Beim Bloc Identitaire in Orange: Strukturen (Teil2)

Im Saal selbst (über dessen geradezu groteske Häßlichkeit Lichtmesz berichtet) war es nie wirklich voll, ständig standen Teile der Besucher im Foyer oder im Freien – eine Form der Disziplinlosigkeit und des mangelnden Respekts, die von einem französischen Pärchen dezidiert angesprochen wurde: Respekt sei, demjenigen zuzuhören, der sich vorbereitet hat – eine Haltung, die wir für unsere eigenen Veranstaltungen in Berlin, Schnellroda und anderswo stets einfordern und durchsetzen.

Überhaupt: dieses Pärchen. Martin sprach sie an, nachdem ich ihn auf Cordhose (Mann) und langen Rock (Frau) aufmerksam gemacht hatte. Und tatsächlich: Das waren Leute, die unter „Identität“ jene Übertragung einer Überzeugung auf das eigene Leben verstanden, die mir die frühen Grünen so sympathisch machten: bei sich beginnen, nicht vor allem gegen, sondern für etwas sein, regional und ökologisch denken, die Dinge anfassen und nicht nur theoretisch vorbeihuschen am Eigenen, Eigentlichen, undsoweiter. – Eine Minderheit auch in der neurechten Szene Frankreichs, ich machte unter den älteren Teilnehmern ein paar ähnlich gestrickte Figuren aus, und es wunderte mich nicht, daß einer von ihnen in einer Pause zur Gitarre griff …

Was war das, optisch, atmosphärisch? Es war eine Einschwörungsveranstaltung, keine Theorietagung; die Redner forderten die Zuhörer zu kollektiven Äußerungen heraus, es gab Parolen, es gab Rede und Antwort, es gab Fahnen im Vortragssaal und vor jeder neuen Rede einen emotionalisierenden Film.

An den Büchertischen: ein reiches Angebot an Plakaten, Musik, Karten und Büchern – jedoch nicht so durchgestaltet, daß eine Art Bloc-Design zu erkennen wäre. Das sind Gehversuche, stilistisch und strukturell sind unsere Verlage und Zeitschriften deutlich weiter, und entsprechenden Eindruck machten Antaios und Sezession dann auch auf diejenigen, denen an der Theorie hinter der Aktion gelegen ist.

Interessant: eine Art Identitäres Lexikon, das ein anderer Kopf, Phillipe Vardon, verfaßt hat – etwas ganz anderes als das Staatspolitische Handbuch, aber sehr reizvoll in seinem pop-kulturellen Zugriff. Lichtmesz skizziert bereits eine deutsche Variante …

Die Zeit reichte nicht hin, um in Lyon oder Nimes eines der identitären Hausprojekte zu besuchen. Von der alljährlichen Sommerakademie (mit Theoriearbeit, Selbstverteidigung, Organisationsschulung und Aktionstraining) ließ ich mir ausführlich berichten. Cattin sprach eine Einladung aus – man solle sich das einmal vor Ort anschauen, und außerdem läge ihm viel daran, mögliche deutsche Identitäre aus der Nähe kennenzulernen und ihre Zuverlässigkeit und Disziplin zu prüfen.

Das ist nichts mehr für mich, für Lichtmesz auch nicht, aber vielleicht etwas für die Wiener Gruppe, mit der wir uns lange und intensiv unterhielten oder für eine mögliche deutsche Sektion, von der wir in der Tat noch nichts wissen. Die Tanzerei in Frankfurt war ja bloß ein Minimal-Zeichen.

Seiten: 1 2

Veröffentlicht: Freitag, 9. November 2012, 13:47
Kategorie(n): Ereignis, Heute, Tage und Taten, Wir
Schlagwörter: Bloc Identitaire, Orange
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31 Kommentare zu „Beim Bloc Identitaire in Orange: Strukturen“

FdF!
Freitag, 9. November 2012, 14:57 (URL) | Kurz-URL
Alles noch nicht ganz ausgereift, aber interessant und sympathisch. Eine Parallelbewegung in deutschen Landen wäre wünschenswert und ist ja auch im Enstehen.
Bemerkenswert, dass auf den anfänglichen Reinigungsprozess hingewiesen wurde. Dies hängt mit den Wurzeln der französischen Identitären zusammen (Unité Radicale etc.), ein recht krudes Gemisch aus Nationalbolschewismus und sonstiger Revolutionsromantik. Immerhin hat man das hinter sich gelassen.
Eine gesunde Kompromisslosigkeit wäre auch so mancher deutschen Gruppierung zu wünschen. Aus Personalknappheit heraus, wird alles mitgeschleppt, was laufen kann. So läuft es eben gerade nicht!
Ein Fremder aus Elea
Freitag, 9. November 2012, 16:03 (URL) | Kurz-URL
Hat also nicht viel, aber etwas gebracht.
Nun, ich wünsche Lichtmesz gutes Gelingen.
Habe mich zuletzt mehr mit der Situation in Amerika befaßt. Es schien mir fast, daß Obamas Worte „We are, and forever will be, the United States of America“ als Drohung gemeint waren. Weit ist es mit der Einheit nicht mehr hin, Ron Paul hatte vor vier Jahren vielleicht 10% der Republikaner auf seiner Linie, heute sind es wahrscheinlich 30%. Das geht noch weiter, und das wird auch andernorts zu spüren sein.
In den Staaten wenigstens nimmt es zunehmend die Form an, daß auf der einen Seite die stehen, welche sich aufgegeben haben und auf der anderen die, welche es noch nicht getan haben. Die ganze linke Hirnverkleisterung ist wahrscheinlich schon in vier weiteren Jahren intellektuell tot, es wird zwar viel gejammert, aber nur weil es Aktivisten nicht schnell genug geht, heißt es nicht, daß es nicht voran geht.
Wird interessant sein, was man dann aus Europa zu hören kriegt. Nun, wenn nicht bis dahin andere Dinge geschehen.
PB
Freitag, 9. November 2012, 16:25 (URL) | Kurz-URL
Die Machtausüber haben sich jedenfalls schon mal positioniert:
„Es bleibt also zu hoffen, dass auch dieses Phänomen so schnell wieder verschwindet, wie es aufgetaucht ist.“
http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/die-identit%C3%A4ren-ein-ernstzunehmendes-neues-ph%C3%A4nomen-oder-nur-nebellichter-8149
Weltversteher
Freitag, 9. November 2012, 17:42 (URL) | Kurz-URL
Ich bin gespannt auf jeden Hinweis, was an dieser Bewegung nun tatsächlich eigenständig sein wird. Es müßte doch schon zu erkennen gewesen sein, welche Indentität hervorgehoben werden soll: Die der weißen Rasse, die der „Europäer“, der Franzosen?
Vermutlich wird längst die Falle gestellt, sie irgendwann erkennen zu lassen: Was habt ihr nur, ihr dürft doch „ihr“ sein? Was habt ihr denn besonderes, was euch von anderen unterscheidet und ein wichtiges Gut wäre?
Die erblickten „Trachtler“ hätte man hier unter der Überschrift „Völkische“ zusammengefaßt. Die gibt es schon lange, und sie sind wohl gegenwärtig die einzigen, die versuchen, eine nationale Identität zu beleben.
Allerdings treten sie nicht öffentlich in Erscheinung.
Vermutlich schließt das einander aus, jedenfalls in den einzelnen Menschen: Suche nach dem Eigenen, Inneren, und der Kampf gegen dessen Bedrohung.
Was uns eigentlich noch fehlt, ist eine Sturmtruppe, und als solche tut sich diese Bewegung bislang hervor.
Der Klaus
Freitag, 9. November 2012, 18:19 (URL) | Kurz-URL
Natürlich, und man erkennt die Nervösität in der verwendung des Wortes „hoffen“. Die alten Strassenkämpfer erinnern sich an Ihren Aufstieg zur Macht und wissen das es auch andersherum geht.
Dieter Urchblicker
Freitag, 9. November 2012, 18:41 (URL) | Kurz-URL
Ob die Identitären ein stabiler Ast aus neurechtem Stamm sind scheint mir fraglich. Es gibt viele Gemeinsamkeiten in der Zielsetzung, was die Bewegung „unter der Haube“ antreibt scheint mir aber eher vage.
Ich kann bisher – dieser Artikel bildet keine Ausnahme – keine direkte Bezugnahme zur Neuen Rechten erkennen, Versatzstücke, sicherlich, das war es dann aber derzeit schon.
Man scheint zu lavieren, will sich nicht festelegen, prescht vorraus und macht Boden gut – Ungestümheit der Jugend? Das ist wünschenswert und respektabel, aber wie wird das aussehen wenn die Bewegung die Schwelle der Nichtbeachtung überschreitet und sich positionieren muß?
Als Vergleich vielleicht die Piraten: Jung, frisch, dynamsich… auch sie preschten in Windeseile vorraus, je konkreter es wurde, je mehr Farbe sie bekennen mussten, desto blasser wurde ihr Nimbus.
Es ist meiner Meinung nach zu früh für eine Einordnung. Ich bin ungeduldigt, will mehr wissen, bin daher etwas enttäuscht von dem Ergebnis (was nicht dem Autor anzulasten ist). Vielleicht warte ich auf etwas, das so nie kommen wird. Vielleicht ist es besser die eigenen Mittel einzusetzen um die Bewegung in Deutschland mit formen zu helfen statt zu warten was vom frz. Original zu uns herüberschwappt.
Dem steht gegenüber dass es vielleicht gerade das Unkonkrete ist, dass die Bewegung attraktiv macht und man ihr durch Einflußnahme Chancen verbaut.
Soll man aufbauen, soll man prägen oder soll man besser abwarten? Wir haben schon viel zu oft & lang gewartet, vielleicht noch dieses eine, letzte mal?
Asenkrieger
Freitag, 9. November 2012, 19:11 (URL) | Kurz-URL
Da die Realität immer weniger mit der medialen Simulation übereinstimmt, wird es früher oder später zu einer Bewegung dagegen kommen.
Ob es dann noch Diskussionen über Abgrenzungen und Distanzierungen geben wird, wage ich zu bezweifeln.
Wenn es soweit ist, wird es nur noch zwei Seiten geben.
Sixty
Freitag, 9. November 2012, 19:34 (URL) | Kurz-URL
Zitat aus dem „Netz gegen Nazis“:
„Die Parole „100 % Identität – 0% Rassismus“ klingt erst einmal unverfänglich. Dass die Parole nur als Deckmantel für antimuslimischen Rassismus dient, wird in der weiteren Beschreibung erst auf den zweiten Blick deutlich. Man muss es schon bis zum Ende der Beschreibung schaffen, um die typischen Schlagworte zu entdecken: „Wir wollen das Überleben unseres Volkes und aller Völker Europas und den Schutz unseres Kontinents vor Überfremdung Massenzuwanderung und Islamsierung!“ (Fehler im Original). Das Thema „Volkstod“ wird gut verdeckt und ist trotzdem ein eindeutiger Verweis auf die Nazi-Inhalte.“
Soweit. Einmal mehr entlarvt sich der links-liberale, pro-islamische, „antirassistische“ schaumschlägerische „Antifaschismus“ als ein wesentliches Instrument, um die antinationale bzw. anti-identitäre „politisch korrekte“ Gleichschaltung in Deutschland im Sinne der Bundestags-Kartellparteien voranzutreiben.
Daß historisch gesehen Nazis und Muslime bzw. Islamisten durchaus Freunde waren und auch heute (siehe z.B. Iran) bisweilen noch sind, bleibt dabei (bewußt?) unerwähnt.
Dies klarzustellen, heißt keineswegs, à la PI-News oder „Achse des Guten“ USA- oder Israel-Freund zu sein.
Alexander
Freitag, 9. November 2012, 20:57 (URL) | Kurz-URL
Dieter Urchblicker,
die Antwort muß ganz klar lauten: (mit)aufbauen & prägen!
Meine Zeit des stillen Beobachtens & Abwartens ist jedenfalls vorbei …
Wagen wir den Sprung!
Toni Roidl
Freitag, 9. November 2012, 21:31 (URL) | Kurz-URL
Danke, dass Sie vor Ort waren und für den Bericht. Mich erfüllt das mit Hoffnung. Ich meine, jede Initiative, die den kruden linken Thesen Widerstand bietet, verdient erstmal Anerkennung. Natürlich waren die bisherigen Aktionen noch nicht der große Wurf, aber die Leute haben den Rechner verlassen und etwas GETAN. Und der Stil ist zeitgemäß. Wer über die Tanz-Flashmobs elitär die Nase rümpft, soll etwas Besseres vorweisen. Und wenn so etwas jeden Monat, jede Woche passiert, kann das eine Eigendynamik entfalten. Ich bin gespannt.
Martin Höfer
Freitag, 9. November 2012, 21:52 (URL) | Kurz-URL
Daß aus deutscher bei Betrachtung einer identitär-französischen Bewegung ein fader Beigeschmack bleibt, überrascht mich nicht. Alles andere wäre merkwürdig, wissen gerade wir Konservativen doch gerade um die Eigenheiten eines jeden Volkes, die es erst schützenswert erscheinen lassen. Gerade hier sind eklatante Unterschiede in Herangehensweise und Richtung also zu erwarten. Aus diesem Grunde halte ich wenig davon, fast wie im Vormärz manisch westwärts zu starren und dankbar jeden Brocken aufzuheben, der uns vor die Füße geschmissen wird. Die Identitärennummer ist allein ein französisches Programm, das für ein vollkommen romanisiertes Volk funktioniert, bei uns hingegen muß es scheitern. Nur die Idee ist transfomierbar. Ziehen wir unsere Lehren, indem wir etwas EIGENES erschaffen, mit eigenen Symbolen, eigenen Begriffen und eigenem Stil. Was soll dieses Lambdazeichen uns schon sagen? KSA als Anknüpfung, neuer Name neues Symbol, urdeutsch und neu, poparttauglich, aggressiv und intelligent, in der tumblr-Küche ist schon einiges zu finden. Mein Kopf raucht, haut rein!
Info
Freitag, 9. November 2012, 22:00 (URL) | Kurz-URL
Auf Youtube findet man ein kurzes Video zu der erwähnten Sommerakademie:

Außerdem eine Reportage des französischen (öffentlich-rechtlichen) Fernsehsenders France 2:
Info
Freitag, 9. November 2012, 22:03 (URL) | Kurz-URL
Da gab es wohl einen kleinen Fehler.
Reportage des französischen (öffentlich-rechtlichen) Fernsehsenders France 2:

ABC
Freitag, 9. November 2012, 22:10 (URL) | Kurz-URL
Die Machtausüber haben sich jedenfalls schon mal positioniert:
„Es bleibt also zu hoffen, dass auch dieses Phänomen so schnell wieder verschwindet, wie es aufgetaucht ist.“
Diese Hoffnung wird wohl schon deswegen enttäuscht werden, weil JETZT die Generation da ist, die sich vor der Wirklichkeit – ihrer Wirklichkeit – nicht mehr drücken kann. Für weiße Franzosen in den genau wie bei uns oder in England oder sonstwo überfremdeten Städten ihres(?) Landes … gibt es keine Nischen mehr, in die sie sich vor der Wirklichkeit zurückziehen könnten. Daher: Das ‚Phänomen‘ wird nicht verschwinden! Weil die Situation, auf die es die Reaktion darstellt, nicht verschwinden wird.
S. Wunder
Samstag, 10. November 2012, 0:04 (URL) | Kurz-URL
Die „Identitäre Bewegung Deutschland“ agiert bislang m.E. recht klug, und Akteure dieser Bewegung werden wohl auf der einen oder anderen Akademie des IfS ihren Impuls zur Tat gewonnen haben. Was daraus wird, ist noch offen, aber durch die Schwerpunktsetzung auf positiven Botschaften und Verzicht auf vergangenheitsbezogene Nebenkriegsschauplätze hat man bereits einen deutlichen Schritt nach vorne getan. Ich war skeptisch, weil der gewählte Ansatz verwundbar für Unterwanderung aus verschiedenen Richtungen ist, aber bislang hat man hier stets disziplinierend eingewirkt, wenn solche Versuche erkennbar wurden. Das Anliegen („Verteidigung des Eigenen“) hat man in Anlehnung an Lichtmesz klar formuliert, und alles, worauf es jetzt ankommt, ist die Tat. Hier wären weitere Impulse erforderlich: Was können einzelne Gruppen tun, die jeweils vielleicht ein Dutzend Personen umfassen?
Dr. Schneider
Samstag, 10. November 2012, 8:39 (URL) | Kurz-URL
@ Sixty:
Genau solche Fragen stelle ich mir auch und sie scheinen mir bei den Identitären wie auch hier in dieser Diskussion etwas zu kurz zu kommen. Die Herangehensweise ist doch schon sehr technokratisch. Man tut so, also wollten alle irgendwie das gleiche und als ginge es nur noch um Fragen der Strategie und der Inszenierung.
Zunächst frage ich mich, woher dieser Professionalitätsschub und das dahinter stehende Geld kommt. Der immer wieder exponierte Verweis auf die FPÖ und Vlaams Belang – erinnert sich jemand noch an die Israelreise von Strache und Wilders? – weist in eine bestimmte Richtung.
In Frankreich hat die génération identitaire Alain Soral, der an einer Achse zwischen Europäern und Muslimen im Widerstand gegen die Globalisierung arbeitet, sehr scharf angegriffen. Das war keine konstruktive Kritik, mit der man jemanden überzeugen will, das war ein wortreiches „Verpiß dich!“
Und was diesen Philippe Vardon angeht, so scheint er aus keinem anderen Holz geschnitzt als die Schleimbolzen Wilders und Strache. Hier kann man seine Rede anhören:

Man vermißt eine klare Positionierung zu den wirklich drängenden Fragen.
Inselbauer
Samstag, 10. November 2012, 15:55 (URL) | Kurz-URL
Das hört sich alles recht fremd an, und ich glaube nicht, dass man mit einer solchen Jugendkultur in Deutschland ein großes Publikum für Deutschland gewinnen kann. Wir hätten am Zwischentag zum Schluss das Deutschlandlied singen können, da wäre keiner vor der Tür gestanden.
Ich finde es gut, dass Kubitschek so realistisch ist, sich von den antiautoritären und kirchentagsmäßigen Auswüchsen zu distanzieren. Urlaub ist ja schön, und Frankreich auch, trotzdem müssen wir mit dem Eigenen zurecht kommen, die halbe Pro-Bewegung ist in den letzten Tagen hopsgenommen worden, und Stürzenberger wird im ZDF für den Verhetzungsparagraphen reif gemacht.
Martin
Samstag, 10. November 2012, 17:14 (URL) | Kurz-URL
Dr. Schneider,
wir könnten alle froh sein, wenn wir in Deutschland Leute mit einem Erfolg wie Strache oder Wilders hätten oder so etwas wie Vlaams Belang … im Vergleich zu unserem Establishment immer noch besser.
Im Moment schaut es sehr schlecht aus in Deutschland für jegliche Bewegung, die auch in Richtung Parlament oder öffentliche Posten schielt (s. auch den Beitrag von Inselbauer).
Der Repression und auch der juristische Verfolgungsdruck ist erstaunlich hoch – da gilt es wohlüberlegt dagegen zu halten.
Und jetzt zum Thema, da habe ich auch noch eine Frage:
Wie stehen denn die franz. „Identitären“ zum Front National, der ja in Frankreich schon seit längerem einige Erfolge hatte. Das ist mir noch nicht so klar.
Inselbauer
Samstag, 10. November 2012, 20:04 (URL) | Kurz-URL
Lieber Dr. Schneider, Strache ist alles, aber kein Schleimbolzen, und er wird auch nicht von den Israeli finanziert. Ich kenne den Mann und das Milieu sehr genau, bitte schlagen Sie sich das aus dem Kopf. Überhaupt muss man sich von der Vorstellung verabschieden, dass die Islamkritiker von „Juden“ finanziert seien. Wenn PI einmal ein paar tausend Euro von denen eingesteckt hat, soll uns das wurscht sein, genauso wie die Lederschuhe von Strache (Budapester Schuhe…)
Schöner wird`s nicht
Samstag, 10. November 2012, 23:44 (URL) | Kurz-URL
Es ist längst an der Zeit und eine Situation entstanden, wo alte Germanen einfach das Schwert geschliffen haben und sich nicht in endlosen Diskussionen über die gesetzmäßige Legitimation ihres Handelns zerrieben hätten.
Sie hätten ganz simpel neue Tatsachen, Realitäten und angenehmere Lebenswirklichkeiten geschaffen!
Warum lange über das an sich schon Verrückte nachdenken, das klar den eigenen Untergang bringen wird, ja bringen muss?
Lange darauf gewartet, ob irgendwo ein Leidensgenosse am Horizont auftaucht, der irgendwie helfen könnte, hätte der mutige Germane wohl auch nicht.
Das Warten auf ein „Elan Vital“ aus dem Nirwana, auf einen Befehl eines mächtigen Gerechten, der das notwendige Handeln entschulden würde, führt nur in die Kälte des Universums.
Warum auf etwas warten,auf eine Stimme, das schon immer in uns ganz von selbst klingt?
FdF!
Sonntag, 11. November 2012, 12:15 (URL) | Kurz-URL
Was ist nun das Ergebnis der Debatte?
Durch den Besuch bzw. die Eindrücke der Sezessionisten in Orange sind wir sicher alle nicht dümmer geworden. Dass man dort den Königsweg nicht verraten bekommt, war auch offenkundig.
Die einen im Forum bleiben im Elfenbeinturm, die anderen wollen heraus.
Ich selbst verfüge über eine verhältnismässig exclusive Sammlung von KR-Literatur. Gelesen habe ich sie weitgehend. Geholfen ist damit niemand.
So langsam müssen wir uns aber selbst helfen, sonst ist es schlichtweg zu spät.
In eine Traditionskompanie mag ich mich noch nicht einreihen.
Das IfS könnte bspw. eine Veranstaltung zum Thema „Identitäre Perspektiven in Deutschland“ veranstalten. Wir benötigen einen Klärungsprozess und die Erkenntnis, dass es nicht ausreicht Heftchen zu sammeln.
Sixty
Sonntag, 11. November 2012, 15:16 (URL) | Kurz-URL
„wir könnten alle froh sein, wenn wir in Deutschland Leute mit einem Erfolg wie Strache oder Wilders hätten oder so etwas wie Vlaams Belang … im Vergleich zu unserem Establishment immer noch besser.“
Ja, aber doch nur das „kleinere Übel“ und als USA-/Israel-Fans im übrigen durchaus „mainstreamig“.
„Wie stehen denn die franz. „Identitären“ zum Front National, der ja in Frankreich schon seit längerem einige Erfolge hatte. Das ist mir noch nicht so klar.“
Das würde mich auch interessieren. Marine Le Pen steht ja (anders als ihr Vater) eher für eine „linksnationale“ Politik.
FdF!
Sonntag, 11. November 2012, 21:19 (URL) | Kurz-URL
Jean-Marie Le Pen war ein klassischer Rechter in Frankreich, hat alles mitgemacht. Über Poujade, Algerienkrieg und hin und her. Seine Tochter hat den Laden ein bischen modernisiert. Das Keltenkreuz lässt man schon mal zu Hause.
„Linksnational“ ist sicher der falsche Begriff. In jedem Rechten steckt ja in aller Regel ein kleiner Sozi, links wie rechts des Rheins. Mit Wirtschaftspolitik mag man sich sowieso nicht beschäftigen. Ist ja eher was für die Kameraden von der anderen Feldpostnummer.
Der Bloc Identitaire ist für den FN ein politischer Konkurrent, der auf kommunaler Ebene schon ordentlich Stimmen abgestaubt hat (z.B. Nizza). Die Begeisterung hält sich also in Maßen.
Zudem läuft der Regionalismus der Identitären den in Stein gemeißelten Zentralismus in Frankreich entgegen. Da sind die Verhältnisse doch ein bischen anders. Regionale Vielfalt wird in Frankreich nicht als Stärke betrachtet.
Selbst zu Zeiten der Kollaboration schlug diese Problematik immer wieder durch. Bei Interesse kann man sich bspw. mit Gerhard von Tevenar und seinen Bretonen beschäftigen.
Ernstfall
Sonntag, 11. November 2012, 23:16 (URL) | Kurz-URL
Das Vorhaben „identitäre Bewegung“ braucht m.E. Führung in Form eines Willens, der das Handeln auf ein Ziel ausrichtet und Schwerpunkte setzt. Die vorhandenen Kräfte sind begrenzt und sollten mit Bedacht eingesetzt werden. Aus dem dezentralen Vorhaben heraus ist die erforderliche Führung bislang nicht entstanden, so daß nun andere gefragt sind. Hier könnte das IfS eine Lücke schließen und die geistige Führung übernehmen. Welche Ziele können wie angegriffen werden? Wenn diese Frage nicht bald beantwortet wird, könnte der aus meiner Sicht vielversprechende identitäre Ansatz wieder an Schwung verlieren.
Dr. Schneider
Montag, 12. November 2012, 8:50 (URL) | Kurz-URL
@ Inselbauer
Also ich habe noch diverse TV-Duelle kurz vor Haiders tot in Erinnerung, in denen Strache Haider scharf angegriffen hat, wobei Haider stets auf Konsens und Verständigung aus war. Man hat gemerkt: Straches Hauptziel ist, zu verhindern, daß Haider wieder was zu sagen hat und es zu einer Bündelung der Kräfte kommt. Honi soit qui mal y pense.
Kubitschek hat schon recht, wenn er sagt, wir bräuchten einen Charismatiker, so einen wie Haider eben.
Der war aber nicht nur Charismatiker, sondern hatte auch klare Positionen, was wieder mal zeigt: Beides bedingt sich. Ein echter Charismatiker hat auch inhaltlich einen sichtbaren, wohldefinierten Standpunkt.
Mit den Retortenbabys von der PRO-Bewegung, Vlaams Belang (Post-Haider)-FPÖ, etc. etc. ist niemandem gedient.
Ernstfall
Montag, 12. November 2012, 13:31 (URL) | Kurz-URL
Hier ein Beitrag der Frankfurter Rundschau, die das IfS als treibende Kraft hinter den Identitären in Deutschland sieht und das ganze unter „Rechtsextremismus“ einordnet: http://www.fr-online.de/die-neue-rechte/rechtsextremismus-neueste-rechte
Inselbauer
Montag, 12. November 2012, 15:15 (URL) | Kurz-URL
Lieber Dr. Schneider, ich warne davor, die österreichischen Verhältnisse unter deutschen Vorzeichen zu beurteilen. Strache hatte nie etwas gegen Haider, und umgekehrt auch nicht; das sind Österreicher, sie meinen nicht das, was sie sagen. Es ist ein Land, in dem ein Drittel der Wähler „rechtsradikal“ denken und vor allem empfinden, das hat mit den gegenwärtigen deutschen Verhältnissen nichts zu tun.
Strache hat alles erfolgreich von Haider übernommen, was politischen Erfolg verspricht. Er steht viel weiter „rechts“ als es Haider jemals war. Sein Erfolg gründet sich auch auf gute Redenschreiber und eine starke Basis in der Arbeiterschaft. Beides hat auch mit den Verhältnissen in der deutschen Rechten nichts zu tun (..)
Von Haider und Strache kann man sicher lernen, dass man gute Leute braucht, um handwerklich gute Politik zu machen. Man kann von diesen Leute aber auch lernen, dass man gegenüber den „Feinden“ in der eigenen Bewegung ab und zu auch einmal die Klappe halten muss und dass es gar keinen Sinn hat, abwertend gegen Kameraden aufzutreten, sondern dass es auch um Zuwendung und Wärme (ja, Sie haben richtig gelesen!) in der Politik geht.
Alexander
Montag, 12. November 2012, 15:37 (URL) | Kurz-URL
Da der Verweis zur Frankfurter Rundschau weder hier noch auf Ernstfalls Seite funktioniert, hier der korrekte Pfad:
http://www.fr-online.de/die-neue-rechte/rechtsextremismus-neueste-rechte,10834438,20843510.html
Was die Führung der Identitären Bewegung betrifft, wird es durch die dezentrale Strukturierung wohl einen inneren Machtkampf geben, aus dem eine Führung mit (ihren) zentralen Leitlinien hervorgehen wird. Es wäre auch aus meiner Sicht wünschenswert, wenn das IfS oder ihre Mitglieder sich (zumindest von außen) an diesem Prozess beteiligen würden. Die Macher der Blauen Narzisse setzen bereits Akzente.
Möchte man – wie Ernstfall – gewisse Positionen in der Identitären Bewegung vertreten oder gar vorherrschend sehen, ist man jedoch vor allem selbst gefragt, sich und seine Meinung einzubringen.
Also Schluß mit dem ewigen Beobachten, Abwarten und enttäuschten Wegdrehen!
Alexander
Montag, 12. November 2012, 16:59 (URL) | Kurz-URL
Nachtrag:
Derselbe Beitrag der Franfurter Rundschau, wurde am gleichen Tag auch auf der Netzseite der Berliner Zeitung veröffentlicht:
http://www.berliner-zeitung.de/neue-rechte/rechtsextremismus-neueste-rechte,10911114,20843510.html
Ein Fremder aus Elea
Dienstag, 13. November 2012, 6:32 (URL) | Kurz-URL
Was die Führung der Identitären Bewegung betrifft, wird es durch die dezentrale Strukturierung wohl einen inneren Machtkampf geben, aus dem eine Führung mit (ihren) zentralen Leitlinien hervorgehen wird.
Glaube ich nicht. Wozu auch? Den Front National gibt es ja schon. Die Geschichte ist voll von föderalen Bünden, wenn auch nicht unbedingt in Frankreich.
Alexander
Dienstag, 13. November 2012, 16:39 (URL) | Kurz-URL
Ein Fremder aus Elea:
Wo gibt es den „Front National“ in Deutschland?
Es ging und geht mir um Deutschland, nicht um Frankreich.

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