximal eine Bestandsaufnahme machen, ich kann prognostizieren, bin aber nicht in der Lage, einen wirklich durchdachten Vorschlag zu machen. Deswegen bin ich auch ein Gegner der Systemfrage vom Sofa aus. Ich denke, dass eine formierende Massenpolitik – und um nichts anderes geht es – unkalkulierbare Kräfte freisetzt. Sie zu kontrollieren, bedürfte es einer wahrhaft heroischen Gestalt, einer Jahrhundertfigur.

Können Sie da einen Typ als Beispiel nennen?

Nur die negative Ikone schlechthin: Hitler. Er hat die Systemfrage gestellt. Er hat auf eine ganz radikale Art Massenpolitik betrieben, zunächst schlafwandlerisch sicher nach innen, und dann auch irgendwann nach außen. Sie wissen genauso gut wie ich, zu welchem Preis und mit welch mörderischen Ausschlusskriterien er die Massenintegration betrieb. Sie wissen aber auch, dass es die Kraftbündelung der halben Welt bedurfte, um die militärische Potenz niederzuringen, die in unserem Volk freigesetzt worden war.

Haben Sie Angst davor, dass wieder so einer kommt, wenn die Krise groß genug ist? Egal ob rot oder braun?

Also – das ist eine schwierige Frage. Nein, ich habe keine Angst davor. Es käme ja einfach, und wir hätten darin zu leben. Innerhalb eines solchen Systemwechsels, einer solchen Zeitenwende gibt es doch für jeden Einzelnen immer die Möglichkeit, sich zu positionieren. Das hat auch wieder etwas mit dem eigenen Gesetz zu tun, mit einem inneren Maßstab. Ich muss sagen: Der Verrottung zuzusehen, der wir derzeit beiwohnen müssen, ist nicht minder beängstigend. Dass der Mensch sich einmal selbst bei lebendigem Leibe kompostieren würde: Das schockiert mich immer wieder.

Ich war vor zehn Jahren noch davon überzeugt, dass wir in die Lage versetzt sein könnten, unser Volk zu retten, also wirklich jeden einzelnen mitzunehmen – egal, wie dumm oder unselbstständig er ist. Wir heben ihn immer ein bisschen höher, irgendetwas kann jeder, und so ist er dabei, wird gebraucht, kann eine Aufgabe ausführen. Aber das habe ich aufgegeben, so pädagogisch bin ich nicht mehr: Wenn das einer ernsthaft anpackte, dann gliche seine Methode mittlerweile einem Erziehungslager.

Und es geht Ihnen auch darum, für die zukünftigen Generationen zu sagen: Wir machen da nicht mit. Aber wen wird das interessieren? Wer ist Ihre Zielgruppe für dieses „Wir aber nicht“?

Die Zielgruppe bin zunächst mal ich selbst. Man sagt: Ich nicht. Ich war nicht dabei, ich habe es anders gemacht, ich habe es gezeigt, ich habe es geäußert, ich habe anders gelebt, ich habe mich daran nicht beteiligt. Da bin ich als Verleger, als Publizist, als metapolitisch tätiger Mensch in einem ständigen Prozess der Selbstvergewisserung: Ich rette mich sozusagen Tag für Tag selbst. Das ist das Minimum, wenigstens das sollte mir gelingen. Auch anderen. Es geht in einem zweiten Kreis um Leute, die überhaupt bereit sind, sich an der Eroberung einer neuen Perspektive zu beteiligen. Man muss die Dinge neu sehen wollen, und dann muss man sich die Begriffe suchen, die zu dieser neuen Perspektive passen, muss sie prüfen, durchsetzen, verbreiten gegen alle Widerstände. Ein abendfüllendes Programm, Metapolitik. Und ich will gleich hinzufügen, dass es innerhalb des politischen Milieus, in dem ich mich bewege, sehr viele gibt, die nicht bereit sind, sich anzustrengen und die Gesinnung mit Wissen und Können verwechseln. Viele denken, dass es schon reicht, die richtige Gesinnung zu haben, dass das sozusagen Argument genug ist. Und das ist natürlich unter geistig regen Menschen überhaupt nicht genug.

Was fehlt dann noch?

Die Redlichkeit: Auch die rechte Sicht auf die Dinge ist nur eine Sicht, die ergänzt werden muss. Ich kann Rechte nicht verstehen, die aus dem Leben eine furchtbar eindimensionale Angelegenheit machen.

Wie meinen Sie das mit der „furchtbar eindimensionalen Angelegenheit“?

Das ist das, was Armin Mohler als einen Baustein seiner Lehre hinterlassen hat. Die Welt geht nicht auf, sie ist nicht logisch geordnet, nicht durchschaubar, sondern komplex. Wir müssen wissen, dass wir selbst nur eine Perspektive von vielen möglichen Perspektiven einnehmen. Das bedeutet, dass wir den Anderen lassen müssen. Wir müssen ihn lassen können. Ich schaue zwar, dass ich mich selbst so plastisch wie möglich rausmodelliere und zeige, wer ich bin, welche Überzeugungen ich habe, und warum ich so bin wie ich bin. Und ich will mich natürlich durchsetzen, will meine Paradigmen zur Geltung bringen. Aber nicht um jeden Preis. Denn die Reduzierung auf eine Perspektive würde dem Leben eben nicht gerecht.

Wie macht sich dann die „Temperaturerhöhung“, von der Sie wie Ernst Jünger und Armin Mohler sprechen, bei Ihnen bemerkbar?

In dem Drang, etwas tun zu müssen, also einen expressiven Charakter zu haben, sich ausdrücken zu müssen. Ob das jetzt publizistisch ist, oder in einer Bau- und Formungswut mündet, die beispielsweise im eigenen Garten oder im Haus oder meinethalben auch in der Struktur oder Organisation unserer Projekte liegt. Dort wirklich zu sagen: Ich will eine Spur ziehen. Mit aller Kraft und gegen jeden Widerstand. Die Spur muss sichtbar sein. Es gibt da einen schönen Vers: „Wo ich geh’, wo ich steh’, wo ich bin ist Glück. Wo ich war, bleibt eine Schneise umgepflügten Lands zurück.“ Das ist schon so.

Und dafür haben Sie dann die „konservativ-subversiven Aktionen“ veranstaltet.

Auch. Das ist ein Instrument und hat immer zwei oder drei verschiedene Aspekte. Und wenn der eine Aspekt der ist, dass wir überhaupt für Öffentlichkeit sorgen, sozusagen PR machen, dann stehen auf der anderen Seite die ichbezogenen, expressiven Motive, von denen ich schon sprach: Solche Aktionen sind ein möglicher Ausdruck der eigenen Temperaturerhöhung und des Drangs, mit aller Kraft zu zeigen, dass es mich und uns gibt. Nach einer gelungenen Aktion musste man uns wahrnehmen, das haben wir einfach durchgesetzt, das hat an der Humboldt-Uni oder bei Grass oder vor dem Wandbild in Chemnitz gut geklappt.

Haben Sie sich mehr Nachahmungsversuche erhofft?

Auf jeden Fall.

Auch, dass das ungesteuert funktioniert?

Ja, auf jeden Fall.

Mal angenommen, das hätte funktioniert, und überall hätten wütende junge Leute so etwas gemacht, hätte das nicht ein gewisses Chaos auslösen können?

Nein. Also ich glaube vom Chaos spricht man dann, wenn eine Stadt lahm gelegt wird, oder wenn irgendwelche Grundfunktionen nicht mehr funktionieren.

Ich stelle mir da den 20-Jährigen vor, der Bücher aus Ihrem Verlag liest, die Aktion toll findet, vielleicht noch einen draufsetzen möchte. Hätten irgendwelche Nachahmer es nicht übertreiben und sich damit selbst ihren Lebensweg verbauen können?

Ja, aber das habe ich nicht in der Hand. Überhaupt ist die Theorie, die hinter diesen Aktionen steht, ja beinahe schon hemmend gewesen. Ich schrieb einmal, dass wir nur dann zur Aktion übergehen können, wenn wir im Grunde unseres Herzens Gärtner sind, wenn wir im Grunde unseres Herzens eben aufbauende, konstruktive Menschen sind und nicht die Lust an der Destruktion uns dazu bringt, eine Aktion zu machen. Die Aktion erfolgt aus der Überzeugung, dass wir nur dann unsere Aufbauarbeit sinnvoll abrunden können, wenn wir auch den Gegner markieren. Das heißt destruktiv konstruktiv sein, und so kommen wir wieder in den Bereich solcher Ausschlusskombinationen wie „Konservative Revolution“. Das passt eben doch sehr gut: Dass man konstruktiv sein will, aber dafür etwas Destruktives machen muss. Oder dass man die Ordnung betont, indem man zuerst Unordnung innerhalb des ungedeihlichen Gefüges stiftet. Oder dass man, obwohl man die Ordnung und die Institutionen und das Gewaltmonopol und all diese Dinge für unverzichtbar hält, dennoch zu illegalen Mitteln greift, um zu betonen, dass hier etwas aus den Fugen ist.

Möchten Sie das auf einen räumlich und zeitlich begrenzten Rahmen beschränken? Oder wünschen Sie sich diese Unordnung auch länger und ausgreifender?

Auf jeden Fall muss die Unordnung in einem längeren, ausgreifenden Rahmen her. Ich bin mir sicher, dass unter der Oberfläche viel rechte Energie und nationale Widerstandskraft vorhanden ist, auch in theoretischer, bekenntnishafter Form. Ich glaube auch, dass schockartig wirkende Gesten dazu beitragen können, dieses Potential zu wecken. Wir müssen diese ideologisch linksliberale Kruste aufbrechen, unter der wir alle leben. Wir müssen Tabus beseitigen.

Wie stellen Sie sich diese Unordnung vor?

Permanenter, andauernder Widerspruch gegen die vorgefundenen Formen des lahm gelegten Dialogs. Im intellektuellen Milieu: Widerspruch gegen diese einseitige Wissenschaftsauffassung, diese Forschungsunfreiheit, diese Angst, an der Universität ein falsches Thema unter falschen Vorzeichen anzugehen. Auch diese Angst, keine Karriere machen zu können, wenn man am falschen Gegenstand geforscht hat. Gegen so etwas sollten die Studenten Widerstand leisten, also letztlich gegen das System Habermas. Das ist noch nicht einmal besonders „rechts“: Das ist ganz einfach der gesunde Anspruch eines nicht okkupierten Gehirns. Die Verunsicherung der abgesicherten Eindimensionalität: Das ist eine zutiefst wünschenswerte Destabilisierung.

Also alles quasi verbal.

Also es geht jetzt nicht um echte Gewalt, falls Sie das meinen.

Ja, das meinte ich.

Ich halte es sogar für typisch, dass Sie diese Frage stellen.

Das ist halt das Erste, was man denkt. Wenn Sie sagen, „Unordnung stiften…“

Ich halte es auch für typisch, dass Sie von mir das Bekenntnis zur Gewaltlosigkeit wollen.

Typisch für was?

Für diese Grundangst, missverstanden zu werden, wenn wir über politische Veränderungen nachdenken. Ich glaube nicht an die in jeder Hinsicht sanfte Reform. Ich glaube, dass politische Korrekturen, und damit meine ich natürlich immense Korrekturen, natürlich nicht nur sanft abgehen. Sonst hätte Habermas ja wirklich noch recht mit seinem Geschwätz, an das er sich übrigens selbst zuallerletzt hielt.

Sehr geehrter Herr Kubitschek, vielen Dank für das Gespräch.

Bild: B.C.Richter

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§ 6 Kommentare zu „“Ich will eine Spur ziehen. Mit aller Kraft und gegen jeden Widerstand. ““
Jean Calvin sagt:
3. November 2009 um 01:08
+ 1 Person, die 100% einverstanden ist.

Zitat: “Oder dass man die Ordnung betont, indem man zuerst Unordnung innerhalb des ungedeihlichen Gefüges stiftet.”

Aus meinem Land (Frankreich) kann ich gleich zwei Beispiele aus den letzten Wochen bringen. Der eine verursachte zuerst Unordnung damit Ordnung entsteht, der nächste handelte gezwungenermaßen aber heldenhaft so, daß Unordnung entsteht.

Der erste litt unter der Tatsache, daß Verbrecher unkontrolliert durch Europa reisen können, die Polizei und Justiz aber an den Ländergrenzen halt machen muß. Da ein Land (Deutschland) einen in Abwesenheit (in Frankreich) verurteilten Vergewaltiger und Mörder nicht ausliefern wollte und frei laufen ließ, hat er einen Verbrecher beauftragt, den Mörder seiner Tochter zu entführen und vor einem französischen Gericht “abzuladen”. Inzwischen sitzt der Mörder in einem französischen Gefängnis, der Vater des Opfers ist aber ebenfalls angeklagt. (Affäre Bamberski / Kalinka / Dieter Krombach). Ist es schwer zu verstehen, daß er selber dafür gesorgt hat, daß die Justiz ihre Arbeit tun kann?

In dem zweiten Fall brach ein Schüler nachts in das Haus seines Lehrers ein, um sich für eine schlechte Note zu rächen. Unter der Androhung von Schußwaffengebrauch mussten sich der Lehrer, seine Frau und ihr elfjähriger Sohn auf den Boden legen. Der Schüler übergoß sie mit Benzin und drohte sie zu verbrennen. Im letzten Moment stürzte sich der Lehrer auf den Angreifer und überwandte ihn. Leider erdrosselte er seinen Schüler dabei. Als die Polizei ankam, führte sie den Lehrer in Handschellen gefesselt ab. Er ist jetzt wegen vorsätzlichen Mordes angeklagt (http://www.soseducation.com/rw_rubrique_564_solidarite-avec-le-professeur-agresse-a-juvignac-mis-en-examen-pour-s-etre-defendu-contre-un-eleve.php). Natürlich hat der Lehrer Recht gehabt, als er Unordnung stiftete.

Antworten
Thorsten sagt:
3. November 2009 um 12:30
Auch wenn Kubitschek eine Veränderung seiner selbst verneint, ist die freiheitlicher werdende Haltung gegenüber anderen schon beobachtbar. Die klaren Worte des Meisters an die Jünger, die wohl auf eigenen Erfahrungen mit dem eigenen Klientel basieren, sind zutreffend. Wirklich Konservative, politisch als auch persönlich, sind nur schwer zu ertragen. Dort sind der Mief, die Angst, das Geschwätz, und leider oftmals auch das politisch ungenutzte Vermögen zu Hause. Gerade wer sich selbst als elitär wahrnimmt, kann doch andere leben lassen. Wer an der Spitze marschiert, muß niemand aufhalten um ihn zu überholen. Übrigens hatte auch Mohler die Konservativen nicht auf seiner Liste. “Faschismus ist für mich, wenn enttäuschte Liberale und enttäuschte Sozialisten sich zu etwas Neuem zusammenfinden. Daraus entsteht, was man konservative Revolution nennt.” – so ein Zitat Mohlers. Die Einschätzung teile ich. Konservative haben außer für sich persönlich zu keiner Zeit Änderungen bewirkt. Konservativ-Freiheitliche (konservativ mit sich selbst / liberal gegenüber anderen) hingegen schon. Ich würde allerdings statt von Faschismus von Nationalismus sprechen wollen. Auch angesichts der Probleme, die den Gegenteilen geschuldet sind – der Globalisierung und Internationalisierung.

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S. W. sagt:
3. November 2009 um 13:28
Nach Auffassung der deutschen Justiz läßt sich der Tatbestand “Mord” Herrn Krombach nicht nachweisen. Zudem hat die französische Justiz – aus der Ferne – eine vorsätzliche Körperverletzung mit Todesfolge ohne Tötungsabsicht gesehen. Ohne Herrn Krombachs Taten in irgendeiner Weise rechtfertigen zu wollen: Ein Mörder ist er meines Wissens nach im juristischen Sinne nicht.

Wenn Kubitschek betont, daß er “vom Staat, von guten Institutionen, von der Ordnung, von der Hierarchie” prinzipiell überzeugt ist, dann würde ich das so verstehen, daß er Rechtsprechung und Gewaltmonopol auf deutschem Boden ungern Privatleuten oder fremden Ländern überlassen würde. Der Einzelne hat sich demnach den Regeln des Gemeinwesens zu beugen, auch wenn es im Einzelfall schmerzhaft sein kann. Das für ein Verbrechen auf deutschem Boden zuständige Gemeinwesen ist Deutschland, nicht Frankreich. Sollten wir etwa in Deutschland bei jedem Wohnhausbrand, bei dem türkische Bürger zu Schaden kommen, die türkische Justiz entscheiden lassen, ob es sich um ein rassistisches Verbrechen handelt, und ihr, sollte es ein Verbrechen sein, das Strafmaß überlassen?

Bei allen Fehlurteilen, die es sicherlich gab und gibt, hat die deutsche Justiz in der Vergangenheit doch bewiesen, daß sie von politischer Gängelung sich weitgehend unabhängig hält. JF-Leser werden das wissen.

Insofern ist es vielleicht anmaßend, Kubitscheks Aufruf (?) zum Stiften von Unordnung und dem Leben nach dem eigenen Gesetz so auszulegen, wie Sie, Herr Calvin, es getan haben. Es wäre natürlich interessant zu wissen, wie Herr Kubitschek selbst seine Aussagen im Zusammenhang mit diesem konkreten Fall deutet, aber es ist wohl kaum zu erwarten, daß er sich dazu äußert.

Antworten
Torres sagt:
3. November 2009 um 19:17
Jeder kann sich in jedem System positionieren? Das konnten viele unter dem angeführten Beispiel Hitler gerade nicht mehr, weil sie nämlich positioniert WURDEN. Selbst der patriotischste Jude, der harmloseste Behinderte und der volkstreue Sozialdemokrat waren unwert. Blinder Fleck Nr. 1.

Stimmen gewichten? Den Impuls kenne ich selbst. Aber nach Besitz? Das heißt, man kann seine Stimmen demnächst wieder erben? Blinder Fleck Nr. 2.

“System Habermas” – ja, gibt es definitiv. Gab´s aber unter konservativer Ägide auch, nur umgekehrt. Kenne selber einen Prädikats-Juristen der in den 50ern die Grundlage der Todesurteile eines Kollegen seines Prüfers (Nazirichter) diskutieren wollte – aus war´s mit Öffentlichem Dienst, trotz hervorragender Noten. Blinder Fleck Nr. 3.

Die eine Kruste durch die nächste zu ersetzen kann´s jedenfalls nicht sein, und ein Mehr an institutionellen Ausschlußmechanismen zu installieren ist immer ein schmaler Grat. Wer bekommt das letztlich in die Hände?

Als Diskurs notwendig, in der Praxis: haarig. Das wird zwar auch angesprochen, aber hat nicht ganz den Stellenwert den es verdient hätte.

Antworten
Aleman sagt:
4. November 2009 um 18:18
Blinde Flecke?
1. Von jedem System wird man positioniert in seiner je eigenen Position, ein Grund sich zu positionieren.
2. Mein Großvater war noch stolz darauf viel Steuern zu zahlen und dafür in der Wahlrechtsklase 2 stimmen zu dürfen, das hatte er als 11.Kind eine armen Familie keineswegs geerbt.
3. Sinecuristen des öffentlichen Dienstes waren nur selten Leute die sich positionierten.

Antworten
Nazi-Oberstleutnant übernimmt Bundeswehr-Universität | Die Pickelhaube sagt:
18. Juli 2011 um 16:36
[…] Das wird im Interview mit Mathias Brodkorb (der nicht sehr konservativ ist) ebenso deutlich wie im Gespräch mit Götz Kubitschek (der schon eher konservativ ist). Böcker hat also – selbst auf eigenem, auf rechtem Terrain […]

Antworten
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Posted in Lichtmesz on April 30, 2012 by androsch

“Was bedeutet Freiheit? Wie frei und souverän ist man gegenüber sich selbst, und ganz allein auf sich selbst gestellt? “
21. November 2009 § 7 – von Martin J.G. Böcker

Martin Lichtmesz im Gespräch

Schwarzes Hemd, schwarze Hose, schwarze Stiefel. Martin Lichtmesz gewährt mir ein Interview in einem eleganten Lokal, irgendwo in Berlin. Weder der Wiener, noch sein Stammcafé sind mit einem Wort zu beschreiben. Das Lokal: Straßengeräusche, offene Fensterfront, starker Kaffee. Der Wiener: Cineast, Comic-Experte, Fachmann für Subkulturen.

Dazu sein „Schmäh“. Das hat diesen Hauch von Bohème; ambivalent und verletzlich vielleicht, aber trotzdem. Er ist der Typ, der einen anfasst beim Reden. „Schau’“, sagt er dann und versucht in Worte zu fassen, wie er denkt, fühlt, zweifelt.

Irgendwann kam seine Freundin dazu, eine hübsche Italienerin. Und man fragte sich dann, warum er manche Dinge so schwarzsieht. Also im Sommer, in Berlin, im Stammcafé, mit ihr. Nun, vielleicht sieht er etwas Größeres und erkennt die Ausweglosigkeit. Vielleicht.

Guten Tag. Ziemlich elegant hier, dieses Café.

Ja, dem Klischee zufolge hat jeder Wiener so sein Stammcafé.

Du bist gebürtiger Wiener?

Gebürtig ja, aber kein waschechter, denn aufgewachsen bin ich in Niederösterreich.

Und was hat dich nach Berlin verschlagen?

Ich bin nach Berlin gegangen, um an einer Filmakademie zu studieren. Dort habe ich Dokumentar- und Kurzspielfilme gedreht.

Ich würde sagen, du bist ein Rechter. Vom Äußeren entsprichst du aber gar nicht dem Klischee eines Rechten.

Was ist denn deiner Meinung nach das Klischee eines Rechten?

Kurze Haare, Hemd in der Cordhose?

Dann schauen sie aus wie du.

Naja. Auch die Themen, die du in deinen Artikeln behandelst, widersprechen dem Klischee. Da gab es zum Beispiel auf der Netzseite der Sezession eine Serie über Comics, ist das nicht ungewöhnlich?

Meine Hauptinteressen sind eigentlich keine politischen. Für die JF etwa bin ich in erster Linie als Filmkritiker tätig. Comics sind Bestandteil einer visuellen Kultur, die eng mit dem Film verbunden ist. Da ich nun aber für ein politisches Blog schreibe, interessieren mich natürlich die “Berührungsflächen”. Die „Nouvelle Droite“ in Frankreich hat das sehr gut vorgemacht, indem sie auch in Feldern geschürft hat, die nicht klassisch rechts konnotiert sind, und das aus einer ehrlichen Neugier heraus. Das nannte man dann “Metapolitik”. Das klingt nun etwas extravagant, aber das sind Herangehensweisen, die etwa für die Linke völlig selbstverständlich sind. Dahinter steht die Überzeugung, dass man nicht einfach bloß partikuläre oder sektiererische Interessen vertritt, sondern dass hier Dinge angesprochen sind, die sehr viele Menschen angehen.

Was die Comics betrifft, so ist die Lage in Deutschland ganz anders als in Frankreich oder Italien. Vor allem im französischsprachigen Raum spielen die Comics eine viel stärkere Rolle in der Nationalkultur. Das beginnt schon in den Dreißiger Jahren mit Klassikern wie Tintin oder Spirou. Asterix hat eine riesige Bedeutung, augenzwinkernd freilich, aber natürlich patriotisch. Die “bandes desinées” haben in Frankreich zum Teil den Status von Literatur, in Deutschland dagegen sind sie das Schundheft-Image nie losgeworden. Unter solchen Voraussetzungen ist es natürlich einfacher, “metapolitisch” anzuknüpfen.

Wie könnte man das auf den Film übertragen?

Darüber könnten wir stundenlang reden. Der Film ist ohne Zweifel die bedeutendste Kunstform unserer Zeit, und er hat auch schon das ganze 20. Jahrhundert dominiert. Stärker als andere Kunstformen ist er mit dem Kommerz und der Kultur der Massen verbunden. Darum ist er auch eine mächtige politische Waffe. Verkürzt gesagt, hat jeder Film, unabhängig von seiner Qualität, seinen “metapolitischen” Aspekt, nicht unbedingt so, wie sich Siegfried Kracauer das vorgestellt hat, nämlich psychoanalytisch-marxistisch, sondern weil jeder Film auf seine Weise eine Art von Identitätspolitik betreibt. Gerade das Mainstreamkino kann in dieser Hinsicht ein nicht zu unterschätzender Seismograph sein. Außerdem interessiert mich besonders das Thema der Inszenierung der Geschichte als Film. Der Blick in die Vergangenheit ist immer ein Versuch, die Gegenwart zu reflektieren. Nicht unbedingt so, wie sie ist, sondern eher so, wie sie sich sehen, wie sich selbst wiedererkennen möchte im Spiegel der Vergangenheit oder im Kontrast zu ihr. Das gilt für “Die Päpstin” ebenso wie für “Das weiße Band”. Ähnliches gilt für den Blick in die Zukunft, den Science-Fiction-Film, da spielen aber vor allem nach vorne projizierte gegenwärtige Ängste die entscheidende Rolle.

Der Film kann manipulieren und vereinfachen, die Emotionen steuern, die Wahrnehmung konditionieren und kanalisieren wie kein anderes Medium. Im besten Fall kann er aber auch das Gegenteil, und die verhärteten Krusten der Gewohnheit und der Apperzeptionsverweigerung aufbrechen, den Blick schulen für die Widersprüchlichkeit und Komplexität des Lebens. Das ist sein dramatischer Aspekt: die Widersprüche des Lebens werden nicht aufgelöst, sondern in ein großes, im besten Fall kathartisches Schauspiel überführt. Darin ist der Film der Literatur verwandt. Der Geschichtenerzähler ist der größte Feind der “All-Gemeinheiten”, wie das Doderer nannte. Und damit auch der Ideologien. Mircea Eliade hat das in seiner Novelle “Auf der Mantuleasa-Straße” dargestellt. Der visuelle Aspekt des Films kann wiederum Dinge zum Ausdruck bringen, die über das bloße Erzählen einer Geschichte weit hinausgehen. Das gleiche gilt für seinen Rhythmus, sein Formen der Zeit. Das sind seine lyrischen und musikalischen Aspekte.

Du beschäftigst dich in deinen Aufsätzen gerne mit subkulturellen Dingen, dem Neofolk zum Beispiel. Was zieht dich an daran an?

In meiner Jugend war ich ein richtiger “Grufti”, da habe ich nochmal ganz anders ausgesehen als jetzt. Der Hang zum Abgründigen, Schwarzromantischen, sogar Nihilistischen hat mich sehr geprägt. Nicht unbedingt um seiner selbst willen, sondern um die Tiefendimension des Lebens wiederzugewinnen, um unter die Oberfläche unseres Seins zu gelangen. In dieser Subkultur, die freilich ihre kommerzialisierten, mir widerwärtigen Seiten und Auswüchse hat, drückt sich natürlich auch viel Negation, Trauer und “Unbehagen in der Kultur” aus. Eine Art von passiver Aggression. Der Affekt “gegen die Gesellschaft”, der so typisch für Jugendkulturen ist. Und der besteht natürlich zu Recht.

Der Neofolk war in Deutschland vor allem ein Seitenzweig der Gothic-Szene. Diese Richtung hat ihre besten Zeiten freilich hinter sich. Mit ihrem merkwürdigen Mix aus Runensymbolik, Naturromantik, militärischer und “rechter” Ikonographie, Okkultismus etc., lebte sie sehr stark vom provokativen Spiel mit dem Feuer, aber ohne sich darin zu erschöpfen. Im besten Falle hatte das eine ungeheure, ansteckend alternative Kraft und Poesie. Das kannst du alles in dem sehr guten Buch “Looking for Europe” von Andreas Diesel und Dieter Gerten nachlesen. Tabuthemen haben mich schon immer sehr angezogen. Wo das große rote Schild “Übertreten verboten” steht, da liegt mit Sicherheit ein dicker Hund begraben. Und „Rechts“ ist heute auch so ein Tabuthema. Mit einer subkulturellen, von mir aus auch subversiven Sensibilität kommt man irgendwann automatisch an diesen Rubikon. Ob man ihn dann überschreitet, ist eine andere Sache.

Wenn nun „Links“ ein Tabuthema wäre, würde es dich ebenso anziehen?

Es gibt gewiss Zeiten und Umstände, wo der Geist wirklich “links steht”, und es aufregender, provokanter, kreativer, ja notwendiger ist, “links” zu sein. Ich denke nun dabei etwa an die Surrealisten der Zwanziger Jahre, die ich sehr bewundere. Oder an Künstler wie Pasolini und Bunuel. Es wäre aber auch falsch zu sagen, dass ich einfach nur den Provokateur spielen möchte. Mein Engagement ist eine Frage der Überzeugung. Ich mache das nicht bloß, um den Mainstream zu ärgern oder zu unterwandern. Für mich sind es definitiv inhaltliche Fragen, die zählen, die auf das große Ganze zielen. Ich werde nie vergessen, wie ich mit etwa 24 Jahren Armin Mohlers „Liberalenbeschimpfung“ gelesen habe. Ich habe das in einer Nacht verschlungen und ich wusste mit einem Schlag: „Ganz genauso empfinde ich auch, ganz genauso habe ich schon immer empfunden.“ Es war alles in mir schon fertig ausgebildet, das Fühlen, Denken, die Ab- und Zuneigungen. Aber ich hatte eben keine Ahnung, dass auch das „Rechts“ ist.

Wirst du als Rechter manchmal angefeindet?

Selten. Weißt du warum?

Warum?

Weil ich das eigentlich nie zum Thema mache. Wenn ich mich auf eine Diskussion einlasse, dann sage ich nicht als erstes, dass ich “rechts” bin, weil sich alle möglichen Leute alle möglichen, meistens bösen Dinge darunter vorstellen. Mich interessieren nicht die Etikette, sondern die Inhalte. Ich erlebe oft, dass die Leute mir dann zustimmen, wenn ich über Multikulti- und “Schuldkult”-Heucheleien und -absurditäten spreche. Das sind Dinge, die vernünftige, normale Menschen wahrnehmen, die noch nie etwas von der JF oder irgendwelchen Stephan Brauns oder “Endstation Rechts” usw. gehört haben. Ich denke, dass die meisten Menschen in Deutschland im Grunde ziemlich unpolitisch sind. Da gibt es eine kleine Gruppe von Rechten und eine etwas größere Gruppe von Linken, die sich bekriegen und fest davon überzeugt sind, dass ganz Deutschland auf Anhieb den “Diskurs”, etwa zum Thema “Vergangenheitsbewältigung”, kapiert. Die Linke ist dabei natürlich im Vorteil, weil sie alle Reflex-Knöpfchen “kulturhegemonial” auf ihrer Seite hat. Sind die einmal gedrückt, erübrigt sich das Nachdenken.

Glaubst du denn, dass das Gefühl man sei eine kleine, isolierte Rechte in einem linkshegemonialen Umfeld nur Einbildung ist?

Letzten Endes ist das eine Tatsache. Für den Großteil der Beteiligten kann ich guten Gewissens sagen, dass die Isolation unfreiwillig geschieht, auch wenn es manche geben mag, die aus Borniertheit oder Prügelknabensyndrom das Ghetto von innen her verschließen. So gut wie jeder, der einen Schritt nach rechts von der Mitte getan hat, hat am eigenen Leibe erfahren, wie schnell scharf geschossen wird. Das ist kein Vergnügen, und kann ernsthafte Benachteiligungen mit sich ziehen.

Wünscht du dir eine vernünftige Partei, welche die Interessen der Neuen Rechten vertritt?

Ich habe keine Sympathie für Parteien irgendeiner Art, und für das Business und die Rhetorik, die damit verbunden sind. Da geht es immer nur um die Außenwirkung. Es geht immer darum, wie man per Manipulation und Show-Brimborium möglichst viele Idioten dazu bringen kann, einem die Stimme zu geben. Das ist einfach nicht meine Welt. Die “Neue Rechte”, wie ich sie verstehe, ist eben keine Partei, und es sind eben nicht die Volksredner und Marktschreier und Plakatekleber, die sich davon angezogen fühlen. Die “Neue Rechte” besteht aus Leuten, die einen individuellen Weg suchen, ihr Leben widerständig zu leben.

So wie eine Avantgarde?

Natürlich sind wir eine Avantgarde. Im eigentlichen Sinn des Wortes. Allerdings ist das inzwischen so ein abgelutschter, prätentiöser Begriff, dass ich ihn nicht mehr benutzen würde. Und er impliziert immer irgendwie, dass man Anhänger braucht, die einem nachfolgen. In der schnellroda’ischen Prägung glaubt man auch nicht an die Rhetorik der Revolution.

An das Reformatorische?

Ich bin pessimistisch. Ich persönlich glaube, dass das System BRD genau so unrettbar ist, wie das System DDR. Kurz vor dem Zusammensturz, in Dimensionen, die weit über die deutsche Misere hinausgehen. Jede Parteigründung ist hier sinnlos, weil das System einen über kurz oder lang neutralisiert, aufsaugt. Wie ein großer Schwamm. Ich halte also weder die Revolution, noch die Reform für eine realistische Option. Es ist alles zu spät. Ich bin eingefleischter Apokalpytiker. Wir warten nur mehr auf den großen Crash. Und der wird alles andere als befreiend sein, wie sich viele Ernstfall-Rechte das vorstellen. Es lohnt sich aber nicht, jetzt darüber nachzudenken.

Kannst du dir eine Welt vorstellen, in der du lieber leben würdest?

Man kann keine Welt auf dem Reißbrett entwerfen…

Aber wenn man „Nein“ zu dem einen sagt, dann will man doch etwas anderes haben?

Also, ich bin kein Ideologe, ich kann darüber nur emotional und subjektiv sprechen. Und diese Frage könnte man von vielen Seiten her beantworten. Was die bürgerliche Seite von mir betrifft, so habe ich ganz tief in mir wohl eine Idealvorstellung von einer Welt, die so ist wie die, in der ich aufgewachsen bin. Eine intakte Mittelklassefamilie, intakte Ehe der Eltern, zwei Kinder, Haus, Auto, Garten, Großfamilie mit Cousins, Tanten, Onkels, Omas. Besitz und Identität. Ich habe als Kind erlebt, dass das eine immense Sicherheit gibt und sinnvoll ist. Aber dann kam der Moment meiner Generation, in dem man sich scheinbar dagegen entscheiden konnte. Bei meinen Eltern war das nur in geringem Maße eine Frage der Entscheidung. Die Bahnen, in denen die Gesellschaft geregelt war, waren so, wie sie sind. Es war klar, dass sie recht früh heiraten, Kinder bekommen und die Kinder taufen. Und nur eine Generation später hat man nicht nur einen Partner, sondern drei oder vier oder mehr hintereinander. Man tritt aus der Kirche aus, bekommt Kinder erst mit 30, 40, wenn überhaupt. Man sucht und studiert ewig herum, zermalmt sich in unbezahlten Praktiken, hangelt sich von einem “Job” zum anderen. Es scheint überhaupt nur mehr “Jobs” zu geben, immer weniger Berufe. Der Fluss des Lebens gerät ins Stocken, und man hat mit Freiheit verwechselt, was Beliebigkeit war. Die Dinge werden unverbindlich, geben keinen Halt mehr, verlieren ihren Sinn, und niemand scheint sich mehr dafür verantwortlich zu fühlen, die Löcher im Boot zu stopfen. Alles, was man erreicht hatte, wird fahrlässig verschludert, und das Heulen und Zähneknirschen darüber ist nicht mehr fern.

Leidest du unter dieser Situation?

Wer denn nicht, der das alles offenen Auges beobachtet? Wir leben in dieser Zeit, in der sich alle Dinge mobilisieren. Es wird immer mehr verlangt, dass du beweglich, ungebunden, “flexibel” bist. So entwickelt sich ein modernes, seelisch labiles Nomadentum und Monadentum. Es wird immer schwieriger, sesshaft zu werden, äußerlich wie innerlich. Das hat fatale Folgen für das Leben.

Aber ist das nicht auch eine Art, frei zu sein?

Natürlich ist es auch so etwas wie Freiheit. Aber was bedeutet Freiheit? Wie frei und souverän ist man gegenüber sich selbst, und ganz allein auf sich selbst gestellt? Da ist man dann bei Gehlen angelangt, der Institutionenlehre und all dem. Oder noch früher vielleicht bei Pascal und seiner Kritik der Zerstreuung, wenn er sagt, dass alles Übel daraus entstünde, dass es der Mensch nicht mit sich allein in einem Zimmer erträgt. Ich bin überzeugt, dass der Einzelne und die Gesellschaft schnell aus dem Ruder laufen, wenn es keine leitenden Schienen mehr gibt.

Würdest du dich nicht gegen diese Schiene wehren, wenn sie da wäre?

Auch das Wehren gegen Einengungen bringt einen weiter. Schlimm ist erst, wenn man ins Leere schlägt, auf keinen Widerstand stößt. Schiene ist vielleicht kein gutes Bild, weil es zu rigide ist. Sagen wir eher Straßen oder Bahnen, linke und rechte Grenze. Eine Bahn, die eine Kontinuität gibt, dem Ungeordneten eine Form gibt. Ein Flussbett, ein Kanal. Man vergeudet so viel Talent und Begabung, wenn man diese Bahn weg brechen lässt. So reißt auch der Fluss des Lebens ab. Genau das passiert heute. Am Ende versickert das Wasser, und alles erstarrt.

Du hast einmal im Blog geschrieben, dass du für kurze Zeit auf der katholischen Fakultät in Wien warst. Wie war das?

Das habe ich natürlich stilisiert, überspitzt beschrieben. Ich bin probeweise hin zur katholischen Fakultät mit einem Rosenkranz um den Hals, 19 Jahre und etwas verrückt, und dann waren dort nur so Religionslehrertypen. Diese bärtigen, bebrillten und Sandalen tragenden Müslis und Quasi-Grünen. “Gutmenschen” eben. Da hatte ich so einen Grauen vor, dass ich einfach wieder geflüchtet bin.

Hast du dort Sinn gesucht?

Ja. Ich habe sehr an der Sinnsuche laboriert. Dieser Mangel an Sinn ist wohl das Krebsgeschwür unserer Zeit. Ich habe mich damals sehr für Tiefenpsychologie und Religion interessiert, und für Jung, der die Götter im Unbewussten finden wollte.

Das Katholische ist nicht gerade eine Subkultur.

Naja. Kommt darauf an. Vielleicht kann man das Traditionalistische im Katholischen inzwischen als eine Art Subkultur bezeichnen.

Und das hat dich angezogen?

Absolut. Das Formstrenge, Sakrale…

Bist du religiös?

Heute nicht mehr. Aber ich habe schon noch diese Ader. Religion, Psychologie und Kunst, das hängt alles eng zusammen.

Glaubst du an einen Gott?

Momentan bin ich wohl Agnostiker. Bist du gläubig?

Ich bin Katholik, weil meine Familie katholisch ist. Das lag nahe, war aber trotzdem eine Entscheidung.

Ja. Du hast dich entschieden. Das ist gut. Das gibt dir vielleicht eine andere Perspektive. Wenn du Christ bist, dann glaubst du, dass der Einzelne gerettet werden kann. Dann interessierst du dich nicht in erster Linie für das Überleben deines Volkes, sondern für das Heil des Einzelnen.

Interessierst du dich für das Überleben deines Volkes?

Hm… ich habe große Hemmungen zu sagen: “mein Volk” Gibt es denn so etwas noch? Und ist es wirklich “meines”? Ich würde es mir natürlich wünschen, und dass es in hundert Jahren die Deutschen noch gibt, und die Wiener und Niederösterreicher, und nicht nur in Indianerreservaten, aber… wer kann das beeinflussen? Es kann sein, dass wir biologisch und à la Spengler am Ende sind. Dann gehen wir halt unter. Wie die Azteken oder die Wenden. Aber die Christen haben vielleicht den Trost, dass das alles nicht so wichtig ist. Alle Dinge auf der Welt vergehen, aber das Heil der Seele ist wichtiger. Eigentlich bin ich jetzt schon wieder fast katholisch.

Seit wann?

Seit wir uns jetzt unterhalten haben.

Lieber Martin, vielen Dank für das Gespräch.

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§ 7 Kommentare zu „“Was bedeutet Freiheit? Wie frei und souverän ist man gegenüber sich selbst, und ganz allein auf sich selbst gestellt? ““
Toni Roidl sagt:
24. November 2009 um 14:30
»Der Fluss des Lebens gerät ins Stocken, und man hat mit Freiheit verwechselt, was Beliebigkeit war. Die Dinge werden unverbindlich, geben keinen Halt mehr, verlieren ihren Sinn, und niemand scheint sich mehr dafür verantwortlich zu fühlen, die Löcher im Boot zu stopfen. Alles, was man erreicht hatte, wird fahrlässig verschludert…« Das hat M.L. treffend ausgedrückt. Aber nur herumsitzen und bei einem Kaffee auf das Ende warten ist zuwenig. Und wenn es nur ein Rückzugskampf ist – besser als Abwarten!

Antworten
Anonyma sagt:
24. November 2009 um 18:25
M.L. wäre ein guter Freund von Evelyn Waugh gewesen, vielleicht kennt er seine Bücher, die späten, wäre schön.

Antworten
yorck tomkyle c.i. sagt:
24. November 2009 um 18:30
übt an uns mord
und reicher blüht was blüht

Antworten
drieu sagt:
25. November 2009 um 09:53
Wird das jetzt ein JF-Mitarbeiter interviewt JF-Mitarbeiter Blog?
Wann folgen Interviews mit Kositza, Müller, Hinz und Kunz? Der Kai Diekmann interviewt sich immerhin gleich selbst – weiß nicht, was ich sinnreicher finden soll …

Antworten
JD sagt:
3. Oktober 2010 um 18:07
Ein sehr interessantes Interview mit treffenden Ansichten. Warum sind sogenannte Rechte immer isoliert?

Antworten
Sezession 37 | Mittelwächter. sagt:
10. Mai 2011 um 14:54
[…] “Wer meint was mit Schwarz-Rot-Gold?” von einem meiner Favoriten im Sezessions-Team, Martin Lichtmesz. Share this:PrintFacebookEmail This entry was posted in Politisches and tagged Frank Lisson, […]

Antworten
ben sagt:
18. Oktober 2011 um 23:00
Wird diese Seite noch aktualisiert ?

Posted in Kubitschek on April 30, 2012 by androsch

Zur Debatte gestellt

Es gibt ein Stöckchen, …
… über das jeder, der in Deutschland eine Karriere jenseits der wirklich ganz freien Wirtschaft machen möchte, springen muß. Hingehalten wird es ihm von jenen, die von der großen anti-deutschen Erzählung profitieren und sie weitertragen, indem sie sich zu Torwächtern aufschwingen: Spring, es wird Dein Schaden nicht sein. Derzeit springt die Fakten-Partei:

Den „Piraten“ bescheren Wahlerfolge und Umfragehochs neben Aufmerksamkeit vor allem individuelle Karriere-Chancen und eine handfeste Beteiligung an der Macht. Dem können jene, die den Kuchen bisher unter sich aufteilten, nicht mehr wehren: Zu groß ist das Potential derjenigen, die von den Etablierten genug haben und in den weltanschaulich nicht festgelegten „Piraten“ die ihnen gemäße politische Vertretung sehen.

Fakten-Partei: Das wäre – ernst genommen – das Gegenteil von ideologischer Ausrichtung oder ebensolcher Parteidisziplin. Die Welt würde wahrgenommen, wie sie ist, und keine faktengestützte Wirklichkeitsbeschreibung dürfte außen vor bleiben, nur weil sie einem von der Partei vorgegebenen Bild widerspräche.

Ohne Zweifel wäre eine solche Faktenorientierung, eine solche Ideologieabstinenz vor allem das Einfallstor für im weitesten Sinne „rechte“ Themen. Alle linke Wirklichkeitswahrnehmung und Wirklichkeitsverzerrung hat längst erfolgreiche politische Heimathäfen gefunden – die Rechte indes schwirrt freigeschossen und suchend wie eine Flipperkugel durchs politische Gelände, und überall, wo es zu Berührungen kommt, blinken Lämpchen auf und ertönen Signale.

So nun seit Tagen bei den „Piraten“, die sich anschicken, den 3. und 4. Landtag /NRW und Schleswig-Holstein) zu kapern. Weil das wohl nicht mehr zu verhindern ist, muß wenigstens Sorge dafür getragen werden, daß da nicht die falschen (also: die vielleicht doch ein bißchen rechten oder zumindest dezidiert nichtlinken) Leute Einfluß, Mandat und Staatsgelder in die Hand bekommen.

Wer vor Monaten verblüfft verfolgt hatte, wie die Geschäftsführerin Marina Weisband zur Vorzeige-Piratin und auswiegenden Instanz ihrer Partei aufgebaut worden ist (vor allem vom Spiegel und von der FAZ), konnte dieser Tage lernen, wie derlei Mediengespanne aus Politiker und Organ ins Geschirr gehen, wenn die Torwächter und Stöckchen-Halter die Zügel übernehmen.

Stöckchen-Halter No. 1: Michel Friedman, der in seiner Talkshow auf N24 Weisband nach dem „Fall Bodo Thiesen“ fragte. Dessen Parteiausschluß aufgrund relativierender Äußerungen zum Holocaust und zum II. Weltkrieg war an Formfehlern gescheitert. Thiesen hatte 2008 unter anderem geäußert:

Wenn Polen Deutschland den Krieg erklärt hat (und das hat Polen indirekt durch die Generalmobilmachung), dann hatte Deutschland jede Legitimation, Polen anzugreifen.

Weisband übersprang das Stöckchen, das Friedman ihr hinhielt, geradezu übermotiviert: Man werde „mit allen politischen und juristischen Mitteln gegen dieses Schwein vorgehen“. Daß diese drastischen Worte samt Beleidigung ein Sprung in die Ruhe hinter der Pflicht-Hürde war, legt ein Blog-Eintrag der gläubigen Jüdin Weisband nahe:

„Gestern war ich auf einer Trauerfeier zum Jom HaSchoa, dem jüdischen Gedenktag zum Holocaust. Ich habe die Gebete mitgesprochen. Bei den Liedern habe ich kurz geweint. Keine Stunde später musste ich mich von Friedmann dafür anschreien lassen, dass wir Nazis in der Partei dulden. Und er ist leider nicht der einzige.“

Stöckchen-Halter No. 2: Spiegel-online, das Weisband zum Gespräch bat und ihr den Satz entlockte, der jede Sachdebatte beenden muß und damit jede dem Faktenaustausch verpflichtete Atmosphäre zertört. „Es ist Bullshit, daß wir rechtsextreme Meinungen tolerieren müssen“, wobei Marina Weisband jenseits eines Bauchgefühls und mit Sicherheit nicht sagen könnte, was eine rechtsextreme Meinung eigentlich ist, wer sie als solche definiert, wer überhaupt das Recht auf eine verbindliche Definition haben könnte – und von wem sie sich demnach die Grenze ihrer Vorstellung von Meinungsfreiheit würde diktieren lassen.

Vielleicht von Klaus Wowereit? Der kritisierte das lasche Vorgehen gegen Extreme in der Piraten-Partei und stellte im Talk bei Maybrit Illner fest, „daß ein anständiger Demokrat deutlich Flagge zeigen“ müsse. Oder doch von Robert Habeck, dem Spitzenkandidat der Grünen in Schleswig-Holstein, der gegenüber Spieegel-online die Kampfzone ausweitete und nicht den extremistischen Rand, sondern gleich eine ganze Denkrichtung ausschloß: „Gegen Rechts kann es keine ‚flüssige Demokratie‘ geben, nur klare Kante.“

Ein Mann wie Hartmut Semken, Berliner Landeschef der „Piraten“, wittert wohl, daß es denen, die nun von außen seiner Partei eine Nazi-Diskussion bescheren, gar nicht um Nazis gehe: Immerhin hatten die „Piraten“ gegen Bodo Thiesen (der vielleicht gar kein Nazi ist, sondern nur ein historisch interessierter Mann mit einer Abneigung gegen Denkverbote) bereits am 16. Juli 2009 ein Parteiausschlußverfahren eingeleitet und ihn zugleich seiner Ämter enthoben.

Nein, um Bodo Thiesen geht es nicht. Es geht eher um die seit Jahren unterdrückte Wirklichkeitsbeschreibungen, die eigentlich nur in den Zeitungen und Zeitschriften, Blogs und Portalen einer im weitesten Sinne “Neuen Rechten“ geleistet werden, und die in einer Fakten-Partei willkommen sein müßten. Vielleicht stellt sich Semken die Frage, warum die „Neue Rechte“ sich nicht auch an der Debatte über die Zukunft Deutschlands beteiligen sollte, auch innerhalb seiner Partei.

Marina Weisband ist da schon einen Stöckchen-Sprung weiter, sie hat ihre Sache gut gemacht und wird es noch weit bringen.

Veröffentlicht: Freitag, 20. April 2012, 23:27
Kategorie(n): Alltag, Heute
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42 Kommentare zu „Es gibt ein Stöckchen, …“
rübezahl
Samstag, 21. April 2012, 0:40 (URL) | Kurz-URL
volle Zustimmung.

Wenn es eine Partei mit der Meinungsfreiheit ernst nimmt, dann sollte es die Piratenpartei sein. Und sie müsste sich gegen die aufgezwungene Diskussion verwahren. Aber dafür sind die handelnden Personen wohl zu junior und zu leicht beeinflussbar.

Abendländer
Samstag, 21. April 2012, 1:34 (URL) | Kurz-URL
Da hatSe also – kurz – geweint. Wer wie Gerhard Schröder oder Klaus Wowereit zu den Anständigen unter den Demokraten und Demokratinnen zählt, dem sei dieses Zitat von Nicolas Gomez Davila beschert:

„Der Revolutionär wird klebrig, sobald er aufhört, hart zu sein.“

Ist auch für unseren Literaten Nummer Eins der BUNTEN Republik gedacht, der kürzlich in seinem …. öhmmmmh … na gut, unter Betätigung der Zeilenvorsprungtaste heruntergetackertem „Gedicht“ so zwischendrin sein nicht mehr allzu langes Weilen auf dieser Erde ansprach.

Und für die klare Kante des anständigen DemokratIn Robert Habeck sei noch einmal Davila zitiert:

„Der Linke fühlt sich verfolgt, wenn er nicht gerade dabei ist, jemanden zu verfolgen.“

Ungerechtes Herausstreichen von Einzelnen, die ganze BUNTE Matrix von CDU/CSU bis zu den freien Kräften der (anti-)faschistischen Schlägertruppen steht jetzt im Kampf gegen Recht(e)s und Freiheitlich-Demokratisches wie eine Eins. Am Aufmarsch gegen die Meinungsfreiheit die BERTELMÄNNER und überhaupt die ganzen Mittelstrommedien zackig und zivilcouragiert dabei. Nur so kann noch verhindert werden, daß bei der nächten Wahl die NPD die stärkste Partei wird und daß es schon wieder mal …
Irgendetwas wird bald passieren, soviel Wahnsinn kann sich nur noch rapide steigern oder vollkommen in sich zusammenbrechen. Zwischen Demokratie und der BUNTEN Republik gibt es keine Schnittmenge mehr.

Ein Fremder aus Elea
Samstag, 21. April 2012, 9:10 (URL) | Kurz-URL
All das kann den PIRATEN aber völlig egal sein, wenn sie nur folgendes erfolgreich umsetzen.

1. Eine Seite einrichten, bei der man sich mit Namen, Adresse und e-Mail registrieren muß und diese pflegen, d.h. in Erfahrung bringen, ob es einen Herrn oder eine Frau sowieso an der Adresse gibt und falls sich mehrere unter diesem Namen registriert haben, die betreffende Person anschreiben, und sie nach ihrer e-Mail Adresse fragen. Zum Überprüfen der Existenz genügen hingegen Personenverzeichnisse.

2. Die Mitglieder dieser Seite über die relevanteren Themen, welche die PIRATEN im Parlament mitentscheiden, abstimmen zu lassen.

Es ist doch nicht zu viel verlangt, oder?

Und sollten sie daran nicht scheitern, werden wir in 20 bis 30 Jahren die direkte Demokratie in Deutschland haben.

Unke
Samstag, 21. April 2012, 9:33 (URL) | Kurz-URL
Marina Weisband? Ist die nicht von ihren Ämtern (oder wie das bei den „Piraten“ heißt) zurückgetreten?

War ja schon interessant, wie die zum „Gesicht“ der Piraten aufgebaut wurde. Hatte seitens der Journaille aber auch Nachteile: als Jüdin konnte man ihr nicht so an den Karren fahren wie die etablierten Pfründenverteidiger es sonst gerne tun. Mal abgesehen davon dass die Personalie Weisband eine nähere Untersuchung wert wäre (wenn man etwas darüber nachdenkt bekommt man schon wieder Zustände…) wird die ihren Weg machen –ob bei den Piraten oder anderswo-, da bin ich ganz bei GK.
Wie bereits einleitend festgestellt, spielt diese Dame aktuell jedoch keine Rolle bei den Piraten (oder doch? Habe ich da was verpasst?).

Das macht den Blick frei auf die Piraten. Der vorliegende Beitrag zeigt dabei, dass man sich allenthalben gerade erst am Beginn des Verstehens befindet; nicht zuletzt natürlich deswegen, weil es sich selbst um eine im Fluss/in der Entstehung befindliche Bewegung handelt. Persönlich gefällt mir das Phänomen „Piraten“ sehr; handelt es sich doch um eine weitere von nunmehr 8(?) sozialdemokratischen Mittelstromparteien (CDUCSUGrüneSEDFDPSPDetc), die jenen zwangsläufig Stimmen wegnimmt. (Dass damit im Bund eine neuerliche CxU/SPD- Koalition unausweichlich wird ist eine unschöne Folge.)

Das macht Koalitionsarithmetiken bei künftigen Wahlen schwierig. Und es zwingt frauenfixierte Altparteien bzw. männerfeindliche Grüne sich mit den männlichen Anhängern der Piraten (das ist nämlich deren ‚Hauptverbrechen’ und nicht etwa die Tatsache, dass sie vereinzelt „antisemitisch“* oder „rechts“ sind) auseinanderzusetzen.

Lustig ist insbesondere, dass nun auch von den Mittelstrommedien die „Weltfremdheit“ der Piraten kritisiert wird, z.B. handle es sich um eine reine „Freibier für Alle“ Partei. Hier zeigt sich wieder einmal aufs Schönste, dass der „demokratische“ Mittelstrom-„Diskurs“ ein intellektuell hoffnungsloses Unterfangen ist. Denn die mittlerweile 2 Billionen Euro Schulden sind natürlich nicht die Folge von jahrzehntelangem „Freibier für alle“, sondern…?
—–
* aber auch hier… wenn man mal, wie gesagt, ein wenig darüber nachdenkt: wer steckt denn hinter SOPA (sowie dessen Vorgänger und Nachfolger), den u.a. die Piraten richtigerweise zu Fall gebracht haben? Richtig, MPIAA und RIAA. Und wer wiederum steckt dort dahinter…? Genau.

Rolf
Samstag, 21. April 2012, 10:20 (URL) | Kurz-URL
Marina Weisband (ukrainisch/russisch Марина Вайсбанд; * 4. Oktober 1987 in Kiew) ist eine Kontingentjüdin.

Interessant auch das hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Piratenpartei_Deutschland#Umgang_mit_dem_Rechtsextremismus

Lese ich bei Kubitschek eine Spur Enttäuschung heraus?
Was die Piratenpartei angeht, gab es niemals Hoffnung, dass eine FAKTENpartei die Denkverbote aufbrechen und die Lebenslügen der BRD freilegen würde, gar in einem öffentlichen Diskurs.

Eine nicht systemkonforme Partei wäre niemals von Systemmedien hochgeschrieben worden.

Die Piraten sind eine weitere linke BRD-Systempartei.

Schopi
Samstag, 21. April 2012, 14:17 (URL) | Kurz-URL
Nun ja, „Stöckchen halten“ gehört ganz trivial zum medialen Politikzirkus.
Rein theoretisch gesehen könnte man auf dieser Ebene auch eine NPD soweit in die Hirne einimpfen, daß am Ende eine 10% „plus X“ Partei herauskäme. Es ist wie mit neuen Klopapiersorten, Zahncremes oder Autos, die richtige Werbung sichert den Erfolg.

Wäre ich Linker, würde ich keinefalls die „Piraten“ wählen, sondern doch eher bei meinem angestammten Wahlverein mein Kreuz machen. Je nach Sichtweise kann man die Pirats auch als einen Keil ins linke Lager begreifen, dadurch das Links nun mehr verteilt wird (nicht verdünnt) kann sich die Regierungszeit der jetzigen Oberen durchaus um weitere 4 jahre verlängern (auf die nächste Bundestagswahl bezogen).

Zadok Allen
Samstag, 21. April 2012, 15:01 (URL) | Kurz-URL
„Zu groß ist das Potential derjenigen, die von den Etablierten genug haben und in den weltanschaulich nicht festgelegten „Piraten“ die ihnen gemäße politische Vertretung sehen.“

– Ich bezweifle ernsthaft, daß der Aufstieg der „Piratenpartei“ ein (basis-)demokratisches Phänomen ist. Zu auffällig war und ist die völlig überproportionale Medienpräsenz, derer sich diese Partei nunmehr seit vielen Monaten erfreut. Das begann schon vor den ersten Wahlerfolgen. Die Richtung der Kausalität ist m.E. eindeutig: die Berichterstattung hat die Wahlerfolge nach sich gezogen, und nicht umgekehrt.

Warum begegnen die Massenmedien ausgerechnet den „Piraten“ mit solchem Wohlwollen? Warum widmen sie ihnen soviel Sendezeit? Warum nicht der Familienpartei, der Tierschutzpartei, den Grauen Pantern, der BIG (um nur systemkonforme Kleinparteien zu erwähnen)?

Das ganze stinkt gewaltig nach einer von oben konzertierten Aktion, mit der ein weiterer Farbtupfer als Pluralismus-Surrogat in das bis zur Unkenntlichkeit verschwommene Bild des BRD-Parteienspektrums eingebracht werden soll. Womöglich richtet sich diese ganze Aktion auch gezielt gegen die FDP? Wenn man nur wüßte, was in den Hinterzimmern und Büros im obersten Stock so besprochen wird.

„Eine nicht systemkonforme Partei wäre niemals von Systemmedien hochgeschrieben worden.
Die Piraten sind eine weitere linke BRD-Systempartei.“ – Zustimmung.

PB
Samstag, 21. April 2012, 15:18 (URL) | Kurz-URL
Wenn man sich das Video bei N24 genau anschaut, wird man feststellen müssen, dass Weisband in Bezug auf Semken dem suggestiven Gebrüll von Friedman eine Weile tapfer widerstanden hat und erst in dem Moment zusammenbrach, als er an ihre Verantwortung „als Jüdin“ appellierte.

Erwartungsgemäß niederträchtig zeigte sich abermals auch Innenminister (Jackpot R) Herrmann als nimmermüder Kämpfer gegen rechte Umtriebe, der hier nun auch gegen die Piraten den Zeigfinger heben darf, wie er dies früher schon, übereifrig zuvorkommend, in Sachen Sascha Jung

http://www.akademische-freiheit.de/

und bei jeder anderen sich bietenden Gelegenheit getan hat.

Dietmar Fürste
Samstag, 21. April 2012, 15:26 (URL) | Kurz-URL
Das erwähnte Stöckchen ist natürlich nur Teil eines sehr viel größeren Knüppels, der spätestens dann aus dem Sack geholt wird, wenn die sicher auch bei den Piraten eindiffundierten V-Leute über unbotmäßige Entwicklungen berichten. Bisher sind noch alle Parteien durch Koalitionsvereinbarungen, Fraktionsdisziplin und nicht zuletzt die Geschäftsordnung des Bundestages und zahlreiche Netzwerke, denen sie sich andienen müssen, “auf Linie“ gebracht worden. Anderenfalls …. Erinnert sich noch jemand an die Schill-Partei in Hamburg?

Oder glaubt hier noch jemand ernsthaft an eine Politikwende gegen EU, Euro, ESM, NATO, Globalisierung, One World usw. – einfach nur durch eine neue Partei?? Spätestens wenn das Stöckchen „Staatsraison“ hingehalten wird, werden auch die Piraten ihren Hüpfer vollführen und sich selbstverständlich der Offensichtlichkeit unserer deutschen Schuld, des gesetzlich geschützten Geschichtsdogmas und der Verpflichtungen gegenüber unseren ‚Freunden‘ nicht verschließen und freudig in den Chor des Parteienkartells einstimmen.

Vielleicht sollen mit der Piratenpartei aber auch nur alle Unzufriedenen, Andersdenkenden, Nicht-Konformen und Selberdenker eingesammelt und in einem Dauer-Disput so lange zermürbt werden, bis sie verstanden haben, dass man gegen einen Misthaufen nicht anstinken kann.

drauf und drann
Samstag, 21. April 2012, 17:11 (URL) | Kurz-URL
Beim Aufkommem der Grünen wusste man wenigstens noch wofür die stehen, aber das ist auch schon längst Geschichte.

Anders bei den Piraten, der Wähler 2012 will nicht mit Parteiprogrammen behelligt werden, oder gar mit politischen Standpunkten, nein nein, sowas brauchts nicht mehr, das verunsichet doch nur. In Punkto Beliebigkeit haben die Piraten selbst der Teflonmerkel das Wasser abgegraben.
Das Stimmvieh muss halt wohin mit seine Mist, äh Stimme, die Not ist groß, dann wählt man hat mal Pirat, ist gerade schick. Und schlimmer kanns ja nicht werden, gell.

Und Pirat, das hört sich halt nach Freiheit und Abenteuer an, wie gemacht für die Generation „Jack Wolfskin“, die ihre verfette Brut mit dem SUV in den Kindergarten fährt, aber nicht ohne Airbag und Kindersitz.

Bis zum nächsten Jahr, denn Grün ist das neue Schwarz oder so, und Raider heist jetzt Twix, und nun doch wieder Raider.

Ich würde die Piraten under der neuen Kategorie „Lifestylepartei“ einorden, und Lifestyle war schon immer Mainstream.

Und zudem, Piratenparteien haben wir eigentlich schon zu Genüge,
ist ein bischen so wie mit den „Bad Bank“, von denen haben wir auch genug, sollen aber neue gründen ?!?!?

drauf und drann
Samstag, 21. April 2012, 17:24 (URL) | Kurz-URL
Das Logo der Piratenpartei ist ein Fähnchen im Wind,
ein Schelm wer Böses dabei denkt. 😉

PB
Samstag, 21. April 2012, 17:42 (URL) | Kurz-URL
update 21.04.12 (Weisband/Friedman):

„Mittlerweile hat sie klargestellt, nach Sichtung der Faktenlage fordere sie keinen Rücktritt Semkens.“

Es besteht also Hoffnung, dass die Piraten doch eine FAKTENpartei werden könnten.

Hoffnungslos hingegen, wieder einmal, die opportunistische CDU:

„Kritik am Piratenchef kommt auch aus der Berliner CDU. Generalsekretär Kai Wegner sieht die Piratenpartei mit ihrer neuen Rolle völlig überfordert. ‚Sie muss unverzüglich ihre Position zu rechtsextremen Tendenzen in den eigenen Reihen klären‘, sagte er.“

http://tinyurl.com/bljz3e4

derherold
Samstag, 21. April 2012, 20:02 (URL) | Kurz-URL
„Wer vor Monaten verblüfft verfolgt hatte …“

In der Tat konnte man es sich bei Rotkäppchen+Häppchen gemütlich machen angesichts der Schauspiele, die unsere Medieneliten in den letzten sechs Monaten inszenier(t)en.

Meiner Meinung nach geht es aber um Grundlegenderes:

1. „Man“ hatte durchaus ein Interesse daran, den *Piraten* ihren bürgerlichen Linksdrall zu belassen … in der ständigen Nervosität, daß „die Jugend“ tatsächlich mal oppositionell auftreten und ein paar Dressurakte verweigern könnte.

2. Sooo erfolgreich sollten die *Piraten* aber doch nicht werden. Schließlich hatte „man“ den *Grünen* den Platz der *FDP* versprochen als „Nummer 3″ und Multifunktionsmehrheitsbeschaffer.
Es wäre bitterschade, wenn all die Beamtenposten, Beraterverträge und wohlgesonnenen Artikel von *Spiegel* bis *FAZ* verpufften, weil die die *Grünen* implodieren.

Fazit: Es geht zunächst um etwas ganz Lapidares, nämlich den Wahlerfolg der *Piraten* möglichst klein zu halten… koste es, was es wolle.

Wahr-Sager
Samstag, 21. April 2012, 20:07 (URL) | Kurz-URL
Die Piratenpartei ist – wie bereits Viele erkannt haben – eine weitere, linke BRD-Systempartei. Wer als Rechter/Konservativer jetzt noch irgendwelche Hoffnungen in diesen Verein legt, der scheint ziemlich naiv zu sein.

Vorhin habe ich auf WELT ONLINE von einem Kommentator gelesen:

“Nun hoffe ich, daß die Piraten sich auch ganz klar von Linksextremisten distanzieren. Wenn Piraten-Abgeordnete im Berliner Abgeordnetenhaus in T-Shirts mit ‘Communism’-Aufdruck posieren, dann verrät dies eindeutig eine linksextremistische Einstellung. Aber das scheint die feine Dame ja wohl nicht zu interessieren.”

Und WO zensiert wieder und sperrt rechtsgerichtete Schreiber.

Schopi
Samstag, 21. April 2012, 23:51 (URL) | Kurz-URL
…. rechtsgerichtete Schreiber….

…Vokabular vom anderen Ufer!

derherold
Sonntag, 22. April 2012, 1:46 (URL) | Kurz-URL
„Beim Aufkommen der Grünen wusste man wenigstens noch wofür die stehen,…“

Die *Grünen* waren politisch als Domestizierungsprojekt für die „jungen Revolutionäre“ gedacht. Mit großzügigen Angeboten im Öffentlichen Dienst und durch die Eröffnung polit. Karrieren sollte Westdeutschland befriedet werden. Die Karrieren von Fischer, Trittin und der Kohorte der Pol-Pot-Freunde des KBW wäre ohne wohlwollende Patronage kaum denkbar gewesen.

Die bürgerlich-naiven Wohlstandsbürger, die sich aus Protest gegen Atomkraft, „Krieg“ und Umweltverschmutzung engagierten, waren doch ruckizucki ausgeschaltet. Die Masse der K-Grüppler und ihrer radikalen Brüder im Geiste hatte so viel Interesse an Krötenwandertunnel wie ich an zeitgenössischer Malerei Usbekistans.

Es geht mE nicht um ein zu „überspringendes Stöckchen“ … die *Piraten* sollen den Weg von *Schill-Partei* &Co. gehen: den in die Versenkung. Ich bin gespannt, welche kleinen Schweinereien sich die FDGO noch einfallen läßt, um Wahlerfolge der *Piraten* zu verhindern.

Das wird noch sehr unterhaltsam.

drauf und drann
Sonntag, 22. April 2012, 10:03 (URL) | Kurz-URL
@ derheld

Sie haben natürlich Recht, Frau Ditfurth sagte mal in einem Interview sinngemäß das ohne wohlwollen der Amis es die Grünen nie gegeben hätte.

Aber zumindest vordergründig wusste man wofür die Grünen stehen.

Isabel
Sonntag, 22. April 2012, 10:27 (URL) | Kurz-URL
Schon allein der Name der Piratenpartei kennzeichnet sie als unerwachsen, als Teil der Spaßgesellschaft. Gerade als Konservativer oder Rechter ist es völlig unmöglich, sich hinter dieses Konzept – falls überhaupt eins erkennbar ist – zu stellen, auch wenn anfängliche Thematiktendenzen wie die bundesdeutsche Unfreiheit der Meinung einen im täglichen Leben immer wieder berühren und einschränken.

Insofern kann man sich auch Hoffnungen sparen, auch nur ansatzweise Teil dessen werden zu können. Was man vertritt, ist nicht teilbar und daher auch niemals innerhalb einer Partei nur als Flügel oder Minderheit gegen eine im Kern linksliberale oder spaßpolitische Mehrheit vermittelbar.

zentralwerkstatt
Sonntag, 22. April 2012, 11:05 (URL) | Kurz-URL
Es ist sicherlich auch „aus dem Bauch“ heraus, aber Genossin Weiszband ist mir eine äußerst suspekte Person. Wie im Text ja auch gesagt wird, wurde sie offenbar multimedial gestützt in der Öffentlichkeit installiert. Auch wenn man – wie ich – nur wenig die gleichgeschalteten Medien verfolgt, bekommt man schon den Verdacht, daß dieses Gör der Buntesrepublik ins Nest gelegt wurde. Sehr beeindruckend für mich ist ein Filmdokument (siehe youtube), in dem ein Telefongespräch von Gaspascha Weiszband mit – ach, Zufall, er ist ja zu Hause – Kai Diekmann von Bild aufgezeichnet ist.

Ich bezweifle, daß sie Stöckchen zu überspringen hat, nach Ausschalten der Kameras gibt’s möglicherweise siegessicheres Champagner-Stößchen auf ein unterklassiges Schauspiel.

Die Macht der Größenwahnsinnigen liegt im Parteienstaat. Sie überziehen uns alle mit seiner Hilfe mit den Affekten und Trieben derer, die sie selbst – ob bewußt oder unbewußt – wohl nur mehr als (Versuchs-)Tiere ansehen.

Vielleicht frißt die lancierte Wirtschaftskrise am Ende ihre Eltern. Nur ein anderes Geld-/Tauschsystem kann die Grundlage einer freien Welt sein, und ein solches ist idealerweise so individuell, wie die Völker / Stämme, die es sich gegeben haben ohne damit ein Monopol zu etablieren.

Politik als solche ist die Essenz aller kollektivierten Streitereien (Kriege), das darf für eine Zeitenwende auch nicht vergessen werden. Man soll die Leute mit „politischen Projekten oder Visionen“ in Ruhe lassen. Manche haben Sehnsucht nach der DDR, was man vielleicht nicht nur als unüberlegt abtun sollte. Vielleicht steckt da auch ganz besonders die tiefe Erkenntnis dahinter, daß wir an einem Punkt in der Geschichte sind, da wir nach Belieben gefüllte Mägen und warme Behausungen für alle haben können, dazu eine Mobilitäts- und Informationsinfrastruktur, die ihresgleichen in der Weltgeschichte sucht, packt noch individuelle Freiheit dazu – fertig ist das Paradies auf Erden. Der fälschlich Wohlstand genannte und durch das Geldsystem entfesselte Konsumwahn des sogenannten „freien Westens“ jedenfalls erodiert unsere Lebensgrundlage. Wenn man sich anschaut, was pro getauschten Euro den Zinsherren zufließt, dann hat man Motiv genug für die destruktiven Ereignisse in Europa, die als „Globalisierung“ sakralisiert werden.

Vielleicht ist gerade die Möglichkeit der Vernetzung per Knopfdruck selbst über kontinentale Grenzen hinweg die Ursache für die Auslösung der Weltwirtschaftskrise jetzt, denn durch diese Informations- und Vernetzungsstruktur wähnt sich das Hochfinanzkartell wohl ungeahnt existentiell gefährdet – vielleicht ungeahnt, sie sind eben keine Götter, nur Größenwahnsinnige.

Möglicherweise soll mit der erneuten Etablierung einer infantilen bis albernen „Aufmisch-Partei“ ein weiteres Kollektiv nützlicher Idioten herangezogen werden und einen Teil der „wahlpflichtbewußten“ Buntes-Demokratinnen und -Demokraten auf sich ziehen. Wieso nennen die sich Piraten? Sollen sie den Verfechtern des freien Netzes in der öffentlichen Wahrnehmung den Ruf von Räubern zuordnen? Wer wollte es mit Räubern halten, die aus verbrecherischen Beweggründen ein unzensiertes und anonymes Netz fordern? „Wir haben ja nichts zu verbergen.“ –> Nacktscanner für’s Internet!

Abendländer
Sonntag, 22. April 2012, 11:40 (URL) | Kurz-URL
@ Dietmar Fürste

„Oder glaubt hier noch jemand ernsthaft an eine Politikwende gegen EU, Euro, ESM, NATO, Globalisierung, One World usw. – einfach nur durch eine neue Partei??“

Leider nur allzu viele. Denn schließlich ist Elvis ja tot, blah und bleu …

Das Spiel in der geschlossenen BUNTEN Matrix – „good cop – bad cop“/Stockholmsyndrom, Duldungsstarre, selbige geadelt als „tolerance“ – klappt doch ausgezeichnet.
Millionen wollen signifikante Unterschiede erkennen zwischen der VIELFÄLTIGEN christlich-konservativen CDU, den ulkigen Seeräubern und den freien radikalen Kräften der Straße im gemeinsamen Kampf gegen die ständig drohende Machtergreifung der NDP vereint.
Millionen Durchfallkonservative mögen es eben lieber, wenn Politiker sich ordentlich anziehen und nicht so abgerissen herumlaufen wie ein gewisser Teil der Grünen z.B. Und ein bißchen Islam“kritik“, daß man also Ehrenmorde z.B. nicht ganz so toll findet, daß hier noch viel mehr „integriert“ werden muß – was immer sich hinter diesem ewig rätselhaften BUNTEN Wortfetisch sich auch verbergen mag – ist doch im Rahmen unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung durchaus möglich. Sie muß eben nur unter dem richtigen Benimm unterbreitet werden. Die Wahrheit liegt doch letzlich meistens in der Mitte, Differenzierung sollte niemals ausbleiben, denn auch die Mohammedaner sind bekanntlich keine „homogene“ Gruppe.

Aus der Großen Kulturrevolution heraus haben sich viele Gruppen von Vulgär- oder Gefüüüühlslinken gebildet, die niemals Linke gewesen sind,
weite Teile der Linken haben jämmerlich versagt, sich verbündet – oder als „nützliche Idioten“ gedient –, mit den Interessen des US-Amerikanischen Milliardärskapitals und damit auch den Interessen der Freunde der Bushes, Clintons, Rockefellers, Soros und Co., nämlich den wahhabitischen Eliten aus Saudi Arabien (incl. Laden-Clan). Andere Linke oder Ex-Linke, z.B. der Abkömmling der Frankfurter Schule, Frank Böckelmann („Die Welt als Ort“, „Die Gelben, die Schwarzen, die Weißen“ – genial!!!, „Bertelsmann: Hinter der Fassade des Medienimperiums“), analysieren dafür mit gänzlich ungetrübtem Auge die Pest des „Diversity“- und „Tolerance/Antidiscrimination“-Wahnsinns, der die ganze westliche Welt kulturell wie wirtschaftlich in den Abgrund zu jagen droht. Einsame kluge Lichter in der Finsternis wie Baudrillard durften nur bei „rechts“ publizieren, weil (Pseudo-)links sich von den „Menschen“rechtsimperialisten der US-Milliardäre haben übers Ohr hauen lassen.

Die eigentliche Front verläuft jedenfalls NICHT zwischen rinks und lechts, sie verläuft zwischen den EineWelt-Globalisten, von den wenigen Milliardärsclans bis zu den vertrottelten humanistischen Einpeitschern all den grassierenden Ändschie-Ohs nebst ihren Tearjerkers ala Bono oder Bob Geldoff und den Partikularisten, die die Souveränität ihrer Nationalstaaten wieder zurückgewinnen wollen, die auf ihren Zugehörigkeiten beharren, ihrer Heimat, die den Totalen Ökonomismus ablehnen und unter Bildung und Kultur sehr viel mehr verstehen, als den „Kompetenzen“- und „Skills“-Müll, den die Einpeitscher des Weltamerikanismus wie z.B. BERTELSMANN oder die OECD den weißen Mittelschichten zum Fraße vorwerfen, damit schon rein intellektuell unter den absoluten Oberschichten des Kapitals keine selbstbewußten und intelligenten Aktionen mehr dagegen möglich sind, die ganze westliche Welt in eine traditions- und gehirnbereinigte einzige Shopping Mall umzugestalten, statt Orten „Standorte“, statt Heimat der Mief, der penetrante Plastikgeruch des „Global Village“.

War aber alles nur Spaß, denn wie jeder vernünftig denkende „Mensch“ weiß, gab es ja UFO („Doctor, doctor, please …“) nur als englische Hardrock-Formation ….

Oberlehrer
Sonntag, 22. April 2012, 13:39 (URL) | Kurz-URL
Auf der ganzen Welt machen Heranwachsende in ihrem jugendlichen Leichtsinn Witze über Geschlechter, Religionen, Hautfarben.
Nur in Deutschland ist das natürlich ein Problem.
Ob die Kiddies wirklich Bock dadrauf haben?
Daß jetzt jedes mal so eine nervige Übermutter aufkreuzt, die die Tweets und die E-Mails kontrolliert.
Bei Veranstaltungen traut sich keiner mehr was zu sagen, aus Angst, die Alte rastet aus, und die Parteikarriere ist hin.
Wollen die Playmobil-Piraten wirklich im Kabelgatt der ewigen Schuld eingesperrt werden?
Wollen diese Computer-Freaks wirklich in der Endlosschleife zwischen der 33sten und 45sten
Zeile 1000 Jahre verharren?
Lasst euch den Mund nicht verbieten!!!

Wahr-Sager
Sonntag, 22. April 2012, 17:45 (URL) | Kurz-URL
@Schopi:

Ich schlage Ihnen vor, beim nächsten Mal nüchtern zu schreiben.

Th.R.
Sonntag, 22. April 2012, 19:03 (URL) | Kurz-URL
Nach all den Erfahrungen, die das rechte Lager in der BRD bei ihren Versuchen politisch fußzufassen sammeln mußte, kann heute rückblickend mit sicherer Gewißheit gesagt werden, dass es in der BRD eine rechte Partei, die über nennenswerten Einfluß verfügt und die vom System anerkannt wird, niemals geben wird. Entsprechend gegenteilige Illusionen sollte man aufgeben, auch wenn es schwer fällt. Denn das ganze System ist dadrauf ausgerichtet und von der Absicht innerlich durchzogen, eine solche Partei, hinter der ein Wille zum deutschen Selbsterhalt steht, unbedingt zu verhindern. Das ist die Erkenntnis aus diesen Erfahrungen, und die BRD macht keinen Hehl daraus, dass es genau so ist.

Selbst wenn es eine solche Partei heute gäbe – würden sich dann wirklich all unsere Erwartungen und Hoffnungen erfüllen bzw erfüllt haben?
Ein Blick ins Ausland, wo es rechte Parteien gibt (Frankreich, Österreich, Flandern), bringt, denke ich, Ernüchterung. Auch dort haben sich die Erwartungen und Hoffnungen, die in die entsprechenden Parteien und Politiker gelegt wurden, nicht erfüllt. Zwar hat die Rechte dort ein Sprachrohr in den Parlamenten, was natürlich auch was wert ist, aber der große Wurf ist das nicht.

Wenn es eine rettende Kraft für uns Deutsche noch gibt, dann wird sie, glaube ich, direkt aus dem Volk hervorbrechen. Der „Druck im Kessel“, der im europäischen Ausland über die dortigen rechten Parteien zum Ausgleich gebracht und abgelassen wird, der steigt bei uns weiter an, und er wird, hoffe ich, ins Unermessliche steigen.

Auch wenn unser Weg der härtere ist, so ist er vielleicht der einzige, der den Erfolg bringt. Und daher rufe ich dieser BRD und den Systempolitikern der etablierten Parteien voller Zuversicht zu: Schweißt den Deckel fest an den Topf! Und erhöht die Temperaturen ins Unermessliche! Auf dass die Druckkräfte der BRD die entsprechenden Veränderungen und unserem Volk die Rettung bringen!

Arminius Arndt
Sonntag, 22. April 2012, 21:32 (URL) | Kurz-URL
aber schließlich läßt sich niemand leichter unterordnen, als der, der nicht weiß, was er will (Ernst Jünger – Afrikanische Spiele)

Kein Wunder also, dass man den „Protest“ in Form der „Piraten“ so weit die Tore aufmacht – so lange sie die sehr niedrig hingehaltenen Stöckchen des „Kampf gegen Rechts“ bewältigen, stellen sie angesichts ihre sonstigen, amorphen Grundsubstanz keinerlei Gefahr für die Etablierten dar. Am Besten, man nimmt sie gleich in Koalitionszwang und fertig ist die Laube …

Auf der anderen Seite:

Das obige Zitat Jüngers gilt auch für die „Rechte“ in Deutschland, die sich seit Jahrzehnten auch lieber in x-Splitterparteichen und sonstigen Grüppchen zergeht und damit nach belieben dominiert wird, weil auch sie offenbar nicht weis, was sie will (paradetypisch wird das im Thread weiter vorne über die „Bonhoeffer“-Diskussion mal wieder vorgelebt) – soweit, dass man hier mancherorts froh sein könnte, wenn man überhaupt in die Gefahr des „Stöckchen Hinhaltens“ kommen würde …

Wahr-Sager
Sonntag, 22. April 2012, 21:48 (URL) | Kurz-URL
@drauf und drann:

Sie haben natürlich Recht, Frau Ditfurth sagte mal in einem Interview sinngemäß das ohne wohlwollen der Amis es die Grünen nie gegeben hätte.

Das war in einem SPIEGEL-Interview vom Februar 2011. Ditfurth sagte in diesem:

Ich habe die Einflussnahme der US-Regierung auf hiesige Politiker ja selbst erlebt: Als ich Bundesvorsitzende der Grünen war, wollte das US State Department Kontakt zu mir aufnehmen. Ich sagte: kein Interesse. Bei meiner Vortragsreise 1987 durch die USA haben sie es trotzdem versucht. In der Georgetown University in Washington stand ich plötzlich vor einem geladenen Publikum – darunter jede Menge Uniformträger und CIA-Mitarbeiter. Wir haben uns lautstark gestritten – ein ehemaliger Stadtkommandant von Berlin brüllte los: „Wenn wir gewollt hätten, hätte es die Grünen nie gegeben!“ Mein Gastgeber von der Universität versuchte nach der Veranstaltung, mich dazu zu überreden, an einer Studie über die Grünen mitzuschreiben. Da hätten auch schon andere Grüne zugesagt – „gute Freunde“ wie Otto Schily und Lukas Beckmann.

Rübezahl
Sonntag, 22. April 2012, 21:59 (URL) | Kurz-URL
@ Th R

Sie haben Recht, auch wenn dies unschöne Aussichten sind.

Im Ausland sind die Zustände teilweise schlimmer als in der BRD. Die Geschichte hat einen besonderen Charme: sie verläuft nicht linear. Somit wird es sich lohnen, diese Länder im Auge zu behalten. Ich denke insbesondere an UK (unerträglich PC), Schweden (offen multikulturalistisch) und Holland. Das wird je nach Entwicklung nicht ohne Auswirkungen in Europa bleiben.

In der BRD fehlt derzeit jegliches Ventil im Gegensatz zu anderen Ländern, wie Sie richtig feststellen.
Und auch ich glaube, dass sich dieser dadurch aufgebaute Druck ein Ventil suchen wird. Nur wie das passieren wird, keine Ahnung.

Abendländer
Montag, 23. April 2012, 7:39 (URL) | Kurz-URL
@ Oberlehrer

„Auf der ganzen Welt machen Heranwachsende in ihrem jugendlichen Leichtsinn Witze über Geschlechter, Religionen, Hautfarben.
Nur in Deutschland ist das natürlich ein Problem.“

Die RASSENFORSCHER der „Menschen“rechtsbewegung, UN, EU und Co., haben bestimmte Gruppen von Staatsbürgern oder Nichtstaatsbürgern zu RASSEN erklärt.
Unter der Herrschaft der „Menschen“rechtsdiktatur der EU werden Oppositionelle, denen man keinen RASSENstatus zugebilligt hat, die also minderwertig oder unwertig sind, als RASSISTEN verfolgt.

Schließe mich Ihrem Appell vom Tenor her ansonsten an, nur möchte ich immer wieder davor warnen, hier rein nationale Befindlichkeiten zu pflegen, die Verfolgung von „Haßreden“ (hate speech, racism) und Gedankenverbrechen ist in Großbritannien nun wirklich schon viel weiter als bei uns, und auch in Skandinavien ist die Ersetzung des Rechtes durch das supranationale „Menschen“-(Un)recht sehr weit fortgeschritten.

Selbstredend hat jeder Brillen- oder Pickelträger, jeder Chinese oder Togolese das gleiche Recht darauf beleidigt zu werden, wie andere auch, selbstredend ist das auf jedem Schiff der Welt schon seit Jahrhunderten so gewesen, entweder Freiheit oder der Tugendterror jakobinischer Gesinnungspolizei, beides zusammen geht nicht.

Heute müßte man einem kleinen Stöpsel, der seine Spielkameraden mit einem „He, Dummfresse“ oder „He, Schlitzauge“ oder „He, Krummnase“ oder „He, Schoko, Du Doofkopp“ begrüßen möchte, aber dringend raten, in diesem Falle nicht gerade in Großbritannien auf einen Spielplatz zu gehen.

Aus meinem wirklichen Leben: Beim Sport wird eine kleine Ghanaesin von einer erheblich älteren Russin permanent gepiesackt, die einfach nicht zu bremsen ist. Die Russin wurde an der Schule bereits in Sachen „Kultursensibilität indoktriniert. Zehn oder zwanzig Mal uzte sie das kleine Mädchen mit „Du Afroamerikanerin, Du Afroamerikanerin.“ Mußte sie irgendwann – nicht wegen dieser Etikettierung, aber weil sie an diesem Tage generell nicht lenkbar und erträglich war – der Halle verweisen.

Schopi
Montag, 23. April 2012, 17:30 (URL) | Kurz-URL
@Wahr Sager
Ich schlage Ihnen vor, beim nächsten Mal nüchtern zu schreiben.

Was erlauben Sie sich?

„rechtsgerichtet“ ist ein Kampfbegriff der PC. Dieser Unwort wird insbesondere dann eingesetzt, wenn die Steigerungsstufe „Nazi“ zu leicht zu widerlegen wäre, aber man trotzdem den Versuch unternehmen will eine bestimmte Linie aufzuzeigen. Mit diesem Kampfbegriff kann man suggestiv die JF mit der NPD und sog.mit Rechtsterroristen auf eine Ebene stellen – und das funktioniert doch sehr gut!

Haben Sie schon einmal das Wort „linksgerichtet“ gehört?

Eben darum wollte ich darauf hinweisen, daß Sie diesen Ausdruck, vielleicht unbewußt, hier nutzen. Da sieht mal einmal, wie wirkmächtig Propaganda sein kann, selbst die Gegner nutzen dieses Vokabular.

Abendländer
Montag, 23. April 2012, 20:46 (URL) | Kurz-URL
@ Wahrsager

„Und WO zensiert wieder und sperrt rechtsgerichtete Schreiber.“

Als jemand, der als Partikularist souveräne freiheitliche Rechtsstaaten haben möchte, als Demokrat, sollte man nie das Gehirnwäschevokabular des FEINDES verwenden.
Also allerschlimmstenfalls mit Schutzhandschuhen oder der Kneifzange:
Die sogenannten „rechtsgerichteten Schreiber“.
Die ganzen Viren wie „Diskriminierung“ oder „Toleranz“ oder wie hier „rechts(gerichtet)“ zerstören das Denken von Millionen sehr viel stärker, als die allermeisten ahnen.
Der große Alpenfürst FJS hat seinerzeit schon geahnt und öffentlich geunkt, was alles passieren kann, wenn der FEIND erst einmal unserer schöne deutsche Muttersprache in den Fingern hat.

Martin Lichtmesz
Montag, 23. April 2012, 22:48 (URL) | Kurz-URL
„rechtsgerichtet“ ist ein Kampfbegriff der PC.

Jo mei. Ich bezeichne mich auch gern als „rechtsgerichtet“. Ich finde „rechtsgerichtet“ einen nüchternen Begriff, immer noch besser als „rechtsradikal“ oder „rechtsextrem“. Meinetwegen noch „rechtsdrehend“, wie die Milchsäuren.

Hesperiolus
Dienstag, 24. April 2012, 10:22 (URL) | Kurz-URL
Wenn der Irrsinn schon, wie heute 24. April, in der FAZ (JvA) kommentiert wird:
Doch nun ist endlich ein Mittel gegen die Piratenpartei gefunden..Sie sei im „braunen Sumpf“ unterwegs, jauchzen ihre Gegner, sie wisse nicht wie sie mit den „Rechten“ umgehen solle…Sie ist in die Ecke gestellt…von der aber auch alle wissen, dass sie die Schmuddelecke ist, in der jeder in Deutschland erledigt werden kann, ohne dass auf Fairness und Vernunft Rücksicht genommen werden müsste. Die Übung dient meistens nur dem Zweck, sich selbst ins rechte Licht zu setzen…
Immerhin.

Abendländer
Dienstag, 24. April 2012, 11:42 (URL) | Kurz-URL
@ Martin Lichtmesz

„Ich bezeichne mich auch gern als „rechtsgerichtet“. “

Klar. Selber gebe ich mich je nach Kontext häufig gleich als Natzieh, also ein Vertreter der Gefahr aus der Mitte zu erkennen.

Wurde in einem anderen Forum angegriffen, daß angeblich (die nicht nur) meine Lechts-Rinks-Skala ganz enorme Verwirrungen stiftete. Zuerst verteidigte ich zornig meine Selbstdarstellung als überzeugter Rechter. Aber je länger die Debatte ging, wurde mir nach und nach klar, daß mein Gegenüber recht hatte.

Er zieht die Front zwischen Globalisten und Partikularisten.
Also auf der einen Seite das verheerende Bündnis zwischen den ganz großen „Global players“ und dem Staatssozialismus, der z.B. die Banken immer wieder über die Steuergelder abfedert („Too big to fail“), moralisch noch abgestützt und mit gefüühligem weltanschaulichem Kitsch übergossen durch die ganze internationale Bewegung der „Menschen“rechtler/HumanistInnen (Ändschie-Oh-Seuche), auf der anderen Seite die Partikularisten, all jene, die für Freiheit, Demokratie, Rechtstaat und nationale Souveränität kämpfen und gegen die UN/EU-“Menschen“(un)rechts-Diktatur.

Da kaum ein ganz normale Proll von nebenan, wenn man sich mal die Massen ansieht, Partikularismus überhaupt richtig buchstabieren und übersetzen kann, scheint mir hier noch der geeignete und schlagkräftige Reklamebegriff für unsere gute Sache zu fehlen.

Gruß!
Abendländer

Wahr-Sager
Dienstag, 24. April 2012, 15:49 (URL) | Kurz-URL
@Schopi:

Wenn Sie es sich erlauben, mich dem „anderen Ufer“ zuzuschreiben, obwohl einige wenige Recherchen ausgereicht hätten, um zu ersehen, wie ich „gepolt“ bin, hätten Sie sich Ihre überflüssige Bemerkung sparen können.
Und wenn Martin Lichtmesz schon schreibt, dass er das Wort „rechtsgerichtet“ nüchtern sieht, wo liegt dann das Problem? Mal davon abgesehen, dass ich in der Regel von „Nazis“ schreibe, hier also bewusst Anführungszeichen verwende, um mich eben nicht auf die Ebene der Linken zu stellen.
Wenn jemand rechtsgerichtet ist, denkt er rechts, wenn er linksgerichtet ist, denkt er links. Oder wie sehen Sie das? Gerade Sie machen eben den Fehler, sich mit Ihrer Interpretation der Meinungs- und Deutungshoheit der Linken zu unterstellen und begehen einen noch viel schwerwiegenderen Fehler als ich: nämlich die dämliche Abgrenzung zur NPD, die aber eben den Linksgerichteten – oder von mir aus Linken – zugute kommt! In letzter Konsequenz müssten Sie den Begriff „rechts“ vermeiden, weil damit in der Regel die NPD und die sog. „Rechtsterroristen“ assoziiert werden.
Merken Sie, wie beeinflusst Sie bereits sind?

Und nur, weil ich das Wort „linksgerichtet“ noch nicht gehört habe, heißt das genau was? Nach wie vor kann ich nichts Negatives daran erkennen, den Begriff „rechtsgerichtet“ zu gebrauchen und erinnere daran, dass der politische Gegner Wörter wie diese zu seinen Gunsten umdeutet.

Wahr-Sager
Dienstag, 24. April 2012, 15:55 (URL) | Kurz-URL
@Abendländer:

Ich gelobe Besserung. Dennoch: Es gibt Schlimmeres, wie ich eben schrieb. Wollen Sie aber so weit gehen, das Wort „rechts“ im Sprachgebrauch vermeiden zu wollen, nur weil der politische Gegner damit Schundluder treibt?

drauf und drann
Dienstag, 24. April 2012, 16:30 (URL) | Kurz-URL
Die Piraten haben (hatten) einen entscheidenten Wettbewerbsvorteil gegenüber den sogenanten Altparteien, sie sind neu, haben keine Geschichte, und deshalb auch keine „Skandale“.

Ob Flugmeilen, schwarze Kassen, Ehrenwort, Steinewerfer etc, alles Gründe die die Politikverdrossenen zu den Piraten treibt.
So wie damals bei den Grünen, heute die Piraten, und morgen eben wieder eine neue „saubere“ Partei.

Es ist deshalb durchaus möglich das die Zeiträume zwischen den Parteigründungen immer kürzer werden, damit die jeweils neuste Partei mit der vermeintlich weißen Weste die Politikverdrossenen wieder einsammelt.

Schopi
Dienstag, 24. April 2012, 22:36 (URL) | Kurz-URL
@ Wahr-Sager

So kann man leicht aneinander vorbei schreiben. Ich habe nie daran gedacht, Sie dem „anderen Ufer“ zuzurechnen! Der Ausdruck mag etwas unglücklich sein, einverstanden.

„linksgerichtet“ gibt es nicht.

und „rechtsgerichtet“ ist nach meiner Meinung eine der subtilsten und auch schärfsten Formulierungen, in „gerichtet“ steckt nicht etwa die erwähnte Richtung, es ist das Gericht, das „wir kriegen dich“ und dann wirst Du gerichtet…..

Abendländer
Dienstag, 24. April 2012, 23:26 (URL) | Kurz-URL
@ Wahr-Sager

„Wollen Sie aber so weit gehen, das Wort „rechts“ im Sprachgebrauch vermeiden zu wollen, nur weil der politische Gegner damit Schundluder treibt?“

Nö.
Niemals den Braunen Peter annehmen. Wenn jemand z.B. Kritik an Mohammedanern als „rassistisch“ bezeichnet, gleich fragen, ob derjenige den Rassenforschung betreibe. Sich für die NPD überhaupt nicht interessieren, es sind Sozialisten.
Bezeichne mich öfter als rechts, kein Problem, nur muß man es definieren. Unter Rechten definieren, meine ich.
Wenn mir jemand erzählt, er sei rechts und ist ausgesprochen globalistisch eingestellt, dann ist das für mich nicht mehr die gleiche Party.
Deshalb mein Beitrag oben, ob nicht die Einteilung Globalismus – Partikularismus sinnvoller ist.

Arminius Arndt
Mittwoch, 25. April 2012, 10:21 (URL) | Kurz-URL
Abendländer,

ich halte Ihren Versuch, eine rechts- links Abgrenzung nach dem Schema Globalismus – Partikularismus für einseitig und nicht tauglich.

z.B. ist Nordkorea absolut partikularistisch, hat aber mit „rechts“ außer einer Überbetonung der Staatsgewalt recht wenig gemein.

Bei Deutschland ist hingegen der Außenhandel ein prägender Teil der deutschen Kultur mindestens seit dem Mittelalter – Wir leben heute zum sehr großen Teil auch davon. Während andere Kolonien ausbeuteten oder Expansionskriege führten, erzielte Deutschland seinen Wohlstand durch Produktion und weltweitem Handel – das war schon immer so, nicht erst, seit dem wir dafür uns im Gegenzug Pampers und Coca Cola eingeholt haben.

Nicht umsonst wurde Deutschland, als fette Beute, in der Vergangenheit so gerne in Kriege verwickelt und heute versucht man Deutschland durch Auflösung in die EU entsprechend „einzuhegen“.

Deutschland war schon immer „global“ aufgestellt. Irgendwelchen Waldhütten-Vorstellungen hat eine „rechte“, die für 80 Millionen Einwohner auf der Landfläche Deutschlands sorgen will, daher eine klare Absage zu erteilen.

Ohne die Niederlage 45 würden wir deutschen uns auch kulturell trotz Welthandels und Globalisierung sicher nicht so gerne in die Eigenauflösung sehnen oder treiben lassen … aber das ist ein anderes Thema, hat aber mit Globalisierung erst einmal nichts zu tun.

Bitte nicht falsch verstehen: Die Globalisierung hat ihre Risiken für die nationalen Charakter – sie ist aber kein taugliches Abgrenzungskriterium zur Ablösung eines „rechts/links“ Schema.

Wahr-Sager
Mittwoch, 25. April 2012, 13:25 (URL) | Kurz-URL
@Schopi:

Klar gibt es „linksgerichtet“ – ich habe es doch geschrieben! Sie können jetzt natürlich entgegnen, dass dieser Begriff im Sprachgebrauch nicht vorkommt – was aber nichts darüber aussagt, ob dieser unsinnig sei.

Bzgl. „gerichtet“ ist das aber eine ziemlich freie Interpretation von Ihnen, denn lt. Duden bedeutet das Adjektiv einfach nur: auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet, gelenkt, gesteuert

@Abendländer:

Soweit so ok, aber ich meinte bezüglich der NPD auch eher, sich von dieser Partei nicht zu distanzieren. Man erweist auf diese Weise den Linksparteien nur einen Bärendienst, indem man sich ihnen ideologisch annähert und deren Standpunkte zumindest partiell teilt.

Abendländer
Mittwoch, 25. April 2012, 15:43 (URL) | Kurz-URL
@ Arminius Arndt

„z.B. ist Nordkorea absolut partikularistisch, hat aber mit „rechts“ außer einer Überbetonung der Staatsgewalt recht wenig gemein.“

Japan!
Südkorea!
China!

Was hat eine souveräne und zivilisierte Nation außerhalb der Eine-Welt-Diktatur denn bitte mit z.B. allerrigidesten Handelsbeschränkungen oder z.B. Autarkie zu tun?

Meine „worst-case“-Befürchtung: Der ganze BUNTE „Menschen“rechtsimperialismus von UN/NATO/USA/EU mit der Flutung von Zig-Millionen Mohammedanern nach Europa fliegt uns hier um die Ohren und dann ist Feierabend.
Variante a) Die depressiven Europäer werden unvermittelt manisch und Kämpfen blind gegen alles, was irgendwie nach Feind aussieht. Dann kommen die lieben Freunde aus Amerika und „befreien“ uns wieder einmal von den „Nazis“.
Einmal „Nazi“, immer „Nazi“. Und ziehen uns die Krawatte noch mehr um den Hals mit ihrer „Menschen“rechtsdiktatur.
Variante b) Untergang, weil sich der Westen mit dem ganzen „Diversity“-Quark und dem rapiden Verlust an wirklicher Bildung und Intelligenz nicht mehr in der ersten Liga der Wirtschaft und der Forschung halten kann.
Variante c) Verwüstung und Asche, unglaublich hohe Opferzahlen

Folgen: Japan hat von unserer westlichen Zivilisation das Beste kopiert, der Gelbe Mann gewinnt das Rennen und schreibt in Zukunft die Geschichte.

Entschuldigen Sie meine Art, scharf zu formulieren, erinnert mich daran, wenn die Globalisten und Multkulturalismusfanatiker immer meinen, daß der Partikularist am Ende keine Kiwis aus Neuseeland oder keine Pizza aus Italien mehr essen könnte.

Gruß!
Abendländer

Schopi
Mittwoch, 25. April 2012, 17:25 (URL) | Kurz-URL
@ Wahr Sager

Den Duden möchte ich für die Analyse bestimmeter Zuordnungen von Kunstwörtern nicht bemühen. Die Kategorien wo die Dinge abgelegt werden, legen auch das Vokabular fest – es ist so ähnlich, wie mit der journalistischen Auswahl von Bildern – der „Bösewicht“ sieht irgendwie immer auch so aus: Zigarette, Mundwinkel nach unten, unvorteilhafte perspektivische Anordnung von Kinn und Bauch uws.
Das mediale Geflecht der Beeeinflussung ist enorm und oft sind die am meisten indoktriniert, welche von sich behaupten, hier den Durchblick zu haben, das sage ich jetzt einmal unabhängig von der polit. Ausrichtung der Angesprochenen. Das Feld der Politik ist da auch nur eines von vielen.

gruss
Schopi

eulenfurz
Donnerstag, 26. April 2012, 14:10 (URL) | Kurz-URL
Das, was im Ausland die Rechtpopulisten für die Konservativen sind, sind die Piraten für die weltanschaulichen Linken. Sie wildern in ihrem Terrain und sammeln die Wählerstimmen des Pöbels, der Masse. Die reagiert eher auf Tittytainment, denn auf verzwickte politische Lösungen und Verbesserungen.

Was ist daran neu? Entweder, man sattelt auf Populismus auf, wenn man mit der Masse kommunizieren und sich von ihr tragen lassen will, oder man bleibt unter sich. Die Entscheidung ist vielleicht eine Frage des individuellen Geschmacks.

Die Piraten kommen und gehen, die elementaren Grundfragen des Lebens aber bleiben.
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(2)

Posted in Lichtmesz on April 30, 2012 by androsch

Die Piraten und das rechte Gespenst
Seiten: 1 2

All dies hat mit wünschenswerter Deutlichkeit Piraten-Fräulein Julia Schramm in einem im „poststrukturalistischen“ Jargon abgefaßten Artikel zum Ausdruck gebracht. Der „Diskurs“, der angeblich „den Holocaust ermöglichte und uns auch geprägt hat“, habe etwa folgende Bestandteile:

•Dass es eine natürliche Ordnung gibt, die Menschen befolgen sollten (Hierarchien, etc.)
•Dass es ein deutsches Volk gibt, was eine Art Einheit darstellt/darstellen soll, welche auf der Sprache und der Kultur basiert (Angeschlossen daran: die Nation retten, erneuern, wiederbeleben; deutsches Volk als unterdrücktes Volk, das sich befreien muss, etc.)
•Dass es menschliche Rassen gibt und das Menschen auf Grund ihrer “Rassenzugehörigkeit” gewisse Eigenschaften haben und dass es “überlegene Rassen” gibt
•Dass es Menschen gibt, die überflüssig sind, zB Arbeitslose
•Dass es “gesunde” und “ungesunde” Menschen gibt, die, im Sinne der “Volksgesundheit” eine gewisse Behandlung erfordern (Fettleibigkeit und psychische Abweichungen vom Normzustand zB)
•Dass es einen richtigen Lebensentwurf gibt, an den sich Menschen anzupassen haben
•Dass Homosexuelle “krank”, “komisch”, “unnatürlich”, etc. sind
•Dass Intelligenz genetisch bedingt ist und über den Status in der Gesellschaft entscheiden soll
•Dass Frauen und Männer binär zu trennen sind, gewisse Eigenschaften auf Grund ihres biologischen Geschlechts haben und diese Eigenschaften ihnen einen definierten Platz in der Gesellschaft geben
•Dass es “die da oben” gibt – seien es nun “Bankster”, Juden (meist ja eh das gleiche in den Köpfen derer -.-), etc. die es zu “beseitigen” gilt
•Metapunkt: Gewalt als legitime Form der Durchsetzung dieser Haltungen bzw. Notwendigkeit
Jeder dieser Punkte sei nun „für sich eine hochproblematische Haltung“ und bedeutete einen „Baustein im ‚Nazi-denken’‘“, das auch aus den Köpfen der Piraten gründlich geputzt werden müsse. Da gibt es viel zu tun für die Neopuritaner, denn es gibt wohl nur sehr wenige Menschen mit allen Tassen im Schrank, die nicht mindestens einen dieser Punkte für richtig halten. Manche der angeführten Punkte gar haben mit bloßen Meinungen nichts zu tun; sie beschreiben empirische Tatsachen und wissenschaftlich gesicherte Fakten. Andere wiederum würden schon ganz anders aussehen, wenn man sie ergänzt und differenzierter und präziser formuliert (wer bitte behauptet etwa, daß Männer und Frauen „binär zu trennen sind“? Und was soll das eigentlich bedeuten?) . Aber die Dummen können sich zum Holzschnitt, den sie im Kopf tragen, eben immer nur einen komplementären Holschnitt vorstellen, nicht aber eine Federzeichnung.

Wenn es nun nach Julia Schramm ginge, dann wäre es ein „Mißbrauch“ der Meinungsfreiheit, „auch nur einen dieser obigen Punkte als validen Diskussionsaspekt zu adeln.“ Nun, dann bleibt freilich nicht mehr vieles übrig, worüber man geteilter Meinung sein kann. Langweilig muß einem dabei trotzdem nicht werden, denn dann bleibt immer noch das Vergnügen übrig, die Abweichler von der reinen Lehre zu verfolgen und mundtot zu machen. Man sollte aber nicht vergessen, sich selbst in unaufhörlicher Gewissensprüfung von der Sünde „diskriminierender“ Gedanken zu reinigen. Im Jargon von Julia Schramm könnte ich nun genauso sagen, das sei „ein Diskurs, der die stalinistischen Säuberungen und den Gulag ermöglichte“ und damit „zu dem größten Verbrechen aller Zeiten“ (GRÖVAZ?) führte, und das wäre nicht einmal ganz falsch.

Wir können es aber auch eine Nummer kleiner haben. Schramms Punktekatalog spitzt im Grunde nur das Weltbild der herrschenden gesellschaftlichen Ideologie zu, und die Piraten sind weit entfernt davon, eine echte Opposition oder Gegenkraft zu sein, ganz im Gegenteil. Solange diese Ideologie aber herrscht, wird sie die Wirklichkeit als schlechtes Gewissen, als Gespenst und als Schatten verfolgen.

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Posted in Lichtmesz on April 30, 2012 by androsch

Die Piraten und das rechte Gespenst
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Am Samstag hörte ich während einer Autofahrt Deutschlandradio. In jedem zweiten Beitrag ging es um „Rechtsextremismus“. Da war etwa die Rede von der „rechtsradikalen“ Marine Le Pen, und daß Sarkozy mit Einwanderungsthemen „in den Gewässern des Front National“ fische. Dann folgte ein Bericht über den Breivik-Prozeß in Norwegen, der als mediale Horrorshow live übertragen wird.

Und schließlich kam ein langer Beitrag über „rechtsextreme Äußerungen“ in der Piratenpartei. Es scheint also, das die „Rechte“ in ganz Europa brennendes Thema Nr. 1 wäre, wobei freilich niemand so recht zu wissen scheint, was denn nun genau damit gemeint ist. Differenziert wird dabei kaum (Marine Le Pen etwa wird in den Medien abwechselnd als „rechtsradikal“, „rechtsextrem“ oder „rechtspopulistisch“ bezeichnet), und berichtet wird ausschließlich im Rahmen linker Begrifflichkeiten und Wertungen. „Rechtsrucks“ sind in dieser Perspektive niemals eine Konsequenz aus fehlgeleiteter linker Politik, sondern eine Art psychopathologischer, dämonischer Vireninfektion.

Ein Gespenst geht also wieder einmal um in Europa? Mindestens in Deutschland, wo die die rituelle Invokation des braunen Spuks zu den konstitutiven Elementen gehört. Manchmal fragt man sich, ob die Deutschen noch irgendetwas anderes im Kopf haben als dies. Wo wären sie ohne diese trübe Stimulanz, ohne ihre tägliche Dosis „Hitlerin“? Irgendwo im finsteren Loch der Orientierungslosigkeit und des Horror vacui vermutlich.

Die Dauerpräsenz des „Nazi“-Komplexes, nicht weniger als 67 Jahre nach Kriegsende, hat inzwischen surreale Dimensionen erreicht. Auf den Nazi-Skandal der Woche kann man schon warten wie auf die nächste Tatort-Folge. Und wie ein Fernsehkrimi läuft der gespenstische Zirkus stets nach immergleichen Strickmustern ab. Als Kommentator kommt man sich dabei vor wie das täglich pfeifende Murmeltier aus der Bill-Murray-Komödie.

Nun sind also ausgerechnet die medialen Hätschelkinder von der Piratenpartei an der Reihe, die zur Zeit gleich in einen multiplen Strudel von Nazikomplexen geraten ist. Munter teilt einer dem anderen den braunen Peter aus, aber keiner scheint auf die Idee zu kommen, das Spiel überhaupt abzubrechen oder auch nur in Frage zu stellen. Diese Groteske, in der mal wieder jedes jedes anderen „Nazi“ wird, ist derart jenseits von Gut und Böse (siehe hier und hier), daß ich diesen Unfug nicht auch noch kommentieren werde.

Die Piraten-Partei selbst spottet jeglicher Beschreibung. Was soll man dazu noch sagen? Nichts daran war irgendwie neu, „frech“ oder überhaupt gehaltvoll, sondern lediglich eine besonders dumme und juvenile Zuspitzung gängiger linksgrünliberaler Seichtigkeiten: alle sind genau gleich wie alle anderen, alle sollen alle Rechte haben, alle sollen alles haben dürfen, alle sollen alles machen dürfen und alle sollen alles sagen dürfen, nur bitte nichts, was die vorhergehenden Aussagen in Zweifel zieht.

Damit wäre der Rahmen der von den Piraten so großmäulig auf die Fahne geschriebenen Parolen wie „Meinungsfreiheit“, „Transparenz“, „Demokratie“, „Selbstbestimmung“ usw. in dem üblichen vorhersehbaren Rahmen abgesteckt, in dem das Land vor Langeweile vor sich hinsterben würde, wenn man nicht hin und wieder den braunen Buhmann zum Gruseln vorbeischicken würde. Dieser kaschiert aber lediglich einen ganz banalen Umstand, daß sich nämlich all die linksgrünliberalen Wünschbarkeiten zwar ganz grandios und supernett anhören, mit der Wirklichkeit aber nicht in Einklang zu bringen sind.

All dies funktioniert haargenau so wie eine opiatische Religion. Und überall da, wo Löcher im rosaroten Glaubensgebäude sichtbar werden, da muß natürlich der Versucher, der Teufel, also der „rechte“ Virus, der „Nazi“ schuld und am Werk sein. „Nazi“ ist dann alles, was die radikalliberale bzw. radikalegalitäre Ideologie in Frage stellt, das bedeutet letzten Endes schlicht alles, was nur irgendwie differenziert oder wertet („diskriminiert“). Und wenn sich einmal unliebsame Fakten nähern sollten, heißt es: weiche, Satanas!

Posted in Lichtmesz on April 30, 2012 by androsch

Maron, Mosebach und der Islam in Deutschland
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Einspruch gegen das Wulff-Axiom kam auch in der Welt vom 20. April von Martin Mosebach. Im Gegensatz zu der aus der DDR stammenden Monika Maron, die generell mit keiner Form von Religion „behelligt“ werden will, vertritt Mosebach einen dezidiert römisch-katholischen Standpunkt traditionalistischer Prägung. Hier hat die Verteidigung des religionsneutralen, liberal-säkulären Staates, die Maron so am Herzen liegt, geringe bis keine Bedeutung. So argumentiert er auch stärker auf historischer Grundlage, weniger mit „Werten“:

Mosebach: Wenn ein Politiker sich über den Islam äußert, kann er sagen: Die Deutschen, die sich zum Islam bekennen, haben dieselben Bürgerrechte wie die anderen Deutschen. Das ist eine Selbstverständlichkeit. Aber der Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ ist eine verantwortungslose und demagogische Äußerung. Was hat der Islam zu unserer politischen und gesellschaftlichen Kultur bisher beigetragen? Unser Grundgesetz fußt auf dem Christentum, auf der Aufklärung und auf weit in die deutsche Geschichte zurückreichenden Konstanten, wie etwa dem Partikularismus. Da gibt es kein einziges islamisches Element – woher sollte das auch kommen? Wenn die muslimischen Deutschen die kulturelle Kraft besitzen sollten, der deutschen Kultur islamische Wesenszüge einzuflechten, dann mag man in hundert Jahren vielleicht einmal sagen: der Islam gehört zu Deutschland.

Welt Online: Gehört das Christentum noch zu Ostdeutschland?

Mosebach: Natürlich. Dieses Land ist ein Geschöpf des Christentums. Seine Städte, seine Sprache, seine Kunst, alles. Das vergeht nicht in ein paar Jahrzehnten religiöser Ausdünnung.

Nun gibt es freilich auch hier einige Fallstricke und blinde Flecken, die man häufig bei katholischen Konservativen antrifft. Es gibt hier eine gewisse hartnäckige Verachtung jenes Blutes, das stärker als Wasser ist, all dessen, was etwas voreilig als „biologisch“ oder „nur biologisch“ abgetan hat, wie eben der Volkszugehörigkeit, die, so man es will oder nicht, ein bedeutendes, nicht aus der Welt zu schaffendes Movens unter den Menschen ist. Aber die katholische Welt, so wie ich sie sehe und liebe, ist eben auch die Welt des Konkreten, des Fleisches und der Inkarnation. Sie besteht es aus einer vertikalen und einer horizontalen Linie, Geist und Körper, und beide zusammen formen das Kreuz. Mögen wir alle Brüder in Christo sein, wir gehören dennoch auch irdischen Ordnungen an, für die wir eine ethische Verantwortung tragen.

Mosebach spricht von „Deutschen, die sich zum Islam bekennen“: meint er damit deutsche Konvertiten, von denen es bisher nicht allzu viele gibt, oder ist er gar, nicht anders als ein durchschnittlicher Grüner oder Sozialdemokrat, der Auffassung, daß die deutsche Staatsbürgerschaft ausreiche, um etwa einen Türken, Kurden oder Araber in einen Deutschen zu verwandeln? Jedermann, und gerade der Paßdeutsche selbst, weiß, daß dies nicht der Fall ist. Ein Kalb wird kein Pferd, wenn es in einem Pferdestall geboren wird.Wenn Deutschland in den nächsten Jahrzehnten islamisch wird, dann geschieht dies ja nicht durch massenhafte Konversionen der Stammdeutschen, sondern primär auf demographischem Weg durch die Kolonisierung des Landes durch fremde Völker. Kein Affekt gegen einen „Volksbegriff“ oder die „Biologie“ sollte den Blick für diese Tatsache trüben.

Eine weitere Falle ist hier, die islamische Frage als eine reine Religions- und Konfessionsfrage mißzuverstehen. Wie es dazu kommt, liegt nahe. Ein religiöser Mensch, der die Heißen und die Kalten den Lauwarmen vorzieht, und von einer glaubens- und transzendenzlosen Welt angewidert ist, wird sich nur ungern in eine Reihe mit etwa Monika Maron oder Necla Kelek oder Henryk Broder stellen, die von den Moslems (und eben auch Christen) die Anpassung an die „säkulare, freiheitliche Gesellschaft“ fordern. Mosebach:

Welt Online: Warum sehen so viele Menschen in Deutschland den Islam als Konkurrenz, obwohl sich immer weniger zum Christentum bekennen?

Mosebach: Die Sorge vor dem Islam in Deutschland ist weniger eine Sorge von Christen als von Leuten, die sich von der Kirche schon sehr weit entfernt haben. Die empfinden Religion an sich als gefährlich, und im Islam sehen sie eine Rückkehr der Religion.

Welt Online: Ist Ihnen aus christlicher Sicht ein Muslim lieber als ein Atheist?

Mosebach: Was heißt lieber. Er ist mir auf jeden Fall näher. Selbstverständlich.

Da fragt man sich nun, welchen „Muslim“ Mosebach hier meint. Pierre Vogel? Osama bin Laden? Mullah Krekar? Ibrahim Abou Nagie? Abu Hamza? Mohammed Merah? Allein die Vorstellung ist lachhaft. Und denkt Mosebach, daß sich diese Herren, die allesamt keine Atheisten sind und an ihren Gott glauben, umgekehrt ähnlich generös ihm gegenüber äußern würden? Nun zweifle ich nicht, daß es irgendwo auf der Welt kultivierte moslemische Pendants zu Mosebach gibt, wie es auch in der Tat so etwas wie eine universelle Wahlverwandtschaft der geistigen Menschen gibt, sein „Moslem“ ist aber eine reine Denkfigur aus einer idealisierten Nathan-der-Weise-Sphäre, und diese Aussage erscheint mir, offen gesagt, nicht konsequent für jemanden, der die Religion nicht allein „kulturalistisch“ versteht und bejaht, sondern explizit die Wahrheitsfrage stellt.

Und dann ist „Religion“ eben nicht gleich „Religion“, und dann gibt es auch kein Mehr oder Weniger der Wahrheit, sondern nur ein Entweder-Oder, und dann sind aber auch nicht alle Religionen gleichermaßen respektabel. Aus streng christlicher Sicht ist der Islam die häretische Irrlehre eines falschen Propheten, und Mohammed, den Dante nicht umsonst in der Hölle schmoren ließ, das Urbild dieser Figur. Der falsche Prophet aber ist noch schlimmer als der bloße Ungläubige oder Glaubenslose, denn er verbreitet aktiv die Lüge, wie der Antichrist. Umgekehrt macht es aus islamischer Sicht keinen Unterschied, ob ein Ungläubiger Atheist oder Christ oder Jude ist – er ist gleichermaßen verdammt und wird auch entsprechend behandelt. Der Koran ist diesbezüglich völlig eindeutig.

Mosebach liegt auch falsch, anzunehmen, daß sich die Menschen in erster Linie vor dem Islam als Religion fürchten. Sie fürchten sich viel mehr vor Gewalt, Landnahme, Repression, Erpressung, Enteignung, Entfremdung und Überfremdung. Nicht der Islam an sich ist unser Problem, sondern die Masseneinwanderung inkompatibler Völker. Die „Islamkritiker“ müssen reif werden und zu Einwanderungskritikern werden. In dieser Problematik spielt der Islam allerdings die Rolle eines aggressiven, verschärfenden und beschleunigenden Moments. Man sollte hier sich nicht von dem religiösen Element hypnotisieren lassen wie das Kaninchen von der Schlange.

Gerade viele Konservative erliegen dieser Versuchung, weil sie in dieser religionsfeindlichen Zeit dazu neigen, generell die Partei der geschmähten und hochmütig überwunden geglaubten Religion zu ergreifen. Wir alle wissen, daß uns nur noch ein Gott retten kann. So hat es Martin Heidegger 1966 gesagt. Aber nicht jeder beliebige dahergelaufene Gott. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Trotzdem kenne ich viele verzagte Konservative, unter ihnen nicht wenige dem Traditionalismus nahestehende Christen, die schon unsicher die Hand nach Allah ausstrecken oder sich ihm gegenüber zumindest aufwärmen, weil offenbar keine anderen Götter im Angebot sind.

Hier gilt es, den Skeptiker und Aufklärer einzuschalten. Eine Religion kann, wie etwa bei Canetti nachzulesen, Folge eines Massenwahns und eine Art evolutionäres Vehikel des Willens zur Macht sein, das dann letzten Endes vor allem weltlichen Dingen dient. Der Islam wäre dafür das Beispiel par excellence, und darum ist er auch ausreichend von Nietzsche und vielen Faschisten bewundert worden. Der Koran erteilt den Freibrief zum ungehemmten Willen zur Macht in einem Maße, wie es dem Neuen Testament diametral entgegengesetzt ist, wie das Leben Christi dem des Mohammed. Zu seinen Blütezeiten war der Islam eine pure, gut geölte Machtentfaltungs- und Eroberungsmaschine, und als solche funktioniert er noch heute.

Die Sorge um die Islamisierung hat mit Kirchenferne und Abfall vom Glauben also erstmal rein gar nichts zu tun. Sie ist in der Tat angesichts ihres fortgeschrittenen Stadiums immer noch allzu gering. Wären die Deutschen heute kirchentreu und gläubig, dann würde der Islam kaum so nachsichtig toleriert und verteidigt werden, wie es heute der Fall ist, dann wäre es überhaupt gar nicht erst zu einer derart massiven Landnahme gekommen, und dann würde es heute schon längst heftig krachen zwischen Christen und Moslems. Dafür spricht sowohl die historische als die zeitgenössische Evidenz. Die Glaubensstarken haben einander in der Geschichte selten toleriert, und sie standen sich gegenseitig umso ferner, je stärker ihr Glaube war. Das alte, gläubige Europa hat nicht nur den Islam als Todfeind bekriegt, es hat innerhalb der Christenheit erbittert um die Rechtgläubigkeit gekämpft. Es waren auch nicht die kirchentreuen Christen, die die Moslems in die Mauern Europas ließen, sondern die Glaubenslosen und die Anhänger diverser säkularer Ersatzreligionen, die unter anderem vom Haß auf das Christentum motiviert sind.

Auch hier antwortet Mosebach ausweichend:

Welt Online: Sie fürchten nicht, dass der Islam das Christentum in Europa verdrängt?

Mosebach: Dem Christentum ist ja nicht der historische Erfolg geweissagt. In den verschiedenen Apokalypsen ist ihm geweissagt, dass die Kirche in den letzten Tagen vor dem Ende der Welt fast vollständig verschwinden wird.

Nun gut – aber auch die Welt wird nach dieser Weissagung vollständig verschwinden, die Ernte wird eingefahren, und das große Tier, der falsche Prophet, Gog und Magog werden vernichtet werden. Kein Grund für den Christenmenschen, sich diesen in irgendeiner Weise „nahe“ zu fühlen.

Bild: Mohammed in der Hölle. Illustration zu Dantes Inferno, 14. Jhdt.

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